Organspende: Wie machen es eigentlich andere EU-Länder?

  • Wer spendet wie? In Europa herrscht die Widerspruchsregelung vor. Wer schweigt, stimmt zu.
  • Ein ähnliches Modell von Gesundheitsminister Jens Spahn fiel nun im Bundestag durch.
  • Wie sieht es in anderen Ländern aus?
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Berlin. Der Prozess einer Organspende ist in Deutschland klar geregelt: Noch zu Lebzeiten muss man dieser zustimmen, ansonsten dürfen Ärzte keine Organe zur Transplantation entnehmen. In der EU dominiert jedoch die sogenannte Widerspruchsregelung. Heißt: Man ist automatisch ein potenzieller Organspender, außer man widerspricht zu Lebzeiten.

Eine ähnliche Regelung forcierte auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), sein Vorstoß ist im Bundestag aber durchgefallen. Ein Überblick über andere europäische Lösungen:

Österreich

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Eine Person wird in der Alpenrepublik wie in etwa 20 weiteren Ländern der Europäischen Union automatisch als Organspender geführt. Österreicher können sich jedoch anders als Deutsche kostenfrei in ein Widerspruchsregister eintragen. Die politische Führung steht in der Kritik, darüber nicht ausreichend zu informieren. Denn weniger als ein Prozent der Bevölkerung sind darin eingetragen.

Es ist davon auszugehen, dass die meisten Menschen die Regelung gar nicht kennen. „Ein Zettel im Portemonnaie, ein Eintrag in einer Notfall-App auf dem Handy, ein Nein im Gespräch mit Angehörigen“ würde allerdings schon für einen offiziellen Widerspruch ausreichen, meint der Transplantationsmediziner Stephan Eschertzhuber gegenüber der „FAZ“.

Schweiz

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Die Eidgenossen haben aktuell eine sehr vergleichbare Situation wie Deutschland. Jemand muss ausdrücklich einer Organspende zustimmen. Und auch die Angehörigen können dem Wunsch des Toten entsprechend Organe zur Spende freigeben. Allerdings sei in 60 Prozent der Fälle der Wunsch des Verstorbenen auch den Angehörigen unbekannt, was die Lage sehr erschwere. Auch in der Schweiz wird über eine Neuausrichtung diskutiert. Eine von Swisstransplant und der Schweizerischen Ärztevereinigung unterstützte Volksinitiative fordert die Widerspruchslösung.

Die Regelung der erweiterten Zustimmungslösung gilt auch in Griechenland, Großbritannien, Litauen, Rumänien und den USA.

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Spanien

Befürworter der Widerspruchslösung verweisen etwa auf Spanien, das auf viel höhere Spenderzahlen kommt. Auf eine Million Einwohner kommen in Spanien 46,9 Spender. Kein anderes Land erreicht diesen Wert. Eine Organentnahme darf in Spanien allerdings auch nach dem Herztod entnommen werden. Deutschland findet sich mit einer Rate von 11,2 Spendern pro Million Einwohner im unteren Bereich wieder.

Bulgarien: Organentnahme trotz Widerspruch möglich

Dänemark

Die Dänen haben ähnlich wie Deutschland eine Zustimmungslösung. Das heißt, die Organe können nur entnommen werden, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt hat. Wenn ihr Wille nicht bekannt ist, kann die Familie entscheiden.

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Bulgarien

In Bulgarien gilt grundsätzlich die Widerspruchsregelung, doch ein Zusatz macht die bulgarische Lösung einzigartig in Europa. Hier gilt eine sogenannte Notstandsregelung. Heißt konkret: Die Organentnahme ist „im Notstand“ immer zulässig. Selbst das Vorliegen eines Widerspruchs ist in solchen Fällen nicht mehr wirksam – und Organe können zur Spende entnommen werden.

Belgien

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In Belgien gilt seit über 30 Jahren die Widerspruchsregelung. Sie funktioniert nach dem Motto: Wer schweigt, stimmt zu. Demnach wird jeder belgische Staatsbürger beziehungsweise jeder Einwohner, der seit mindestens sechs Monaten im Land lebt, nach seinem Tod zum potenziellen Organspender – außer er oder sie hat zu Lebzeiten ausdrücklich widersprochen.

Polen

In Polen wird man ebenfalls nach dem Tod automatisch zum Organspender, wenn man nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. Neben der Eintragung in einem zentralen Register genügt dazu auch eine schriftliche, unterschriebene Erklärung oder eine mündliche Willensbekundung vor zwei Zeugen.

Video
Bundestag lehnt Widerspruchslösung für Organspenden ab
1:05 min
Jens Spahn scheitert mit seiner „doppelten Widerspruchslösung“ im Bundestag.  © Alexander Krenn/dpa

Hier ein Gesamtüberblick der europäischen Staaten

mit dpa



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