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Online-CSU-Parteitag: Die große Söder-Rede und das kleine Gendersternchen

  • Eigentlich wollte die CSU ihr 75-jähriges Bestehen mit einem großen Präsenzparteitag im Dezember feiern.
  • Doch wegen Corona wurde die Großversammlung ins Internet verlagert und noch dazu vorgezogen.
  • An diesem Samstag dürfte vor allem Parteichef Markus Söder im Mittelpunkt stehen – und ein wenig vielleicht auch das Gendersternchen und das Binnen-I.
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Berlin. Es ist ja nicht so, dass auf dem Parteitag der CSU an diesem Samstag gar keine Sachthemen debattiert werden. Da ist zum Beispiel ein Antrag des Münchner Stadtrats und CSU-Seniors Reinhold Babor, der seine Partei in den Kampf gegen die “geschlechtergerechte Sprache” schicken will. Die Tagesordnung sieht das Thema als Punkt C15 im 399 Seiten dicken Antragsbuch vor: “Die Verballhornung der Sprache mit überflüssigen Genderformulierungen verhindern”. Weiter heißt es darin: “Die krampfhafte Wortwahl der Gendersprache hat in Behörden und in Bildungseinrichtungen zu unterbleiben.” Mit 14 weiteren Anträgen – etwa zur Digitalisierung der Schulen, dem Kampf gegen Kindesmissbrauch und dem Umgang mit der Polizei – wird das Anliegen auf dem Parteitag von rund 800 Delegierten diskutiert.

Ob jedoch echte CSU-Stimmung aufkommt, darf bezweifelt werden: Wegen der Corona-Pandemie verzichtet die CSU in diesem Jahr auf ihren großen Präsenzparteitag im Dezember und verlagert die Antragsarbeit ins Internet. Alle Reden und Debatten werden ab 13 Uhr online und per Video gehalten. Und das ausgerechnet im 75. Jahr ihres Bestehens! Festliche Grußworte und vielstimmiger Jubel über die eigene Bedeutung müssen damit ausfallen. Oder vielmehr werden sie Chefsache, denn im Mittelpunkt des Parteitags steht nun die Grundsatzrede von Parteichef Markus Söder.

Söder ist bundesweite Aufmerksamkeit sicher

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Das wiederum passt sehr gut zur derzeitigen Lage der CSU: Seit Söder ihr Vorsitzender und Ministerpräsident ist, der sich zudem als strikter Corona-Bekämpfer profiliert hat, erreichen die Umfragewerte wieder fast die 50-Prozent-Marke. Söder rangiert in den Beliebtheitsumfragen so weit vorn, dass er in der Union sogar als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt wird.

Vor diesem Hintergrund wird seine Parteitagsrede von diesem Samstag bundesweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt werden. Seinem Image als Corona-Krisenmanager entsprechend dürfte sie sich denn auch vornehmlich um die Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf Bayern, Deutschland und Europa drehen – wie schon beim vergangenen Parteitag im Mai.

Zieht die CSU in den Kampf gegen gendergerechte Sprache?

Ob auch gendergerechte Sprache in seiner Ansprache Platz finden wird, bleibt abzuwarten. Die CSU – so viel steht jedenfalls fest – distanziert sich in ihrem aktuellen Grundsatzprogramm “Die Ordnung” von einer geschlechtersensiblen Sprache. So heißt es etwa: “Eine Gesellschafts-und Bildungspolitik, die Genderideologie und Frühsexualisierung folgt, lehnen wir ab.” Auch Parteivize Dorothee Bär äußerte sich in der Vergangenheit bereits kritisch. “Total gaga” nannte sie das Binnen-I und Gendersternchen einmal.

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Dass der Parteitag dem Antrag des CSU-Seniors Babor folgt, ist allerdings keineswegs gewiss. In ihrer Stellungnahme weist die Antragskommission schon darauf hin, dass Sprache und das allgemeine Verständnis davon laufend Veränderungen unterliegen. “Gesetzgeberische Festlegungen über den Charakter der Sprache können daher problembehaftet sein.”

Und fraglich ist auch, ob der CSU-Chef seine Partei gern mit gesetzgeberischen Festlegungen in den Kampf gegen die geschlechtergerechte Sprache schicken würde. Zuletzt hatte Söder gesagt, er sehe die Partei in einem Dauerreformprozess: “Die CSU muss immer modern bleiben, um das Lebensgefühl der Menschen zu repräsentieren. Volksparteien sind auch ein Spiegel ihrer Zeit, sie dürfen gesellschaftlichen Entwicklungen nicht hinterherlaufen, sondern sie müssen sich aus und mit der Bevölkerung entwickeln.”

Zugleich sagte er allerdings auch, die CSU sei immer dann am stärksten gewesen, wenn sie das Lebensgefühl der Bayern abgebildet und danach ihre Politik definiert habe. “Nicht ideologisch, aber auch nicht beliebig.” Was das nun für die gendergerechte Sprache zu bedeuten hat, darüber hat die CSU zu debattieren.

mit dpa/cz



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