Ärztepräsident Reinhardt: Patienten meiden Praxen aus Angst vor Infektion

  • Am Donnerstag haben Bund und Länder neue Corona-Beschlüsse vorgelegt und unter anderem die Kontaktsperre bis zum 3. Mai verlängert.
  • Der Ärztepräsident Klaus Reinhardt kritisiert die Entscheidungen.
  • Er hätte sich “einige Lockerungen mehr vorstellen können”, denn: für die Beschlüsse gäbe es keine konkrete medizinische Grundlage.
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Düsseldorf. Ärztepräsident Klaus Reinhardt kritisiert Teile der jüngsten Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern. Er hätte sich “einige Lockerungen mehr vorstellen können”, sagte Reinhardt der Düsseldorfer “Rheinischen Post”.

“Vor allem brauchen wir einen klaren Stufenplan für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs”, sagte er. Da seien Bund und Länder viel zu unkonkret geblieben.

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Auch gebe es für die Fortsetzung der Kontaktbeschränkungen bis zum 3. Mai keine konkrete wissenschaftliche oder medizinische Grundlage. “Im Moment gibt es überhaupt keinen Hinweis darauf, dass wir auf eine Überforderung der Krankenhäuser zusteuern”, sagte Reinhardt.

“Zum aktuellen Zeitpunkt und auf dem Boden der Entwicklung der letzten zwei Wochen besteht in dieser Hinsicht kein Grund, warum die Kontaktsperre noch weiter in diesem Umfang verlängert wird”, sagte der Ärztechef.

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Wiederanstieg der Neuinfektionen möglich

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Zugleich sagte Reinhardt, er halte einen Wiederanstieg der Zahl der Neuinfektionen in den kommenden Monaten für möglich. “Wenn wir wieder mehr soziale Kontakte zulassen, wird es unter Umständen auch zu einem messbaren Anstieg der Infektionszahlen kommen können”, erläuterte er: “Hinzu kommt, dass wir die Zahl der Corona-Tests stark erhöhen wollen. Und wenn wir mehr testen, werden wir automatisch auch zu höheren Infektionszahlen kommen.”

Es gebe Epidemiologen, die die Dunkelziffer mit dem Faktor zehn der aktuell getesteten Infizierten annehmen. “Wenn man diese Annahme teilt, würde das bedeuten, dass wir nicht 140.000, sondern in unter Umständen schon 1,4 Millionen Infizierte haben”, sagte der Ärztepräsident.

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Patienten meiden zunehmend Arztpraxen

Reinhardt rief dazu auf, Arztpraxen auch in Zeiten der Corona-Pandemie bei Anzeichen von Erkrankungen oder Schmerzen weiter aufzusuchen. "Es gibt tatsächlich eine Vielzahl von chronisch Erkrankten, die aktuell nicht in den Praxen erscheinen, obwohl sie das normalerweise tun würden", sagte er.

Auch die Zahl der Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten in den Kliniken sei gerade rückläufig. “Es ist zu befürchten, dass diese Menschen Praxen und Kliniken aus Angst vor einer Corona-Infektion meiden”, sagte der Präsident der Bundesärztekammer.

RND/epd

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