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Asiatin und Teil der LGBTQ-Gemeinde

Penny Wong: Warum die Außenministerin ein Symbol für Australiens neue Vielfalt ist

Die australische Außenministerin Penny Wong hält eine Rede beim Pacific Island Forum am 26. Mai 2022.

Bisher war Australiens Parlament sehr weiß und vor allem männlich. Doch die australische Parlamentswahl Mitte Mai hat dem nun endlich ein Ende gesetzt. In der neuen sozialdemokratischen Regierung sticht vor allem die frischgebackene Außenministerin ins Auge: Penny Wong ist die erste Asiatin in dieser Position. Sie wurde in Malaysia geboren und kam erst als Kind nach Australien.

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Die heute 53-Jährige zog im Alter von acht Jahren mit ihrer Familie nach Adelaide in Südaustralien. Nach dem Abitur studierte Wong Kunst und Jura und engagierte sich früh in der Gewerkschaftsbewegung, bevor sie nach Sydney zog, wo sie Ministerialberaterin in der damaligen Labor-Regierung im Bundesstaat New South Wales wurde.

Doch erst als sie wieder nach Adelaide zurückkehrte, wurde sie ins Parlament gewählt, zunächst als Senatorin für die australischen Sozialdemokraten. Bereits unter einer früheren Labor-Regierung hielt sie einen ersten Ministerposten – damals war sie für Klimawandel und Wasser zuständig. Später arbeitete sie als Ministerin für Finanzen und Deregulierung. Seit Labor das Zepter 2013 schließlich an das Mitte-Rechts-Bündnis abgeben musste, das bis zur jetzigen Wahl an der Macht blieb, kümmerte sie sich als Schattenminister um auswärtige Angelegenheiten.

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Wong durchbricht mehrfach die „gläserne Decke“

Wong durchbricht die „gläserne Decke“ mit ihrer Ernennung gleich in mehrfacher Hinsicht: Als Frau, als Asiatin und als Mitglied der LGBTQ-Gemeinde: So lebt sie mit ihrer Partnerin Sophie Allouache und ihren beiden Kindern zusammen in Adelaide. Als das australische Volk 2017 in einem Volksentscheid für die gleichgeschlechtliche Ehe stimmte, war sie eine der Hauptbefürworterinnen. Als das „Ja“ zur gleichgeschlechtlichen Ehe schließlich feststand, rührte dies Wong, die ansonsten eher für einen kühlen Kopf und einen scharfen Humor bekannt ist, zu Tränen.

Als Außenministerin sprang sie nun sofort ins kalte Wasser. Als noch nicht einmal alle Stimmen vollständig ausgezählt waren, wurde sie bereits eingeschworen, um den neuen Premierminister Anthony Albanese zum sogenannten Quad-Meeting zwischen den USA, Japan und Indien in Tokio zu begleiten. Einen Tag später reiste sie nach Fidschi, um Australiens Rolle im Pazifik zu stärken – eine Region, auf die Peking derzeit aktiv Einfluss nehmen möchte.

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Australiens Versprechen: Mehr Engagement in der Klimakrise

Ihre Amtszeit begann Wong deswegen auch mit einer Videobotschaft an die Region. Darin versprach die Ministerin, dass Australien künftig „zuhören“ wolle, „weil es uns wichtig ist, was der Pazifik zu sagen hat“. Ganz oben auf dieser regionalen Wunschliste steht der Kampf gegen den Klimawandel. Letzteren sagte Wong während ihrer Reise dann auch zu.

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Penny Wong ist nicht die einzige Abgeordnete und Ministerin, die mehr Vielfalt ins australische Parlament bringt. Insgesamt sind die beiden Kammern seit der Wahl Mitte Mai deutlich diverser aufgestellt: Im Nordterritorium gingen beide Senatssitze an indigene Frauen – Malarndirri McCarthy von der Labor Party wurde wiedergewählt, Jacinta Price von den Country Liberals kommt neu dazu. Im Repräsentantenhaus wird mit Linda Burney eine indigene Frau Ministerin für indigene Angelegenheiten. Außerdem sitzen mit Marion Scrymgour und Gordon Reid zwei weitere indigene Abgeordnete im Parlament.

Vom Delfintrainer zum Berufspolitiker: Auch das Parlament verändert sich

Auch sonst kommt ein wenig mehr Vielfalt ins Parlament: Beispielsweise schaffte es ein vietnamesischer Flüchtling ins Repräsentantenhaus und in Westaustralien wurde der in Malaysia geborene Sozialdemokrat Sam Lim ins Parlament gewählt. Lim lebt seit 2002 in Australien, spricht zehn Sprachen und war zeitweise buddhistischer Mönch, Polizist und Delfintrainer. Zwei muslimische Politiker erhielten zudem Ministerposten. Das endgültige Kabinett wurde am Mittwoch nun eingeschworen, da es eineinhalb Wochen dauerte, die Wahlsieger einiger hart umkämpfter Sitze zu bestimmen. Letztendlich war erst am Dienstagabend klar gewesen, dass die sozialdemokratische Labor Party mit einer Mehrheit von 77 Sitzen regieren kann und damit nicht auf die Unterstützung von Koalitionspartnern angewiesen ist.

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Obwohl Australien ein multikulturelles Land ist, wird es Doppelstaatlern nicht einfach gemacht, in die Politik zu gehen. Dabei wurde fast ein Drittel aller Australier in einem anderen Land geboren, fast die Hälfte hat – falls nicht im Ausland geboren – zumindest Eltern, die aus einem anderen Land stammen. Viele Australier besitzen deswegen mehrere Pässe oder haben automatisch durch Geburtsrecht oder über die Eltern eine weitere Staatsbürgerschaft.

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Doch laut Gesetz dürfen australische Parlamentarier keine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen, jede Verbindung zu einem anderen Land muss gekappt werden. Die früheren Premierminister Julia Gillard und Tony Abbott, die beide in Großbritannien geboren wurden, mussten die britische Staatsbürgerschaft ablegen. 2017 brachte diese Regelung gleich mehrere Politiker in Schwierigkeiten, darunter den damaligen Vizepremier Barnaby Joyce, der herausfand, dass er nicht nur Australier – sondern über seinen Vater auch Neuseeländer ist.

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