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Personalnot wegen Omikron: Brechen Energie- und Wasserversorgung, Polizei und Bahn zusammen?

  • Je höher die Corona-Infektionszahlen steigen, desto schwieriger wird es auch, wichtige Versorgungsbereiche personell zu besetzen.
  • Angesicht einer möglichen Omikron-Welle wird daher in Politik und Wissenschaft über verkürzte Quarantänezeiten diskutiert.
  • Energie- und Wasserversorger, Polizei und Deutsche Bahn zeigen sich zunächst vorsichtig optimistisch.
Anja Gribhofer
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Hannover. Mit der Sorge vor steigenden Corona-Infektionszahlen in einer möglichen Omikron-Welle, wächst auch die Angst vor personellen Ausfällen in wichtigen Versorgungsbereichen. Sind Energie- und Wasserversorger, Polizei und öffentliche Verkehrsbetriebe gegen die womöglich herannahende Omikron-Welle gewappnet?

„Aktuell ist die Lage in den Unternehmen noch entspannt“, sagte Kerstin Andreae vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Sie gab aber zu bedenken, dass es durch die Omikron-Variante zu einer schlagartigen Erhöhung der Quarantänefällen kommen kann.

„Die aktuell diskutierte, generelle Quarantänezeitverkürzung für betriebsnotwendiges Personal ist eine sinnvolle Unterstützung, um mögliche Personalengpässe zu verhindern“, sagte die BDEW-Chefin. Bei personellen Engpässen sehen die Pandemiepläne dann verschiedene Maßnahmen vor. „Sollten diese Maßnahmen nicht mehr ausreichen, wäre als letzter Schritt eine mögliche Entlassung des Schlüsselpersonals aus der Quarantäne sinnvoll, um zum Dienst erscheinen zu können“, so Andreae.

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Energie- und Wasserversorger fordern „Quarantänekorridor“

„Ein solcher sogenannter Quarantänekorridor würde natürlich nur bei arbeitsfähigen Personen greifen, die sich als Kontaktperson oder als infizierte Person ohne Symptome in Quarantäne befinden“, betonte Andreae.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft geht von bis zu 23.000 Personen aus, die als Schlüsselpersonal von der Quarantäne befreit werden müssten. „Hierunter fallen Experten mit besonderem technischen Know-How wie beispielsweise im Entstörungsdienst oder in der Netzleitwarte“, erläutert sie gegenüber dem RND.

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Laut Andreae sind in den Pandemieplänen der Energie- und Wasserwirtschaft Personalausfälle bis zu 30 Prozent berücksichtigt. Bis dahin seien Ausfälle „grundsätzlich beherrschbar“.

Die Energie- und Wasserversorger forderten von der Politik drei konkrete Maßnahmen für das Schlüsselpersonal zur Aufrechterhaltung kritischer Infrastruktur: „Für Engpasssituationen sind Ausnahmen bei Arbeitszeitregelungen erforderlich, um bei der Personalplanung flexibel auf kurzfristige Ausfälle reagieren zu können. Wichtig sind zudem die Anerkennung des Schlüsselpersonals der Energie- und Wasserwirtschaft für eine bevorzugte Kindernotbetreuung und eine bevorzugte Einbeziehung in Impfkampagne, sobald ein gegen Omikron angepasster Impfstoff verfügbar ist.“

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Kürzere Quarantänefristen: Lauterbach rechnet mit schneller Entscheidung
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Ob Karl Lauterbach nur eine Verkürzung der Quarantänefristen für Kontaktpersonen oder sogar kürzere Isolationszeiten für Infizierte erwägt, blieb offen.  © dpa

Gewerkschaft der Polizei: „Die Polizei wird das schaffen“

Oliver Malchow, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), zeigte sich optimistisch. „Die Polizei wird das schaffen. Dazu müssen die Länderpolizeien weiterhin eng zusammenarbeiten und sich unterstützen“, sagte er dem RND. Allerdings müssten einige Einsätze priorisiert werden: „Der hohe Einsatzaufwand durch zahlreiche Demonstrationen und sogenannte Spaziergänge erfordert unter Umständen, andere polizeiliche Aufgaben zu vernachlässigen, zum Beispiel bei der Verkehrsüberwachung. Das kann man machen.“

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Dadurch könne es aber passieren, dass einige Menschen „mit bestimmten Vergehen“ durchkommen. Als Beispiel nannte Malchow den Wegfall der Verkehrsüberwachung. „Ich befürchte, dass meine Kolleginnen und Kollegen noch mehr zum Blitzableiter für verärgerte Bürger werden“, erklärte der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft weiter.

Um Personalausfälle zu vermeiden setzt Malchow vor allem aufs Boostern: „Notwendig ist, dass die Polizeien zeitnah boostern. Das läuft schon gut.“ Seine Sorge gelte vor allem der Gesundheit der Polizistinnen und Polizisten. „Wir halten uns ansonsten mit einer Einschätzung zurück, bis es eine eindeutige wissenschaftliche Empfehlung zu den Quarantänezeiten gibt“, sagte Malchow weiter. „Sollten alle bisherigen geäußerten Zweifel beseitigt sein, würde eine solche Lösung dabei helfen, Einsätze und Dienste zu planen.“

247 Infektionen bei der Deutschen Bahn

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Auch die Deutsche Bahn zeigte sich vorsichtig zuversichtlich, den Betrieb aufrecht halten zu können. Aktuell laufe dieser ruhig und weitgehend reibungslos, so eine Sprecherin. „Wir beobachten wie überall in Deutschland zwar derzeit etwas erhöhte Krankenstände. Die Mehrheit unserer Kunden spürt aktuell keine Auswirkungen“, hieß es weiter. Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland aus Bahnkreisen gibt es derzeit bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Regionalverkehr 247 Corona-Infektionen. Die Infektionsfälle lägen „auf einem bewältigbaren Niveau“ und entwickelten sich „im Großen und Ganzen gemäß dem Bundestrend“.

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Städtebund für Quarantäneverkürzung
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In der Debatte über Änderungen bei den Quarantäneregeln sprechen sich die Kommunen für flexible Regelungen im Bereich der kritischen Infrastrukturen aus.  © Reuters

Verkürzte Quarantänezeiten in der Diskussion

Am Dienstag beriet sich ein Expertengremium der Bundesregierung über die aktuelle Corona-Situation. Um personelle Engpässe bei Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und anderen kritischen Infrastrukturelementen zu vermeiden sind vor allem verkürzte Quarantänezeiten im Gespräch. Dies ist aber umstritten. Der Immunologe Carsten Watzl hält dies beispielsweise für sinnvoll, solange das Ende der Quarantäne mit einem negativen Test verbunden ist.

Derzeit muss in Deutschland jeder in Quarantäne, der engen Kontakt zu einer positiv auf Corona getesteten Person hatte. Diese häusliche Quarantäne dauert zehn Tage, kann aber mit einem negativen Antigenschnelltest auf sieben, mit einem negativen PCR-Test auf fünf Tage verkürzt werden. Infizierte Personen müssen hingegen in Isolierung, die bis 14 Tage nach Symptombeginn andauert. Vollständig geimpfte Menschen können die Isolierung auf fünf Tage verkürzen, wenn sie symptomfrei sind und negativ mit einem PCR-Test getestet wurden.

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