ORF-Moderator besorgt über Kontroll-Versuche der FPÖ

Der österreichische ORF-Journalist wurde von der rechten FPÖ scharf angegriffen. Nun wehrt sich der Moderator. Seine Art der Interviewführung wäre bei der BBC „bloß ein Kindergeburtstag.“ In Bezug auf die Berichterstattung zur Flüchtlingskrise sieht er eine Problematik.

Anzeige
Anzeige

Berlin. Angesichts der Attacken der rechtsnationalistischen FPÖ auf seine Person hat sich der österreichische TV-Journalist Armin Wolf besorgt über die Pressefreiheit geäußert.

„Dass eine Regierungspartei den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter staatliche Kontrolle bekommen will, hätte ich vor ein paar Jahren noch nicht für möglich gehalten“, sagte der Moderator des Österreichischen Rundfunks (ORF) der „Welt“. Journalisten würden „persönlich angeklagt und nicht die Medien, für die sie schreiben“.

Die Kritik der FPÖ an seiner Interviewführung wies Wolf als unberechtigt zurück. „Wer immer mich als ‚inquisitorischen Frager’ bezeichnet, soll bitte nachlesen, was die Inquisition war“, sagte Wolf. „Was ich mache, polarisiert, doch meine Art der Interviewführung wäre bei der BBC bloß ein Kindergeburtstag.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

„Das ist im Herbst 2015 und endgültig mit Köln gekippt“

Auf die Frage, ob die Medien in Deutschland und Österreich „einseitig“ berichtet hätten, etwa in den ersten Monaten der Flüchtlingskrise, sagte Wolf: Die Medien hätten „die damaligen Positionen der etablierten politischen Akteure ziemlich korrekt wiedergeben“. Bis auf AfD und FPÖ hätten alle Parteien eine großzügige Asylpolitik verfolgt.

„Das ist im Herbst 2015 und endgültig mit Köln gekippt“, sagte Wolf: „Was zu Beginn in der politischen Debatte und in der Berichterstattung aber wohl zu wenig vorgekommen ist, waren rational argumentierte, kritische Positionen ohne fremdenfeindliche und rassistische Ressentiments.“

Anzeige

Armin Wolf ist einer der bekanntesten Journalisten in Österreich. In der vergangenen Woche wurde der Moderator vonseiten der rechtsnationalistischen FPÖ angegriffen. Wolf hatte in seiner Sendung den Europa-Spitzenkandidaten der FPÖ, Harald Vilimsky, interviewt und dabei einen Cartoon der FPÖ-Jugendorganisation mit Abbildungen im nationalsozialistischen „Stürmer“ verglichen.

Vilimsky drohte daraufhin mit „Folgen“. Der Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats, FPÖ-Mitglied Norbert Steger, riet Wolf zu einer beruflichen Auszeit.

Anzeige

Von RND/epd/ngo