Ohne Ökostromausbau drohen höhere Preise und Jobverluste

  • Bislang glaubten viele, ein weiterer Ausbau erneuerbarer Energien würde die Strompreise weiter verteuern.
  • Nun zeigt eine Studie der Grünen-Bundestagsfraktion: Das Gegenteil ist der Fall.
  • Strompreise steigen vor allem dann, wenn wenig in den Ausbau investiert wird. So wie jetzt.
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Berlin. Sollte Deutschland seine Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energien verfehlen, drohen Industrie und Verbrauchern massive Mehrbelastungen beim Strompreis. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Berliner Energieberatungsunternehmens Arepo Consult im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion. „Ein verschleppter Ausbau der erneuerbaren Energien kann für die Stromkunden teure Folgen haben“, heißt es in der Studie, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Würde der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Stromverbrauch nicht wie geplant von derzeit 45 auf 65 Prozent im Jahr 2030 steigen, kämen auf die Stromkunden zusätzliche Belastungen in Höhe von rund 5,2 Milliarden Euro zu, heißt es in der Studie. Allein die deutsche Industrie müsste mit Mehrkosten in Höhe von fast 2 Milliarden Euro rechnen. „Für sehr stromintensive Betriebe wäre der Strom 17 Prozent teurer als mit einem ambitionierten Ausbau“, schreiben die Studienautoren und warnen: Dies könne für viele Unternehmen existenzbedrohend sein.

Umgekehrt würde der geplante Ausbau der erneuerbaren Energien auf 65 Prozent im Jahr 2030 den Strompreis senken, prognostiziert die Studie. Der Grund: Da Wind- und Sonnenstrom keine Brennstoffkosten haben, können sie an der Börse zu günstigeren Preisen angeboten werden als Strom aus fossilen Energieträgern. Je mehr Sonnen- und Windstrom verfügbar ist, desto mehr Strom aus Gas oder Kohle wird aus dem Markt gedrängt.

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Der durch den Ökostrom ausgelöste Preisdruck würde auch die Zuschläge auf die restlichen Strommengen aus fossilen Energieträgern senken, prognostiziert die Studie. Der erwartete Anstieg des Strompreises durch den Wegfall der vergleichsweise billigen Braunkohleverstromung würde durch diesen Effekt überkompensiert, glauben die Studienmacher.

Grünen-Fraktionsvize Krischer fordert Bundesregierung zum Handeln auf

Die Studie untermauert ein Argument, das Umweltschützer und Vertreter der Grünen bereits seit Längerem vorbringen: Die wahre Gefahr für stromintensive Industriezweige liegt nicht im Ausbau erneuerbarer Energien, sondern in dessen Ausbleiben.

„Strom aus neuen Windrädern und Fotovoltaikanlagen ist mittlerweile kaum teurer als Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken. Zusätzlich Strom aus Erneuerbaren erhöht das Angebot am Markt und führt zu sinkenden Preisen“, sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer dem RND. „Gerade die 1,7 Millionen Arbeitsplätze in der stromintensiven Industrie sind durch den mangelnden Ausbau der erneuerbaren Energien gefährdet“, so Krischer weiter. „Das, was CDU und CSU aktuell bei den erneuerbaren Energien machen, ist extrem wirtschaftsfeindlich. Da wird einer Deindustrialisierung Vorschub geleistet“, kritisierte der Bundestagsabgeordnete.

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Krischer beklagte, dass durch die aktuelle Flaute beim Ausbau der Windkraft an Land Firmen in die Pleite getrieben würden. „Das Klimakabinett muss dringend die Weichen stellen, dass mehr Windräder und Fotovoltaikanlagen errichtet werden“, forderte er. Außerdem müsse die Bundesregierung Möglichkeiten dafür schaffen, dass Bürger und Gemeinden direkt finanziell von Windprojekten in ihrer Umgebung profitieren. „Die Bundesregierung darf sich angesichts der dramatischen Situation nicht länger zurücklehnen, sondern muss endlich handeln“, forderte der Grünen-Politiker.

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