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  • Palmöl aus dem Regenwald in Kerzen : Deutsche Umwelthilfe warnt Verbraucher - aber welche Alternativen gibt es?

Umwelthilfe: 7 von 10 Kerzen enthalten Palmöl aus zerstörten Regenwäldern

  • Eine Umfrage der Deutschen Umwelthilfe zeigt: Auch Kerzen tragen massiv zur Regenwaldzerstörung und damit zur Klimakrise bei.
  • Der Grund ist das vielfach enthaltene Palmöl.
  • Für Verbraucher ist es jedoch fast unmöglich zu erkennen, in welchen Kerzen Palmöl enthalten ist.
Rebecca Lessmann
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Berlin. Die anstehende Adventszeit ist für Umweltschützer Anlass für einen Warnhinweis an die Verbraucher: Die im Advent und an Weihnachten millionenfach verkauften Kerzen tragen vielfach zur Zerstörung des Regenwaldes bei. Das zeigt eine neue Umfrage unter 52 Kerzenherstellern und -händlern der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorab vorlag.

Der Grund dafür ist die Beigabe von Palmöl. Es ist in zahlreichen Produkten enthalten, etwa in Biodiesel oder vielen Lebensmitteln und Kosmetikprodukten. Doch etwa 8 Prozent des in Deutschland verwendeten Palmöls werden in Kerzen verarbeitet, 70 Prozent davon stammen der DUH zufolge aus nicht-zertifiziertem Anbau und sind somit mitverantwortlich für Brandrodungen und Raubbau in den Regenwäldern Indonesiens und Malaysias.

Die Regenwaldzerstörung gilt als die zweitgrößte Ursache für die Klimakrise und bedroht zahlreiche Tierarten, etwa den Orang-Utan.

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Tropischer Regenwald wird immer weiter zerstört
0:50 min
Umweltschutzorganisationen haben ermittelt, dass alle sechs Sekunden eine Fläche verschwindet, die so groß wie ein Fußballfeld ist.  © Reuterd

Nachhaltig zertifiziertes Palmöl dagegen „verbietet neue Waldrodungen, sodass Palmöl nur von längst bestehenden Anbauflächen stammen darf“, sagte Karoline Kickler von der Umwelthilfe dem RND. „Die Zertifizierung fördert durch regelmäßige Kontrollen, Aufpreise und teilweise auch Schulungen, dass ein umwelt- und sozialverträglicherer Anbau auf bestehenden Flächen eingehalten wird.“

Um die Problematik des nicht zertifizierten Palmöls auf dem deutschen Markt zu verdeutlichen, habe man sich entschieden, exemplarisch eine Auswahl an verschiedenen Kerzenanbietern zu untersuchen. „Natürlich hätten wir auch weitere Sektoren wählen können, doch im Non-Food-Bereich hinken die Hersteller von Nutztierfuttermitteln und eben die Chemiebranche, und damit die Kerzenindustrie, in der Nutzung von zertifiziertem Palmöl am stärksten hinterher“, erklärte Kickler.

Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels konnten sich positiv hervortun

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So hat knapp die Hälfte aller befragten Unternehmen (21 von 52) nicht angegeben, ob ihre Kerzen Palmöl enthalten oder ob das verwendete Palmöl zertifiziert ist. Nur 29 Prozent (15 von 52) haben auf Anfrage bestätigt, dass das in ihren Kerzen verwendete Palmöl ausschließlich aus nachhaltigem Anbau stammt.

Vor allem Möbelhäuser, Dekoanbieter, Baumärkte und Großhändler haben der DUH zufolge ein massives Transparenzproblem. Positive Ausnahmen sind jedoch der schwedische Möbelkonzern Ikea und die Drogeriekette dm. Auch die Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels konnten sich positiv hervortun. Sie geben an, nur zertifiziertes Palmöl zu verwenden.

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Doch selbst zertifiziertes Palmöl steht immer wieder in der Kritik. Dem 2004 auf Initiative der Nichtregierungsorganisation WWF gegründeten Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) etwa wird regelmäßig vorgeworfen, auch Palmöl zu zertifizieren, das von durch Brandrodung entstandenen Plantagen stammt. Während der Regenwald also zunehmend schwindet, entsteht für deutsche Verbraucher ein immer dichterer Urwald aus fragwürdigen Zertifikaten, Greenwashing und undurchsichtigen Labels.

Daher fordert die Umwelthilfe eine EU-weite Zertifizierung für alle palmölhaltigen Produkte. „Um eine Umsetzung der Regeln sicherzustellen, müssen die Anreiz- und Sanktionsmechanismen der Zertifizierungen stark verbessert werden“, betonte Kickler. Dazu gehörten auch ein angemessener Aufpreis für den Mehraufwand des nachhaltigen Anbaus oder die Überwachung der verbliebenen Wälder anhand von Satellitenbildern.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass 30 Prozent des für Kerzen verwendeten Palmöls aus nicht-zertifiziertem Anbau stammen. Richtig ist: 70 Prozent des für Kerzen verwendeten Palmöls stammt aus nicht-zertifiziertem Anbau. Wir haben dies korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen.

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