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“Ostern wird zum Stresstest” - Presse zum verlängerten Kontaktverbot

  • Bund und Länder haben die Einschränkungen des öffentlichen Lebens bis nach Ostern verlängert.
  • Die deutsche Strategie gegen die Ausbreitung des Coronavirus ist auch Thema in den Kommentaren deutschen Zeitungen.
  • Vor allem die Strategie der Bundesregierung wird dabei unterschiedlich bewertet.
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Berlin. Deutschland bleibt im Ausnahmezustand. Die Kontaktsperre, die zu einer langsameren Ausbreitung des neuartigen Coronavirus führen soll, wurde offiziell verlängert. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens bleiben bundesweit bis nach Ostern bestehen. Die meisten Kommentatoren in den deutschen Zeitungen begrüßen diesen bereits zuvor erwarteten Beschluss. Die Corona-Strategie der Bundesregierung beurteilen sie jedoch unterschiedlich.

Trotz aller wirtschaftlichen Schäden seien die nun verlängerten Maßnahmen lohnenswert, urteilt die “Badische Zeitung” aus Freiburg: “Galt der Corona-Stillstand manchen zunächst als insgeheim willkommenes Mittel zur Entschleunigung des hektischen Alltags, wächst inzwischen das Verlangen nach Normalität, gedeiht oft schierer Frust. Ganz abgesehen davon, dass die immensen wirtschaftlichen Schäden Millionen von Menschen zusätzliche Sorgen bereiten. Lohnt all dies, um die Verbreitung eines Virus nicht einmal aufzuhalten, sondern „nur“ zu verlangsamen? Ja, so bescheiden dieses Ziel klingt, so wichtig und notwendig ist es, da haben die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten wohl recht.”

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Die “Volksstimme” aus Magdeburg wirft der Bundesregierung Versäumnisse in ihrer Strategie zu Bewältigung der Corona-Krise vor: “In der Corona-Strategie der Bundesregierung ist vieles widersprüchlich. Und statt zu steuern, wird abgewartet. Kanzlerin Angela Merkel geht davon aus, dass sich mindestens 60 Prozent der Bundesbürger anstecken müssen, damit eine „Herdenimmunität“ erreicht wird. Wenn diese Voraussetzung erfüllt sein muss, wäre es also wünschenswert, dass sich junge, nicht gefährdete Menschen infizieren, damit dieser Zeitpunkt in absehbarer Zeit erreicht wird. Gleichzeitig müssten gefährdete Menschen wirksam geschützt werden. Aber Universitäten werden geschlossen, Altenheime nicht wirksam geschützt. Um die möglichst gleichmäßige Immunisierung der Bevölkerung durch Infektion zu steuern, wären Daten wichtig. Massentests sind aber nicht vorbereitet und Handy-Tracking ist noch nicht am Start. Und wir müssen mehr forschen. Heinsberg , der Hotspot in Deutschland, ist der spannendste Ort dafür. Ausgerechnet die Berater der Bundesregierung vom Robert-Koch-Institut nutzen ihn aber nicht.”

Die Verlängerung der Corona-Regeln durch die Bundesregierung und die Länder sei ein “ernstes Gebot der Vernunft”, befindet das “Westfalen-Blatt” aus Bielefeld: “Bund und Länder lassen an ihrer Entschlossenheit in der Corona-Krise keinen Zweifel. Sie zementieren die strengen Regeln flächendeckend mindestens bis zum 19. April. Gut so! Was wie ein Schlag für Wirtschaft und Gesellschaft wirkt, ist ein überaus ernstes Gebot der Vernunft. Nach wie vor ist eine Trendwende bei den Neuinfektionen nicht zu erkennen. Die Debatten über ein Hochfahren des öffentlichen Lebens und die Rückkehr zu ei­nem zumindest halbwegs normalen Alltag müssen deshalb aber keineswegs verstummen. Im Ge­genteil: Denn je länger die Maßnahmen dauern, umso stärker bedürfen diese ei­ner überzeugenden Begründung. Und umso ernsthafter muss darüber gestritten werden, was wann wo und wie genau wieder losgehen kann. Wir leben aktuell in einem Dilemma, das nicht aufzulösen ist. Und bis auf Weiteres bleibt die bohrende Ungewissheit unser Begleiter.”

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Merkel: Auf private Reisen über Ostern verzichten
1:40 min
Bund und Länder verständigen sich darauf, die bestehenden Ausgangsbeschränkungen bis nach Ostern zu verlängern. Dies teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit.  © Reuters

Die “Rhein-Neckar-Zeitung” aus Heidelberg prognostiziert, Ostern werde kein Fest, sondern ein Stresstest: “Wenn nun darüber debattiert wird, wie lange diese nervigen Kontaktbeschränkungen noch gelten sollen, wann wir endlich wieder Essen gehen, einkaufen, produzieren dürfen, wann also der deutsche Konjunkturmotor wieder angeworfen werden darf, dann steht hinter dieser Frage auch die: Wie viele Tote nehmen wir in Kauf? Natürlich ist es wichtig, wieder ins normale Leben zurückzufinden. Je lauter aber Politiker darüber nachdenken, desto mehr verfrühte Hoffnungen keimen. Wobei es ganz sicher nicht möglich sein wird, den idealen Zeitpunkt zu finden. Nur eines sollte klar sein: Ostern wird kein Fest, sondern ein Stresstest in Sachen Geduld.”

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Das “Darmstädter Echo” attestiert der Krisenbewältigung der Bundesregierung eine beruhigende Verlässlichkeit: “Während in anderen Ländern Zampanos einem Virus den Krieg erklären, alles zu wissen und alles im Griff zu haben vorgeben, lautet die deutsche Botschaft: Wir wissen längst nicht alles, aber wir tun alles, was geboten scheint. Das schafft noch keine Beruhigung, aber immerhin Verlässlichkeit in Zeiten, in denen nichts mehr gewiss scheint. Inhaltlich erweist sich der Beschluss der Regierenden als deckungsgleich mit der stocknüchternen Wortwahl: So lange unklar bleibt, was wie wirkt, gelten die Kontaktsperren.”

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Die “Neue Osnabrücker Zeitung” mahnt, spätestens wenn die aktuellen Beschränkungen aufgehoben werden, sollten Mundschutz-Masken zur Bekämpfung der Virus-Ausbreitung genutzt werden: “Spätestens wenn das allgemeine Kontaktverbot aufgehoben wird, kann aber auch das Tragen eines einfachsten Mund-Nase-Schutzes beim Einkaufen, beim Friseur, in Bussen und Bahnen effektiv neue Corona-Ausbrüche vermeiden. Dass Gesundheitsminister Jens Spahn immer noch so tut, als würde das nichts bringen, obwohl jedes Stofftuch die gefährlichen Tröpfchenwolken bremst, ist ärgerlich, ja fahrlässig. Eine allgemeine Maskenpflicht wäre zwar nicht umsetzbar. Dafür sind schlicht nicht genug Masken vorhanden. Eine Empfehlung, Mund und Nase zu verhüllen, ist aber dringend geboten. Dass Spahn davor zurückscheut, beschädigt seine Glaubwürdigkeit.”

RND/dpa/feh

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