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Schuldirektor Orhan Inandi: Erdogan lässt Regierungsgegner im Ausland entführen

  • Wochenlang rätselten Angehörige und Freunde darüber, was mit dem türkischen Schuldirektor Orhan Inandi in der kirgisischen Hauptstadt Bischek passiert sein mag.
  • Die Befürchtungen, er sei in die Türkei verschleppt worden, haben sich nun bestätigt.
  • Staatschef Erdogan höchstpersönlich präsentierte das Foto des Festgenommenen auf einer Pressekonferenz.
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Athen. Wo ist Orhan Inandi? Wochenlang rätselten Angehörige und Freunde über das Schicksal des türkischen Schuldirektors, der Ende Mai seine Wohnung in der kirgisischen Hauptstadt Bischek für eine Verabredung verließ und nie zurückkehrte. Sein Auto fand man unweit der Wohnung mit offenen Türen und platten Reifen.

Jetzt ist geklärt, was Orhan Inandi widerfuhr. Ein Foto zeigt ihn in Handschellen. Der verstört wirkende, unrasierte Inandi steht vor einer weißen Wand, flankiert von zwei großen türkischen Fahnen. Staatschef Recep Tayyip Erdogan höchstpersönlich präsentierte das Foto am Montag triumphierend auf einer Pressekonferenz in Ankara.

Und er enthüllte, wie Inandi von Kirgisistan in die Türkei kam: „In sorgfältiger und geduldiger Arbeit hat der MIT Orhan Inandi in die Türkei zurückgebracht.“

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Der MIT ist der türkische Geheimdienst. Damit haben sich die Befürchtungen der Angehörigen bestätigt: Inandi wurde von Agenten des MIT entführt und in die Türkei verschleppt, offenbar ohne Wissen und Mitwirkung der kirgisischen Behörden. Noch am 9. Juni hatte Erdogan dem kirgisischen Präsidenten Sadyr Dschaparow bei dessen Besuch in Istanbul versichert, er wisse nichts über den Verbleib Inandis.

Das Motiv für die Entführung liegt auf der Hand. Inandi, der seit 25 Jahren mit seiner Familie in Kirgisistan lebte und neben der türkischen auch die kirgisische Staatsangehörigkeit besitzt, war Gründer und Präsident des Bildungsnetzwerks Sapat. Es betreibt mehrere Schulen und höhere Bildungseinrichtungen.

Sapat soll zum Netzwerk von Fethullah Gülen gehören, dem islamischen Reformprediger, der in den USA im Exil lebt. Nach Erdogans Angaben soll Inandi der Chef der Gülen-Organisation für Zentralasien gewesen sein.

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Gülen war in den 2000er-Jahren ein enger Verbündeter Erdogans, bis es 2012 zum Bruch kam. Erdogan macht seinen früheren Kompagnon für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Gülen bestreitet die Vorwürfe. Seine Bewegung ist in der Türkei unter dem Kürzel Fetö als Terrororganisation eingestuft.

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Gegen 623.000 mutmaßliche Gülen-Anhänger wurde in der Türkei nach dem Putschversuch ermittelt, 130.000 Staatsbedienstete wurden wegen angeblicher Gülen-Verbindungen entlassen, 96.000 Menschen kamen in Haft.

Auch im Ausland lässt Erdogan mutmaßliche Gefolgsleute seines Erzfeindes verfolgen. Bereits über 100 „Gülenisten“ wurden aus rund 30 Ländern in die Türkei zurückgebracht, viele in Nacht-und-Nebel-Aktionen verschleppt von Agenten des MIT. Erst im Mai hatte der Geheimdienst Selahattin Gülen, einen Neffen des Exilpredigers, in Kenia entführt und in die Türkei gebracht.

Die Menschenrechtsorganisation Freedom House bezeichnet diese Entführungen als „transnationale Repression“. Trotz internationaler Proteste will Erdogan an der Praxis festhalten. Er sagte am Montag: „Für Fetö-Terroristen gibt es auf der Welt keinen sicheren Zufluchtsort.“

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