• Startseite
  • Politik
  • Online-Parteitag: Wenn Söder kein Schwarzer mehr sein will - und der FC Bayern unter 90 Prozent bleibt

Wenn Söder kein Schwarzer mehr sein will - und der FC Bayern unter 90 Prozent bleibt

  • Wegen der Corona-Krise verlegt die CSU ihren Parteitag aus der üblichen Halle ins Internet.
  • CSU-Chef Markus Söder gibt sich dort ungewohnt versöhnlich.
  • Technische Pannen bleiben aus - dafür stellt sich die Frage: Was tun, wenn jemand die Redezeit sprengt?
|
1:15 min
Der CSU-Chef hat seine Forderung nach einer Obergrenze für die zusätzlichen Staatsschulden in der Coronakrise erstmals konkretisiert. Deutschland dürfe sich für die Maßnahmen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie mit maximal 100 Milliarden Euro zusätzlich verschulden.  © Daniela Vates/Reuters
Anzeige
Anzeige

Die erste Abstimmung bei der CSU geht richtig schief, zumindest aus Sicht der Parteizentrale. Die CSU veranstaltet ihren ersten Online-Parteitag. Die Delegierten sitzen vor den Bildschirmen statt in einer Halle und erstmal muss die digitale Abstimmungstechnik getestet werden. „Wer glaubt, dass der FC Bayern zum 8. Mal in Folge Deutscher Meister wird?“, ist die Frage.

Das Abstimmungsergebnis werde eindeutig sein, findet CSU-Generalsekretär Markus Blume, der die Veranstaltung aus der Parteizentrale moderiert. „Alles unter 90 Prozent wäre schwierig“, sagt Co-Moderatorin und Vize-CSU-Chefin Dorothee Bär. 83 Prozent der 136 Delegierten votieren für die Münchner Fußballer. „Luft nach oben“, sagt Bär.

Freibäder und Blasmusik

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Und dann ist Markus Söder dran mit seiner Parteitagsrede. Und die wirkt eher wie eine Regierungserklärung oder eine Fernsehansprache. Das liegt nicht nur daran, dass Söder bayerischer Ministerpräsident ist. Er steht auch nicht an einem Rednerpult, kann nicht reagieren auf eine klatschende, jubelnde oder angeödete Zuschauerschar.

Video
RND-Videoschalte: „Mehr Technik als in einer Riesen-Halle“
8:47 min
CSU-Generalsekretär Markus Blume spricht mit RND-Chefkorrespondentin Daniela Vates über digitale Parteitage und die Folgen der Corona-Krise.

Söder erläutert die Reaktion auf die Corona-Krise. Er sagt, dass sich die Dinge gut entwickelten, bittet aber, die Lage „nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.“ Er warnt vor der AfD, die sich nicht abgrenze von Rechtsextremen, und und auch vor Verschwörungstheoretikern.

„Man darf auch Kritik üben“, sagt er. „Aber es muss sich schon an Fakten orientieren.“

Anzeige

Er kündigt zusätzliche Corona-Tests an und weitere Lockerungen: offene Freibäder nach Pfingsten und Zulassung von Blasmusik. Zumindest für Übungen, zumindest mit Abstand.

Für das geplante Konjunkturprogramm der Bundesregierung gibt er eine Grenze von 100 Milliarden Euro vor und zudem eine Verschuldungsgrenze von 90 Prozent.

Anzeige

Im Leitantrag für den Parteitag fordert die CSU, die Verdienstgrenze für Minijobs von 450 auf 600 Euro anzuheben und Pflegekräfte besser zu bezahlen.

Mit den Sozialdemokraten will die CSU nochmals über die Abschaffung des Solidaritätszuschlags reden. Vom Vorschlag, Reisegutscheine für Übernachtungen in Deutschland auszugeben und damit die Tourismusbranchen zu stärken, ist die CDU nicht überzeugt.

Star-Trek-Tasse und Kruzifix

Aber erstmal sitzt Söder ja noch in seinem Parteichefbüro, ein Kruzifix links, eine Franz-Josef-Strauß-Büste rechts hinter sich. Und vor sich eine Kaffeetasse mit Startrek-Aufdruck. Ein bisschen klassisch CSU, ein bisschen was, das als kultig gilt.

Söder lobt, auch die SPD und die CDU hätten mal gute Ideen – da solle man sich doch lieber gegenseitig bereichern als sich immer Stöckchen zwischen die Beine zu werfen wie bisher. Im Übrigen gebe es grüne und rote Ministerpräsidenten und auch noch ihn, einen „netten Ministerpräsidenten“ – soll keiner von schwarz reden, wer hätte das gedacht bei der CSU.

Er ist gerade im Umfragehoch, in der Union gilt er als möglicher Kanzlerkandidat. Da muss man kompatibel sein.

Anzeige

Was der rote Knopf nicht kann

Und dann geht doch noch etwas schief. Und das liegt an Alexander Dobrindt. Der meldet sich für die Diskussion. Zwei Minuten Redezeit sind vorgeben, aber der Landesgruppenchef redet und redet. Über Finanzen, Kurzarbeit, Lufthansa. Europa, ausführlicher Dank an Söder.

Es gibt einen großen roten Knopf, aber der hat zum Anfang nur Applaus für Söder eingespielt und ein paar Takte Geburtstagslied für eine Delegierte. Zum Rednerbremsen taugt der Knopf offenbar nicht. Nach über zehn Minuten hört Dobrindt dann doch noch von selber auf.

Blume schaltet nach Österreich. Dort wartet Kanzler Sebastian Kurz schon ein paar Minuten auf seinen Einsatz. Er lobt die bayerische Corona-Politik, lädt ein zum Urlaub in Österreich und lehnt nochmal den Europa-Vorschlag von Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Emmanual Macron ab. Das alles geht sehr schnell. „Man sollte nicht zu lange reden, sonst macht man sich unbeliebt“, sagt Kurz.

„Danke, Sebastian“, sagt Markus Söder. Und lädt die Österreicher ein zum Urlaub in Bayern.

Für den Leitantrag stimmen 99 Prozent der Delegierten, mehr als für den FC Bayern als Meister.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen