Fünf Jahre nach Paris: Der Kampf um 1,5 Grad hat begonnen

  • Die Weltgemeinschaft hat beim Einhalten der Ziele des Pariser Klimaabkommens versagt.
  • Doch die Zeit der Klimawandelleugner und Bremser ist vorbei, kommentiert Maximilian Arnhold.
  • Es braucht nun die Anstrengung von uns allen, um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen – und die Welt zu retten.
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Fünf Jahre sind eine Menge Zeit. Sie mag ausreichen, um die Bilder von Politikern mit Tränen in den Augen zu vergessen, als die Weltgemeinschaft heute vor fünf Jahren am 12. Dezember 2015 das Klimaabkommen von Paris beschloss: Erstmals sollte die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad gehalten und alles Mögliche unternommen werden, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Fünf Jahre reichen allerdings nicht aus, um das Ziel von damals zu vergessen: 1,5 Grad.

Längst ist jede Euphorie verflogen, die Realität 2020 sieht so aus: Rekordbrände in Australien, Brasilien, Kalifornien und Russland. Eine Rekordsturmsaison in Mittelamerika, mit rund 200 Toten und Hunderttausenden obdachlos gewordenen Familien allein durch Hurrikan „Eta“. Das Corona-Jahr war laut UN-Umweltprogramm (Unep) wohl mal wieder eines der heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen – trotz des kurzzeitigen Rückgangs beim Treibhausgasausstoß infolge der Pandemie.

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Fünf Jahre Pariser Klimaabkommen: Ambitionierte Ziele – und eine miese Bilanz
4:02 min
Von 1,5-Grad-Ziel weit entfernt: Die Welt hält sich nicht an die Klimavorgaben von Paris. US-Präsident Donald Trump trat 2017 sogar aus dem Abkommen aus.  © RND
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Kurs auf drei Grad: Klimaziele weit verfehlt

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Vereinbarte Klimaziele und reelle Bemühungen klaffen weit auseinander: Einem UN-Bericht zufolge steuern die Staaten aktuell auf drei Grad Erderhitzung zu. Auch Deutschland erfüllt bei Weitem nicht das Pariser Abkommen und verfehlt dabei sogar die Zwei-Grad-Grenze, wie eine Studie des Wuppertal Instituts im Auftrag von Fridays for Future zeigt. Man mag sich kaum vorstellen, wie die Welt dagegen aussehen würde, wenn die Pariser Klimaziele auch nur annähernd auf Kurs wären.

Denn die Zeit der Klimawandelleugner und Bremser ist fünf Jahre nach Paris endgültig vorbei. Schlimm genug war es, als der abgewählte US-Präsident Donald Trump 2017 ankündigte, das Pariser Abkommen zu verlassen – und dies einen Tag nach der US-Wahl auch tat. Sein gewählter Nachfolger Joe Biden hingegen will an seinem ersten Amtstag wieder beitreten.

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#Fightfor1point5: Mit der Protestaktion erinnerte die Bewegung Fridays for Future in Berlin und in zahlreichen anderen Städten in Deutschland sowie weltweit an das vor fünf Jahren unterzeichnete Pariser Klimaabkommen. Darin haben sich die 195 Unterzeichnerstaaten dazu verpflichtet, die Klimaerhitzung auf deutlich unter zwei Grad, wenn möglich, auf 1,5 Grad zu begrenzen. © Quelle: imago images/epd

EU-Kompromiss macht Hoffnung

Neue Hoffnung macht auch die gestrige Einigung der EU-Staats- und Regierungschefs auf ein neues Klimaziel für 2030. Demnach sollten bis dahin mindestens 55 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen werden als 1990, der Kompromiss zieht die Zügel deutlich an (das aktuelle EU-Klimaziel liegt bei mindestens minus 40 Prozent Emissionen). Wenn die vergangenen Jahre jedoch eines gezeigt haben, dann, dass es nicht auf Absprachen und hehre Ziele ankommt, sondern allein auf deren Umsetzung. Daran werden sich die EU und auch der gewählte neue US-Präsident Biden messen lassen müssen.

Schließlich lässt sich das 1,5-Grad-Ziel nicht mal eben so nebenbei erreichen: Laut Unep braucht es schnelleren und stärkeren Klimaschutz, „grüne“ Wirtschaftsprogramme – und die Pläne zur Klimaneutralität müssten in die offiziellen nationalen Zusagen im Rahmen des Pariser Abkommens integriert werden. Nur dann sei die Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad, die der Klimaforschung zufolge das Risiko weiterer katastrophaler Wetterextreme deutlich verringern würde, möglicherweise noch erreichbar.

Es geht nicht nur um Eisbären, sondern um uns alle

Das fordern auch die Klimaaktivisten von Fridays for Future in einem vor dem EU-Gipfel am Freitag veröffentlichten Instagram-Video. Sie fragen darin: „Warum sind wir so fixiert auf die 1,5 Grad?“ „Es geht nicht nur um Eisbären und brennende Wälder“, gibt Luisa Neubauer die Antwort, „es geht um alle Menschen, um dich und mich.“

Und genau das ist der Punkt: Alles Abwarten, Zögern, Bremsen und Leugnen muss enden, weil wir alle längst betroffen sind. Es sind vor allem jene Menschen, die an vorderster Front der Klimakatastrophe stehen; Menschen, deren Lebensräume bereits austrocknen, überschwemmen oder in Flammen aufgehen. Hier und jetzt, im Heute. Es sind wir alle, für die eine Welt jenseits von 1,5 Grad Erderhitzung ein Albtraum bedeutet. Wir alle, die alles dafür tun müssen, dass es so nicht weitergeht. Die das Einhalten der Klimaziele einfordern und uns selbst gegen die Klimakrise engagieren müssen.

Der finale Kampf um 1,5 Grad hat nun begonnen. Wir als Menschheit dürfen ihn nicht verlieren. In fünf Jahren ist es zu spät.

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