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Pfiffe und Regen in Stralsund: Härtetest für Merkel und Laschet

  • Die Bundeskanzlerin macht Wahlkampf für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, damit er der nächste Kanzler werde.
  • Doch beide ernten Protest ausgerechnet in dem Wahlkreis, den Merkel stets direkt gewonnen hat.
  • Jetzt bleibt Laschet nur noch der gemeinsame Auftritt mit Merkel in seiner eigenen Heimat Aachen.
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Stralsund. Nur zwei Auftritte machen die scheidende Bundeskanzlerin und der Unionskanzlerkandidat in diesem denkwürdigen Bundestagswahlkampf gemeinsam. Der eine, am Dienstagabend in Angela Merkels Wahlkreis Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I, ist schon mal ins Wasser gefallen. Beim gemeinsamen Auftritt auf dem Marktplatz in Stralsund stehen Merkel und Armin Laschet im strömenden Regen und erleben ein Pfeifkonzert.

Fast 31 Jahre ist Merkel Bundestagsabgeordnete, ihren Wahlkreis gewann sie stets direkt. Aber gekommen sind an diesem Abend eher lautstarke Gegnerinnen und Gegner. Die anderen sind in der Minderheit oder dringen mit ihren Rufen nicht durch. Nur vereinzelt, wenn auf der Bühne niemand spricht, hört man: „Laschet wird Kanzler“ und „Danke, Merkel“.

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Das Grüppchen der Anhängerinnen und Anhänger innerhalb des Absperrgitters ist klein, die Menge dahinter groß. Als Merkel für Laschet wirbt, erschallen von dort solche Sprüche: „Wir sind das Volk“ und „Merkel muss weg“. Letzteres erledigt sich schon deshalb von allein, weil Merkel nicht wieder als Kanzlerin kandidiert und auch nicht mehr für den Bundestag antritt.

Merkels Nachfolger im kalten Wasser

Ihr Nachfolger im Bundestag möchte Georg Günther werden. Er ist 32 Jahre alt und steht mit Merkel und Laschet auf der Bühne. Für Günther ist das ein großer Moment. Und eine Herausforderung. Er bekommt eine Ahnung davon, wie sich das anfühlt, ausgepfiffen zu werden – auch wenn der Protest ihm jetzt nicht gilt.

Der Landesvorsitzende der Jungen Union Mecklenburg-Vorpommern wirbt für sich als Finanzpolitiker. Er sitzt im Finanzausschuss der Gemeinde Süderholz und im Haushalts- und Finanzausschuss des Landkreises Vorpommern-Rügen. Für Deutschland verlangt er mehr Planungssicherheit. Merkel wirbt für ihn und versucht, ihre großen Fußstapfen kleiner zu machen. Sie habe nur Schuhgröße 38, sagt sie.

Laschet richtet sich direkt an die Protestler, man müsse einander zuhören und sich nicht niederbrüllen. Da aus der hinteren Ecke des Marktplatzes immer wieder etwas von Diktatur gebrüllt wird, vermutet Laschet dort Corona-Leugner oder Gegner der Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie. Er empfiehlt: „Wer behauptet, es gebe keine Pandemie, muss auf die Intensivstation gehen. Wir müssen das Virus bekämpfen.“

Merkel legt sich für Laschet kurz ins Zeug, indem sie erneut vor einer rot-rot-grünen Koalition unter einem Kanzler Olaf Scholz (SPD) warnt. Gute Arbeitsplätze blieben nur erhalten, wenn Deutschland zu den Besten gehöre, sagt sie. Laschet würde als Kanzler den Kurs fortsetzen, auch in dieser Region neue Arbeitsplätze anzusiedeln. Und er würde das Land stabil halten, ohne wie SPD, Linke und Grüne Steuern erhöhen zu wollen. Das sei eine Politik des Verteilens, aber nicht über des Erwirtschaftens.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, rechts) und Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU, links). © Quelle: Getty Images

Am Sonntag würden die Weichen für die Zukunft bei den Wahlen am Sonntag zu Bundestag und Landtag in Mecklenburg-Vorpommern gestellt, sagt Merkel. Auch für Stralsund. In der Region sei die Arbeitslosigkeit während ihrer Kanzlerinschaft von 24 auf unter 8 Prozent gefallen. „Wir haben unglaublich viel zustande gebracht in dieser Region“, betont sie.

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Merkel ist Kummer im Wahlkampf gewohnt. 2017 noch unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise wurde sie regelmäßig niedergeschrien. Dennoch hielt sie unbeirrt ihre Wahlkampfreden. So auch in Stralsund, wenngleich der Druck von ihr gewichen ist, dass der Wahlausgang hauptsächlich von ihr abhängt. Laschet sieht dagegen bedrückt aus.

„Ich bitte Sie“, sagt Merkel noch, „dass Sie dazu beitragen, Deutschlands Wohlstand zu sichern.“ Laschet werde mit Leidenschaft dafür kämpfen. Und er werde Maß und Mitte walten lassen. Also ihren Kurs fortsetzen. Laschet rät sie noch: „Wenn du Bundeskanzler bist, muss du unbedingt bei Tageslicht und Sonnenschein wiederkommen.“

An diesem Abend ist es wirklich nass und dunkel in Stralsund. Jetzt bleibt Laschet nur noch der Auftritt mit Merkel in seinem eigenen Wahlkreis. In Aachen. Bei Tageslicht.

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