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Die Lockdowns der anderen: So kämpft Europa gegen Omikron

Omikron erreicht Europa: Boris Johnson ist besorgt, Frankreich zögert noch. In Amsterdam gilt schon wieder ein Lockdown, während Portugals Ministerpräsident noch relativ entspannt auf die Lage blickt.

In Europa breitet sich die Omikron-Variante immer weiter aus. In ersten Ländern beträgt ihr Anteil bereits mehr als 50 Prozent, sie ist also zur dominierenden Corona-Variante geworden. Wie wirkt sich die Variante auf den Kampf gegen die Pandemie aus? Welche neuen Regeln sind im Gespräch und wie stark spiegelt sich die Variante schon in den Zahlen wider? Unsere RND-Korrespondentinnen und -Korrespondenten berichten aus ganz Europa über den Kampf gegen Omikron.

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Großbritannien im Bann von Omikron

Die Omikron-Variante dominiert bereits das Infektionsgeschehen in Großbritannien. Sie mache nun 60 Prozent aller Fälle aus, sagte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid in einem Interview mit „Sky News“. Allein am Sonntag waren im Vereinigten Königreich 12.133 neue Omikron-Fälle gemeldet worden, am Freitag waren es noch rund 3200. Insgesamt sind in Großbritannien damit bereits mehr als 37.000 bestätigte Omikron-Fälle bekannt. Deshalb stufen deutsche Behörden das Land seit diesem Montag als Virusvariantengebiet ein.

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Die britische Regierung hatte erst am vergangenen Dienstag gegen massiven Widerstand in der konservativen Regierungspartei schärfere Corona-Maßnahmen vom Parlament absegnen lassen. Dazu gehören Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln und 3G-Regeln für Discos und bestimmte Großveranstaltungen.

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen spitzt sich aber die Debatte um schärfere Corona-Maßnahmen zu. London hat schon den Katastrophenfall ausgerufen. Medienberichten zufolge laufen Diskussionen über eine Art Wellenbrecher-Lockdown nach den Weihnachtstagen.

Wissenschaftliche Berater fordern eine möglichst schnelle Verschärfung der Beschränkungen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Man sei „fast sicher, dass es aktuell Hunderttausende neue Omikron-Infektionen pro Tag“ in England gebe – also eine hohe Dunkelziffer. Einige Modellierer warnten dem „Guardian“ zufolge, ohne schärfere Maßnahmen drohten bis zum Jahreswechsel bis zu zwei Millionen Neuinfektionen täglich. (jw/dpa)

Britischer Epidemiologe warnt vor Omikron

Was man über die neue Coronavirus-Variante wisse, verheiße nichts Gutes, so Chris Whitty.

Frankreich: Zögern vor der Präsidentschaftswahl

Kurz vor Weihnachten ist in Frankreich Streit um die Foie gras entbrannt, die beliebte Gänsestopfleber, die hier an kaum einem Festtagstisch fehlt, wohl aber bei Empfängen in mehreren grün regierten Rathäusern. Das sorgt für Gesprächsstoff und verdrängt ein anderes, ebenso kontroverses Thema: das Coronavirus, die Impfung und zu ergreifende Maßnahmen angesichts von Omikron.

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Wurden erst ein paar hundert Fälle dieser neuen Variante offiziell nachgewiesen, so gehen Fachleute davon aus, dass sie sich rasant verbreitet. Die Infektionszahlen – momentan liegt die landesweite Inzidenz noch bei 530 – drohen sich in den kommenden Tagen ähnlich dramatisch zu entwickeln wie in einigen Nachbarländern, die strikte Maßnahmen ergriffen haben. In Frankreich mussten nur die Diskotheken schließen. Selbst die Empfehlung des wissenschaftlichen Rates, für Silvester „bedeutsame Einschränkungen“ zu verhängen, könnte übergangen werden.

Stattdessen konzentriert man sich auf das Impfen, 90 Prozent der Erwachsenen sind geimpft, jeder Vierte bereits dreimal. Ab Anfang Januar wird aus dem „Gesundheitspass“ ein „Impfpass“. In Restaurants, Cafés, Theater, Sporteinrichtungen oder Fernzügen verlangt man dann einen Impfnachweis – ein negativer Corona-Test reicht nicht mehr. Gesundheitsminister Olivier Véran gibt zu, dass das eine „versteckte Form der Impfpflicht“ sei.

Vier Monate vor der Präsidentschaftswahl setzt die Regierung auf Einschränkungen für Ungeimpfte statt für alle. Das soll den Franzosen ein möglichst angenehmes Weihnachten bescheren. Mit oder ohne Foie gras. (Frankreich-Korrespondentin Birgit Holzer)

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Österreich: Wegen Omikron droht nächster Lockdown

Gerade erst hat Österreich nach drei Wochen Lockdown wieder geöffnet, die 7-Tages-Inzidenz ist von 1.100 auf 270 gesunken – und schon rechnen dank Omikron viele im Land mit einem neuerlichen Lockdown bereits im Januar. Der Gesundheitsminister wollte diese Möglichkeit am Freitag nicht ausschließen.

Offiziell gab es in Österreich bisher erst 80 bestätigte Omikron-Infektionen, doch die reale Zahl dürfte inzwischen weit höher liegen: Die Stadt Wien, wo die Gesamtinzidenz derzeit am niedrigsten ist, wo aber am meisten PCR-getestet wird und alle Proben auf Omikron gescreent werden, meldete am Montag 217 Omikron-Fälle bisher, davon seien 198 aktiv.

Expertinnen und Experten sowie die Politik gehen davon aus, dass Omikron spätestens Mitte Januar dominant sein wird. Beim Versuch, diesen Zeitpunkt hinauszuzögern, setzt Österreich aufs Boostern, Testen und neuerdings auch auf schärfere Einreiseregeln. Das Land hat eine genauso miserable Impfquote wie Deutschland, beim Boostern aber gehört es zu den Weltmeistern: 37 Prozent der Bevölkerung sind bereits dreimal geimpft (in Deutschland sind es 30 Prozent), das ist in Österreich schon vier Monate nach der Zweitimpfung möglich.

Bei Omikron-Verdacht können geimpfte Kontaktpersonen nicht, wie zuletzt üblich, von Kategorie 1 (Quarantänepflicht) auf Kategorie 2 (keine Quarantänepflicht) herabgestuft werden. Seit Montag gelten verschärfte Einreiseregeln: Wer noch keine Booster-Impfung hat, braucht einen 2G-Nachweis und zusätzlich einen negativen PCR-Test, um nicht in Quarantäne zu müssen. Ausnahmen gibt es unter anderem für Kinder. (Österreich-Korrespondentin Ruth Eisenreich)

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Italien: Regierung kündigt neue Maßnahmen an

Offiziell haben sich in Italien bis zum Wochenende nur gerade 84 Personen mit der Omikron-Variante infiziert, davon die meisten (nämlich 33) in der Lombardei. Aber die Dunkelziffer liegt mit Sicherheit um ein Mehrfaches höher: Italien testet zwar sehr viel, aber sequenziert wenig – die Varianten werden also nicht unterschieden. Das soll sich nun in diesen Tagen ändern. Die Gesundheitsbehörden rechnen jedenfalls bereits im Januar mit zehntausenden Fällen täglich.

Italien ist bisher gut durch die vierte (Delta-)Welle gekommen. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Impfbereitschaft der Bevölkerung höher ist als etwa in deutschsprachigen Ländern. Außerdem hatte die Regierung Draghi bereits im Oktober, als die 7-Tage-Inzidenz noch bei unter 30 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern lag, effiziente Präventionsmaßnahmen verfügt, etwa 3G am Arbeitsplatz, in Flugzeugen, Schiffen und Fernverkehrszügen. Dennoch sind auch in Italien die Fallzahlen stetig angestiegen – in der vergangenen Woche wurden 163.000 neue Infektionen registriert, in der Vorwoche waren es noch 40 Prozent weniger gewesen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt damit bei nicht mehr wirklich beruhigenden 270 neuen Fällen täglich.

Auch die lange Zeit entspannte Situation auf den Covid-Abteilungen und Intensivstationen bewegt sich nun rasch auf die von der Regierung definierten kritischen Werte zu. Das Kabinett von Mario Draghi hat deshalb unabhängig von der Omikron-Variante bereits neue Maßnahmen verfügt und mehrere Regionen im italienischen Ampelsystem von weiß auf gelb geschaltet. Unter anderem wird für die Einreise jetzt auch von Geimpften und Genesenen ein negativer Test verlangt; die Ungeimpften wandern für 5 Tage in Quarantäne.

Angesichts der Bedrohung durch Omikron wird die Regierung in dieser Woche zusätzliche Maßnahmen beschließen. Insbesondere dürfte für Restaurants, Bars, Stadien, Museen und Kinos 2G eingeführt werden – heute gilt, zumindest in den weißen Zonen, noch 3G. Für Discos und eventuell für Stadien dürfte 2G plus fällig werden. Die neuen Maßnahmen werden voraussichtlich erst für Silvester eingeführt. Ein Lockdown für die Festtage wird ausgeschlossen. Aber im Januar könnte die 2G-Regelung für den Arbeitsplatz eingeführt werden; Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände haben sich bereits für diese Maßnahme ausgesprochen. Als ultima ratio schließt die Regierung auch die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht nicht aus. (Italien-Korrespondent Dominik Straub)

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Spanien: Omikron? Bloß keine Eile

Omikron ist „eine gewisse und reale Gefahr“ für Spanien, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez am Sonntag und kündigte zum gemeinsamen Kampf gegen die Virusvariante eine Konferenz aller Regionalpräsidenten an – für den Mittwoch, statt wie erwartet für den Montag. Bloß keine Eile. Spanien ist in den vergangenen Monaten ganz gut durch die Pandemie gekommen, und die Menschen sind allgemein impfwillig. Beides hat dazu beigetragen, dass das generelle Gefahrenbewusstsein gesunken ist. Jetzt steigt es wieder, so wie die Zahl der Infektionen in dieser sechsten Corona-Welle steigt, langsam aber stetig. In den Apotheken sind die Schnelltests ausverkauft.

In Madrid, der Hauptstadt, erinnert fast gar nichts an das Virus. Die Straßen sind weihnachtlich verstopft, weswegen viele Menschen Maske tragen, sich aber ansonsten keine Beschränkungen auferlegen. Das fordert auch niemand von ihnen. Das Rezept der Regionalpräsidentin Díaz Ayuso ist „Vorsicht und massive Impfung“, aber „keine Schließungen und weiteren Verbote“. Wie lange sich die Laxheit durchhalten lässt, wird sich zeigen. Omikron macht in der Hauptstadtregion „vielfach mehr als 60 Prozent der Fälle“ aus, sagte der Madrider Gesundheitsminister am Freitag.

Weil Omikron ansteckender ist als die älteren Varianten, rechnen die Epidemiologen mit einem weiteren Anschwellen der Corona-Welle über Weihnachten. Weswegen andere Regionen vorsichtiger sind als Madrid und vielerorts die Vorlage des Impfzertifikats fordern.

Als erste spanische Region hat Katalonien am Montagabend spürbare Einschränkungen für den Besuch von Restaurants, Theatern, Geschäften, Fitnessstudios dekretiert. In den kommenden Tagen soll in Katalonien auch wieder eine nächtliche Ausgangssperre gelten.(Korrespondent Martin Dahms)

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Portugal: Omikron dominiert nach Weihnachten

Wir müssen „mehr machen“ angesichts von Omikron, sagte die portugiesische Gesundheitsministerin Marta Temido am Freitag. Portugal macht schon besonders viel: Gemeinsam mit Malta ist das Land Impfeuropameister; seit 1. Dezember gilt die „Notsituation“; und schon vor fast einem Monat hat die Regierung für den 2. bis zum 9. Januar die „Woche der Mäßigung der Kontakte“ ausgerufen. Doch das ist jetzt nicht mehr genug.

Nach dem Wissensstand der Gesundheitsbehörden macht Omikron zurzeit etwa 20 Prozent der Corona-Fälle in Portugal aus, dürfte aber zu Weihnachten für 50 Prozent der Neuinfektionen und zu Silvester für 80 Prozent verantwortlich sein, sagt die Gesundheitsministerin. Sie rechnet insgesamt mit einer deutlichen Zunahme der Fälle, „wenn auch mehrheitlich weniger gravierenden“.

Schon länger steht fest, dass in der ersten Januarwoche Bars und Diskotheken geschlossen bleiben, dass alle Büroarbeit von zu Hause aus erledigt werden muss und dass die Schulen den Unterricht erst am 10. wieder aufnehmen, eine Woche später als gewöhnlich. Ein Teil dieser Einschränkungen soll nun aber länger beibehalten werden. „Wir planen keine sofortige Änderung der Maßnahmen“, sagte Ministerpräsident António Costa am Freitag. „Aber am 9. Januar werden wir sicher verlängern. Wir werden nicht in der Lage sein, jene Maßnahmen zurückzunehmen.“

Ansonsten denkt der Regierungschef schon an die vierte Dosis – eines Corona-Impfstoffes, der auch die Ansteckung mit der Omikron-Variante verhindert, „wie es wohl leider notwendig sein wird“. (Korrespondent Martin Dahms)

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Gesundheitsminister Lauterbach: kein Lockdown vor Weihnachten

Angesichts der Ausbreitung der Omikron-Variante beraten Bund und Länder am Dienstag über die Corona-Lage und das weitere Vorgehen.

Dänemark: Freedom Day ist abgesagt

Lange hatten die Dänen nach dem Freedom Day im September geglaubt, die Pandemie sei überwunden. Als die Infektionszahlen im Herbst wieder zu steigen beginnen, bleiben Regierung und Bürger entspannt. Statt auf Einschränkungen setzt Ministerpräsidentin Mette Frederiksen auf strenge Impfaufrufe. Ihr Credo: Wer sich nicht impfen lässt, versaut es jetzt für alle anderen. Das schlechte Gewissen sollte es richten.

Vielleicht wäre die Strategie sogar geglückt, hätte Omikron dem Land nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Erkenntnis, dass die Pandemie immer noch die Oberhand hat, trifft Dänemark kurz vor Weihnachten mit Wucht. Obwohl die Regierung Anfang Dezember Maskenpflicht und Corona-Pass wieder eingeführt hat, breitet sich Omikron rasend schnell aus. Mitte des Monats liegt die Sieben-Tage-Inzidenz landesweit bei fast 1000.

Experten machen dafür Omikron verantwortlich. Die Virusvariante sei außer Kontrolle geraten, warnen Virologen. Die Folge: Einschnitte. Frederiksen schließt Nachtclubs, Kinos und Freizeitparks. Was Weihnachten mit der Familie angeht, bleibt es dagegen bei der Empfehlung, Kontakte einzuschränken. Stattdessen sollen alle Bürger über 40 Jahren bis Neujahr den Impf-Booster erhalten. Dass das Land so viele Omikron-Fälle zählt – mehr als 18.000 sind es inzwischen – liegt nicht nur daran, dass die Variante in Dänemark früher Einzug hielt als anderswo. Es ist auch der Tatsache geschuldet, dass jede PCR-Probe analysiert wird. Im Ausland fühlen sich die Dänen deshalb missverstanden. Ungerecht finden sie nicht zuletzt, dass Deutschland ihr Land gerade zum Hochrisikogebiet erklärt hat. (Dänemark-Korrespondentin Julia Wäschenbach)

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Handlungsempfehlungen statt Vorschriften in Schweden

In Schweden sind bereits Dutzende Infektionen mit der Omikron-Variante bekannt, erstmals seit Mai gab es wieder mehr als 20.000 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen. Das Land war lange Zeit für seine lockeren Corona-Regeln bekannt. Und obwohl die Regierung Anfang Dezember wegen der Virusvariante neue Maßnahmen verkündet hat, sind diese immer noch vergleichsweise lax.

Statt auf verpflichtende Regeln setzt Schweden weiterhin lieber auf Handlungsempfehlungen. So sollen Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden ermöglichen, von zu Hause aus arbeiten zu können. Und wenn es in öffentlichen Verkehrsmitteln eng werden sollte, raten die Behörden zum Tragen eines Mundschutzes.

Die wohl strengste Regel in Schweden wurde am 1. Dezember eingeführt: Seitdem gilt bei Indoorveranstaltungen die 1G-Regel, wenn mehr als 100 Menschen daran teilnehmen. Allerdings klingt die Maßnahme zunächst härter als sie wirklich ist. Denn möchte ein Veranstalter auch Ungeimpfte hineinlassen, muss er nur für ausreichend Abstand zwischen den einzelnen Gruppen sorgen.

Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften kritisiert den Sonderweg; zum Beispiel, dass die Regierung keine Maskenpflicht verhängen will. Der Generalsekretär Göran Hansson sagte laut „SWR“ bei einer Pressekonferenz Ende November: „Es ist bemerkenswert: Die WHO und die EU-Gesundheitsbehörde haben den Mundschutz empfohlen und die schwedischen Behörden machten genau das Gegenteil. Das war etwas peinlich.“ (jw)

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Hohe Zahl an PCR-Tests: Labore kommen an ihre Grenzen

Es sind einfach zu viele Infizierte: Labore und Gesundheitsämter kommen an ihre Grenzen. Das macht auch dem RKI Probleme bei der Beurteilung der Corona-Lage.

Niederlande: Booster-Impfung mit Verspätung

Die rasante Ausbreitung der Omikron-Virus-Variante ließ auch in den Niederlanden erneut alle Alarmglocken klingeln. Die Haager Regierung reagierte prompt: Sie kündigte am Samstagabend einen neuen harten Lockdown für das ganz Land an. Er gilt bis 14. Januar 2022 und trat bereits am gestrigen Sonntag um 5 Uhr morgens in Kraft. „Wir müssen das Land ein weiteres Mal runtergefahren“, so die Regierung. Die Welle, die mit der Omikron-Variante auf das Land zukomme, mache dies unvermeidlich. „Omikron breitet sich noch schneller aus, als wir befürchtet haben. Wir müssen jetzt handeln“.

Holland ist wieder geschlossen, es dürfen nur noch lebenswichtige Geschäfte wie Supermärkte oder Apotheken oder Tankstellen bis 20 Uhr abends öffnen. Alles andere ist zu. Zuhause dürfen fortan nur noch zwei fremde Menschen empfangen werden. Über Weihnachten darf man vier Gäste empfangen. Das ist für viele Familien eine harte Regelung.

Holland ist bei den Booster-Impfungen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern enorm im Rückstand, weil sie viel zu spät begonnen haben. In Den Haag beispielsweise sind für über 60-Jährige im Dezember keine Booster-Impfungen mehr möglich. Wer einen Booster will muss von Den Haag derzeit fast eine Stunde bis nach Alphen aan den Rijn fahren. Dort ist eine Booster-Vakzination derzeit möglich, wenn man älter als 60 Jahre ist.

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Zwar sind die Ansteckungen in den letzten Tagen gesunken. Aber allein in Amsterdam hat sich die Zahl der mit der neuen Omikron-Variante Infizierten in den vergangenen Tagen verzehnfacht. Der Mikrobiologe Menno de Jong warnt: „Wenn wir jetzt nicht handeln, wird unser Gesundheitssystem kollabieren.“ De Jonge ist Mitglied des „Outbreak Management Teams“, das die Haager Regierung berät. „Amsterdam ist nur der Vorbote dafür, was dem ganzen Land droht“, so de Jonge in einem TV-Interview des Nachrichtensenders „Een Vandaag“.

Viele niederländische Medien hatten bereits am Samstagmorgen über den drohenden neuen harten Lockdown berichtet. Das führte dazu, dass in den Städten eine wahre Kaufwut ausbrach. Viele Niederländer wollten noch rasch ihre Weihnachtseinkäufe erledigen, sich beim Frisör noch einmal Haare schneiden lassen oder ein Mittagessen in einem Restaurant genießen. Die Eingänge vor dem niederländischen Warenhaus „De Bijenkorf“ in Den Haag mussten am Samstagnachmittag vorübergehend geschlossen werden, so groß war der Andrang des kaufwütigen Publikums. (Niederlande-Korrespondent Helmut Hetzel)

Umfrage: Reisen an Weihnachten trotz der vierten Welle?

Rund um die Weihnachtsfeiertage reisen viele gerne zu ihren Verwandten oder in den Urlaub. Doch wie sieht das in der aktuellen Corona-Welle aus?

Russland: Hilft der Sputnik-Impfstoff unzureichend gegen Omikron?

Es war am Nikolaustag, als in Russland die ersten Infektionen mit der neuen Omikron-Variante des Corona-Virus registriert wurden. Bei zwei Reiserückkehrern aus Südafrika sei ein Test auf Omikron positiv ausgefallen, teilte Rospotrebnadzor, die russische Aufsichtsbehörde für Konsumenten- und Gesundheitsschutz, an dem Tag mit. Zehn Tage später, am 16. Dezember, bezifferte die stellvertretende Ministerpräsidentin Tatjana Golikowa die offizielle Zahl der bekannten Omikron-Fälle mit 25.

Das klingt im internationalen Vergleich nach sehr wenig: In Deutschland liegen die Fallzahlen bislang im niedrigen dreistelligen Bereich, in Großbritannien und Dänemark sind es bereits viele Tausend. Doch erstens dürfte die Dunkelziffer deutlich höher ausfallen, und zweitens hat gerade Russland erleben müssen, mit welcher Rasanz sich im Sommer dieses Jahres die Delta-Variante des Virus plötzlich ausgebreitet hat. Denn bei den Schutzmaßnahmen pflegt das Land bislang eine eher laxe Praxis. Und die Impfquote ist mit 43,9 Prozent vollständig Geimpfter im internationalen Vergleich nach wie vor sehr niedrig.

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Für Unruhe sorgte Ende vergangener Woche außerdem eine Studie der Universität von Washington und des Schweizer Biotechnologieunternehmens Humabs Biomed, wonach der führende russische Impfstoff Sputnik V kaum Antikörper gegen Omikron produziert. Diesem Befund widersprach das Moskauer Gamaleja-Institut, das Sputnik entwickelt hat, zwar umgehend mit den Ergebnissen einer eigenen Laborstudie. Doch die Zweifel gegen Sputnik in der russischen Bevölkerung, mit denen die niedrige Impfquote erklärt werden kann, wird das kaum beseitigen. (Russland-Korrespondent Paul Katzenberger)

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