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  • Parteivorsitz und Kanzler-Kandidatur: Das Herrenkränzchen der CDU

Warum die CDU ein Frauenproblem hat

  • Für Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur gibt es in der CDU bislang nur männliche Interessenten.
  • Dahinter steckt ein Strukturproblem: Die Union hat über Jahre die Frauenförderung verschlafen.
  • Wenn sie das nicht ändert, ist der weitere Abstieg der Partei nur eine Frage der Zeit, kommentiert Daniela Vates.
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Berlin. An einem hat die CDU keinen Mangel: an männlichen Interessenten für Partei-Vorsitz und Kanzlerkandidatur. Eine Frau ist bislang nicht in Sicht.

Die CDU hat (noch) eine Kanzlerin, sie hat (noch) eine Parteichefin und aus ihren Reihen kommt auch die EU-Kommissionspräsidentin. Aber was die Union vor allem hat, ist ein Frauenproblem. Die CSU kann sich gleich mit angesprochen fühlen.

Es gibt sie zwar, die Bundes- und Landesministerinnen, die Vize-Parteichefinnen. Aber keine von ihnen drängt sich auf für die obersten Chefposten.

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Julia Klöckner hat zwei Mal eine Landtagswahl verloren und ist als Agrarministerin in der eigenen Partei hoch umstritten, Parteivize Silvia Breher hat gerade erst angefangen in der Bundespolitik, Bildungsministerin Anja Karliczek kaum Fuß gefasst.

Mit Ministerpräsidentinnen kann die Union nicht dienen. Christine Lieberknecht ist in Thüringen gerade von der eigenen Partei als Übergangskandidatin verhindert worden.

Und so geht es weiter: 80 Prozent der Bundestagsabgeordneten sind Männer, der Großteil der Mitglieder auch, und beim Nachwuchs, der Jungen Union, sieht es auch nicht paritätischer aus.

Das hat Gründe: Über Jahrzehnte hat die Union – und übrigens nicht nur die – sich nicht darum gekümmert, Frauen zu fördern. Die Männer haben die Dinge unter sich ausgemacht, in der Politik ist es da nicht anders zugegangen als in Unternehmen. Und nein, es ging dabei nicht immer darum, den Kompetentesten für einen Posten oder ein Mandat zu finden.

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Männerbündelndes Dominanzgehabe

Es ist noch nicht lange so, dass es auffällt, wenn Gruppenfotos der Führungsriege von Ministerien an eine Altherren-Fußballmannschaft in Anzügen erinnern. Es war ein Diskussionsthema und keine Selbstverständlichkeit, als 2013 erstmals eine Frau Verteidigungsministerin wurde. Eine Abstimmung über eine schärfere Frauenquote musste auf dem CDU-Parteitag im letzten Dezember behutsam in eine Arbeitsgruppe verschoben werden, um nicht zu scheitern.

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Die Anti-Merkel- und die Anti-Kramp-Karrenbauer-Bewegung in der CDU waren nicht nur – aber eben auch – gespeist aus männerbündelndem Unbesiegbarkeitsgefühl und Dominanzgehabe.

Wer ist eigentlich nach Jahrzehnten männlicher Kanzler in der Union auf die Idee gekommen zu sagen, jetzt sei doch mal Schluss mit den Herrenkränzchen?

Die CDU sollte sich fragen, warum sie nicht attraktiv ist für Frauen, für die Hälfte der Gesellschaft also. Die Konsequenzen tun weh, weil dafür Strukturen umgestellt und Posten anders verteilt werden müssen. Bleibt die CDU aber eine Männerpartei, wird sie weiter verzwergen.


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