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  • Pfeil und Bogen als Waffe einstufen? Bund Deutscher Kriminalbeamter ist dagegen

Trotz Attacke in Norwegen mit Pfeil und Bogen: Bund Deutscher Kriminalbeamter gegen Einstufung als Waffe

  • Könnten schärfere Waffengesetze in Deutschland eine Schreckenstat wie in Norwegen verhindern?
  • Der Bund Deutscher Kriminalbeamter ist skeptisch.
  • Allerdings müsse man jetzt genau hinsehen, ob es zu Resonanztaten komme.
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In Norwegen hat ein mit Pfeil und Bogen bewaffneter Mann fünf Menschen getötet und zwei weitere verletzt. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter spricht sich trotzdem gegen eine Verschärfung des Waffenrechts aus, das bisher Bögen und Armbrüste nicht als Waffen einstuft. „Eine Waffenbesitzkartenpflicht für Bögen und Armbrüste halte ich für übertrieben“, so Daniel Kretzschmar, Sprecher des Bundesvorstandes, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wir sollten Pfeil und Bogen nicht waffenrechtlichen Regulierungen unterwerfen.“

Die bisherigen Regeln, auch für Armbrüste, seien ausreichend. „Das sind bisher sehr seltene Fälle, in denen Pfeil und Bogen für Gewalttaten missbraucht wurden“, so Kretzschmar. Er fordert aber, mögliche Nachahmungstaten im Blick zu behalten: „Wir müssen jetzt sehr genau hinsehen, ob sich Resonanztaten oder entsprechende Tatpläne daraus ergeben. Wenn das der Fall wäre oder sich die Fälle häufen, müsste man über Restriktionen nachdenken.“

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„Verschärfung des Waffengesetzes bringt nicht mehr Sicherheit“

Eine Eignungsprüfung sieht der Bund Deutscher Kriminalbeamter kritisch – dies würde eher neue Probleme schaffen: „Wie die Waffenerlaubnisprüfung für unter 25-Jährige zeigt, will kaum ein Arzt eine solche Eignungsprüfung abnehmen“, heißt es.

Kretzschmar macht deutlich, dass Deutschland eines der schärfsten Waffengesetze weltweit habe und es trotzdem immer wieder zu Gewalttaten komme. „Der internationale Vergleich macht deutlich, dass die Ursache für Gewalttaten kein scharfes oder lasches Waffengesetz ist.“ Auch die letzten Regulierungen des Waffengesetzes in Deutschland hätten nicht viel zur Terrorbekämpfung gebracht. „Eine weitere Verschärfung des Waffengesetzes bringt nicht mehr Sicherheit.“

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Gewalttat in Norwegen: Todesschütze war offenbar ernster Einzelgänger
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Der 37-jährige Däne hatte mit Pfeil und Bogen fünf Menschen getötet und zwei weitere verletzt.  © AFP
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Ohnehin sieht der Bund Deutscher Kriminalbeamter kaum Möglichkeiten, das Waffengesetz weiter zu verschärfen. Denkbar wäre zwar, eine Waffenbesitz­kartenpflicht auch für Schreck­schusswaffen einzuführen. Doch das Problem: „Es gibt einen großen Altbestand an Schreck­schusswaffen, da viele Menschen bereits eine solche Waffe besitzen.“ Sie müssten dann eine solche Besitzkarte beantragen und erklären, warum sie eine Schreck­schusswaffe benötigen.

Viele Lücken im Waffengesetz

Immer wieder gab es in der Vergangenheit Kritik, weil auch stark aufgerüstete, automatisch nachladende Armbrüste ab 18 Jahren frei verkäuflich sind. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter sieht die Probleme des Waffengesetzes aber woanders. Ein Loch im Waffengesetz betreffe die Anzahl der Waffen für Jäger: „Ein Jäger mit Jagdschein darf eine unbegrenzte Anzahl an Waffen und Munition kaufen“, so Kretzschmar. Es habe schon den Fall gegeben, in dem ein Jäger mehr als 800 Waffen gesammelt habe. Dabei sei eine Obergrenze von zwei Dutzend Waffen laut Jagdverbänden angemessen. „Die Gefahr bei so vielen Waffen: Eine sichere Lagerung ist nur schwer möglich und Betroffene können leicht den Überblick verlieren.“

Grundsätzlich werden die Lücken im Waffengesetz von den Herstellern sehr schnell ausgenutzt. „Was nicht verboten ist, das ist erlaubt“, bringt es der Bund Deutscher Kriminalbeamter auf den Punkt. So gab es zum Beispiel bis 2020 eine Lücke im Waffengesetz, weil Pfeilabschussgeräte nicht als Schusswaffen eingestuft wurden. Diese Lücke wurde inzwischen geschlossen, man braucht jetzt eine Waffenbesitzkarte. „Doch jetzt gibt es neue Diskussionen, was genau ein Pfeilabschussgerät ist und was nicht“, so Kretzschmar. Die Hersteller würden immer wieder nach Lücken suchen, um ihre Geräte möglichst ohne Beschränkungen auf den Markt zu bringen.

Messer im Waffengesetz: Jeder zweite begeht Straftat

Besonders kompliziert seien die rechtlichen Vorschriften im Waffengesetz zu Messern. „Bestimmt wird jeder zweite irgendwann mal eine Straftat begehen, weil er versehentlich gegen das Waffengesetz verstößt“, so die Einschätzung des Kriminalbeamtenbunds. In Polen ein Springmesser zu kaufen und mit nach Deutschland zu bringen, sei zum Beispiel ein Risiko. „Manche Messer sind erlaubt, andere nicht und manche darf man besitzen, aber nicht mit sich führen.“ Bisher sei auch noch gar nicht definiert, was überhaupt als Messer gelte. Im Zweifel müssten dies Gerichte entscheiden.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert daher, dass die Fachgremien bei Gesetzesänderungen mit einbezogen werden. Ein beratendes Fachgremium für Änderungen des Waffengesetzes wäre sehr hilfreich.

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Bogenschütze tötet mehrere Menschen im norwegischen Kongsberg
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Der Mann sei festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Das Motiv ist bislang unklar.  © Reuters
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Deutscher Bogensportverband gegen Einstufung von Pfeil und Bogen als Waffe

Hierzulande gehört der Bogen zwar grundsätzlich zu den Schusswaffen, kann aber als Sportgerät ohne Genehmigung genutzt werden. Die Bestimmungen von Waffengesetz und Waffenverordnung gelten für Bögen nicht. Sie dürfen also ohne Waffenschein erworben und transportiert werden.

Der Chef des Deutschen Bogensportverbands, Karl Jungblut, sagte am Donnerstag der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Man kann auch keinen Hammer verbieten, weil auch mal Menschen damit erschlagen werden. Man kann auch keine Küchenmesser verbieten. So schlimm wie das ist, man ist nie davor gefeit, dass ein Gegenstand missbraucht wird“. Er gehe davon aus, dass der Schütze „ein gewisses Training“ gehabt habe. „Es bedarf Übung, solche Schüsse gezielt und mit einer entsprechenden Stärke auszuführen, dass auf größere Distanz jemand schwer verletzt werden kann.“

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