Grüner Wahlparteitag: Baerbock will nicht in Sack und Asche gehen

  • Die Grünen hatten zuletzt versucht, durch Verlässlichkeit zu glänzen.
  • Vor dem Wahlparteitag war dann plötzlich von einem Aufstand der Basis die Rede.
  • Ihm war bislang kein Erfolg beschieden, und das ist auch gut so, kommentiert Markus Decker.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die Grünen hatten zuletzt ja vor allem durch Verlässlichkeit zu glänzen versucht – man könnte, je nach Standpunkt, auch von Stromlinienförmigkeit oder Spießigkeit sprechen. Nach Annalena Baerbocks geräuschloser Nominierung zur Kanzlerkandidatin und den jüngsten Turbulenzen um ihr Gehalt und ihre biografischen Angaben war dann plötzlich von einem womöglich erfolgreichen Aufstand der Basis in Programmfragen die Rede gewesen, der beim Parteitag zu erwarten sei.

Nur: Von diesem erfolgreichen Aufstand ist bisher weit und breit nichts zu sehen. Die Versuche, das Wahlprogramm zu verschärfen, sind allesamt deutlich gescheitert. Die Forderung nach einem höheren CO2-Preis wird es ebenso wenig geben wie die nach einem früheren Verbot von Verbrennungsmotoren oder nach einem Tempolimit von 70 Stundenkilometern auf Bundesstraßen. Die Kandidatin bekam die zu erwartenden 98 Prozent. Ihre Fehler räumte sie mit einem Satz souverän ab. Baerbock will nicht in Sack und Asche gehen.

Eine maximale klimapolitische Agenda hätte bei Wählerinnen und Wählern das Gegenteil dessen bewirkt, was die Grünen wünschen müssen: Einsicht. Die Forderung nach Tempo 70 war von vornherein lebensfremd, wenn nicht gar abenteuerlich. Ohnehin sollte man Aufstände nicht proben, wenn der Urnengang unmittelbar bevorsteht. Derlei Maximalismus hätte der politischen Konkurrenz überdies maximale Angriffsflächen geboten.

Video
Die Grünen verfolgen Klimapolitik mit sozialem Ausgleich
2:00 min
Zum Auftakt des Bundesparteitages hat Robert Habeck für mehr Klimaschutz und mehr Investitionen geworben.  © Reuters
Anzeige

Als wie dringlich das Land die Klimapolitik am 26. September, dem Tag der Bundestagswahl, wahrnehmen und wie sehr es zum Umsteuern bereit sein wird, das dürfte schlicht auch vom Wetter der nächsten Monate abhängen. Zynisch gesprochen: Je heißer und trockener der Sommer werden wird, desto besser wird es im Zweifel für die Grünen sein.

Der Wahlkampf hat gerade erst begonnen. So wie die Grünen in den Umfragen zuletzt absackten, so können sie auch wieder steigen. Für die Wettbewerber gilt dasselbe. Das Tief von Partei und Kandidatin sollte nur nicht allzu dicht am Wahltag liegen.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen