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„Orthograffiti“: FDP irritiert mit bizarrem Video zu Hassparolen

  • Die Bundes-FDP wirbt vor der Landtagswahl in Thüringen für mehr Bildung.
  • Sie lässt dafür einen Werbespot produzieren, in dem es um Hassparolen geht.
  • Die Kritik daran lässt nicht lange auf sich warten.
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Berlin. Lustig oder völlig daneben? Die Bundes-FDP sorgt mit einem bizarren Video für Kritik und Unverständnis. In den sozialen Medien teilte die Partei am Donnerstag einen Werbespot mit dem Titel „Orthograffiti“ – ein Mischbegriff aus Graffiti und Orthografie, also Rechtschreibung.

Darin ist zu sehen, wie ein „Sprayer“ Rechtschreibfehler in vornehmlich rechten Hass-Parolen verbessert. Aus „Hail Hitler“ wird mit roter Farbe ein „Heil Hitler“ gemacht. Bei „fick die Polisei“ ersetzt der anonyme Sprayer das „s“ durch ein „z“. Und so weiter.

Sätze, die gegen Gesetze verstoßen

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Die Partei schrieb dazu auf Twitter: „Je roher die politischen #Debatten im Land, desto klarer wird für uns #FreieDemokraten: Nie war #Bildung wichtiger als heute. Deswegen setzen wir uns mit der Aktion #Orthograffiti für eine bessere #Bildungspolitik ein.“

Doch das kam bei vielen überhaupt nicht gut an: Die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli schrieb in dem sozialen Netzwerk: „Liebe FDP, meint Ihr wirklich, wenn man (..) „scheiss Asilanten“ richtig schreibt, tut man was für die Bildung? Ich kapiere es einfach nicht.“ Die Journalistin Sophie Paßmann schrieb: „Was sagt dieser Spot aus, wenn nicht „‚Sieg Heil‘ ist voll ok, aber bitte schreib' es richtig“?“ Der Twitter-Nutzer „strmsn“ fragte: „Ernsthaft, Akzeptanz für Sätze, die hierzulande sogar gegen Gesetze verstoßen?! 2 Wochen nach #Halle?“

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Erst im Abspann des Videos, nachdem das Logo der Partei bereits zu sehen war, distanziert sich die FDP von den gezeigten Parolen: „Bildung ist die Antwort. Nicht nur bezogen auf Rechtschreibung, sondern auch gegen Extremismus, Vandalismus und Gewalt. Mit guter Bildung wollen wir auch dafür sorgen, dass menschenverachtende Graffiti, wie die im Film gezeigten, endlich aus unseren Städten verschwinden“, heißt es dort.

Die falsch geschriebenen Parolen in dem Spot sind echt

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Ein FDP-Sprecher erklärte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) auf Nachfrage, man habe mit dem Spot auf humorvolle Art und Weise auf den bei einigen Menschen vorhandenen doppelten Mangel an politischer Bildung und richtiger Rechtschreibung hinweisen wollen. Die in dem Spot zu sehenden Parolen seien alle tatsächlich so vorgefunden worden, nicht etwa erfunden.

„Natürlich hat Eigentum für die FDP einen hohen Wert. Im Spot wurde deshalb ausschließlich abwaschbare Sprühkreide verwendet“, betonte der Sprecher weiter. Die Filmidee selbst sei von der Werbeagentur „Heimat“ entwickelt worden. Die Produktionskosten des Films beliefen sich dabei auf einen vierstelligen Euro-Betrag.

Eine „Sprayer-Oma“ geht mit Hassparolen anders um

Wie man auch mit radikalen Parolen umgehen kann, zeigt die Berlinerin Irmela Mensah-Schramm. Die „Sprayer-Oma“ hat insgesamt mehr als 50.000 Nazi-Graffiti übermalt oder auf ihre Weise „korrigiert“. Dabei ging es aber nicht um Rechtschreibung: Bei ihr wird aus „Fuck Asyl“ ein „Für Asyl“ oder aus „Merkel muss weg!“ ein „Merke: Hass weg!“ Die 73-Jährige ist bereits mehrfach ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Erst vor wenigen Tagen ist sie vom Amtsgericht Eisenach zu einer Geldstrafe verurteilt worden – wegen wiederholter Sachbeschädigung.

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