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Wie fit ist Omikron? Die Lage ist so unsicher wie zu Beginn der Pandemie

Ein Forscher am Africa Health Research Institute in Durban arbeitet an der Untersuchung der Omikron-Variante des Coronavirus.

Berlin.Wer die Corona-Pandemie verstehen will, um bestmöglich darauf reagieren zu können, muss sich zwangsläufig mit der Evolution beschäftigen. Was normalerweise Millionen Jahre dauert, vollzieht sich derzeit im Zeitraffer. Noch nie waren so viele Menschen gleichzeitig mit einem Virus infiziert, darunter viele Hochaltrige und Menschen mit reduziertem Immunschutz. Je länger das Virus in einem Wirt bleibt, desto besser kann es sich anpassen. Das alles sorgt dafür, dass wir der Evolution buchstäblich bei der Arbeit zuschauen können.

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Das Ziel eines jeden Lebewesens ist es, der eigenen Art das Überleben zu sichern. Weil es in jedem Lebensraum aber nur begrenzte Ressourcen gibt, müssen so viele Nachkommen wie möglich produziert werden. Diese sind per Zufall mit verschiedenen Eigenschaften ausgestattet. Es setzen sich dann diejenigen durch, die am besten an die Umwelt angepasst sind. Charles Darwin nannte diesen Mechanismus „Survival of the Fittest“. Er meinte damit, dass der am besten Angepasste überlebt und nicht etwa automatisch der Stärkste.

Omikron könnte länger überleben

Vielleicht können wir genau das gerade beobachten: Die Delta-Variante, die ansteckender und vor allem tödlicher ist als die Vorgänger, wird abgelöst von der Omikron-Mutante, die noch ansteckender ist, aber möglicherweise zu milderen Krankheitsverläufen führt.

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Das ist für die Verbreitung des Virus ein großer Vorteil: Bringt das Virus seinen Wirt um, manövriert es sich selbst in eine Sackgasse. Überlebt der Wirt, sorgt er für eine noch größere Verbreitung. Omikron, so scheint es zumindest derzeit, ist im darwinschen Sinne fitter als seine Vorgänger und könnte so zur Chance werden, um die endemische Lage einzuläuten. Corona als grippeähnliche Krankheit – nicht ungefährlich, aber beherrschbar.

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Das Problem ist nur: Wir wissen nicht, ob das tatsächlich so stimmt. Virologen weisen darauf hin, dass die in Südafrika und Großbritannien beobachtete geringere Krankheitslast nur etwas mit der höheren Durchseuchung der Bevölkerung zu tun hat.

Und in Deutschland hat sich die unter anderem von Gesundheitsminister Karl Lauterbach und RKI-Präsident Lothar Wieler vertretene These durchgesetzt, selbst wenn Omikron weniger schwere Erkrankungen verursache, werde allein die schiere Masse der Neuinfektionen am Ende das Gesundheitswesen überlasten. Auch dafür gibt es allerdings bisher keine Belege.

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Es bleibt also dabei, dass die Politik weiterhin vorsichtig auf Sicht fahren muss. Nüchtern betrachtet ist die Lage zum Jahreswechsel 2021/2022 genauso unsicher wie am Anfang der Pandemie.

Wir wissen zwar heute erheblich mehr über das Virus und verfügen über Impfstoffe, aber Gewissheiten fehlen nach wie vor. Die damalige Vorsichtsstrategie des „Flatten the Curve“ – die Zahl der Infizierten so lange wie möglich niedrig halten – muss also weiter gelten.

Drei Elemente sind dabei unter Berücksichtigung aller Eventualitäten von entscheidender Bedeutung: das Impfen beziehungsweise Boostern, das massenhafte Testen sowie die Reduzierung von Kontakten. Dabei dürfen diese drei Elemente nicht gegeneinander ausgespielt werden, etwa um einen Impfanreiz zu geben. Es war ein Fehler, bei der 2G-plus-Regel die Testpflicht für Geboosterte aufzuheben.

Falsch wäre es auch, jetzt bereits auf reinen Verdacht hin die Quarantäneregeln zu lockern. Sollte tatsächlich, wie von der Union befürchtet, eine „Massenquarantäne“ das Funktionieren unseres Gemeinwesens gefährden, könnte auch später noch ein früheres Freitesten erlaubt werden. Jetzt muss es darum gehen, dass es erst gar nicht so weit kommt. Und dazu gehören unbedingt mehr Homeoffice sowie intelligente Dienstpläne, um auch im Job Ansteckungen so weit wie möglich zu verhindern.

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