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Ökumenischer Kirchentag startet: Was trennt Katholiken und Protestanten eigentlich?

  • Seit diesem Donnerstag läuft der Ökumenische Kirchentag in Frankfurt.
  • Dabei geht es um eine Annäherung der beiden Konfessionen.
  • Trennt Katholiken und Protestanten heute noch mehr als der Papst? Ein Überblick.
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Frankfurt/Main. Mit einem Eröffnungsgottesdienst vom Parkhausdach beginnt an diesem Donnerstag der 3. Ökumenische Kirchentag in Frankfurt am Main.

Unter dem Leitwort „schaut hin“ finden bis Sonntag rund 100 überwiegend digitale Veranstaltungen zu den Themen Klimawandel, Frieden und gesellschaftliche Gerechtigkeit statt.

Als besonderes ökumenischen Zeichen sollen am Samstagabend Christen gleich welcher Konfession an Abendmahlfeiern gegenseitig teilnehmen können.

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In vielen Punkten sind sich katholische und protestantische Christen einig.

Aber einige Unterschiede gibt es schon noch:

Der Papst

Für die Katholiken ist er der Nachfolger des Apostels Petrus - der Papst regiert die katholische Kirche wie ein absolutistischer König.

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Die Protestanten haben damit Probleme: „Höllisch Vater“, „Lügenmaul“, „das verblendete Teufelskind“ - solche unschönen Bezeichnungen fand vor 500 Jahren der Reformator Martin Luther.

Denkmal für Martin Luther in Eisleben.
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Ein halbes Jahrtausend später ist das anders, viele Protestanten finden Papst Franziskus sogar sympathisch. Aber zurück unter seine Lehrautorität wollen sie deshalb noch lange nicht.

Die Geistlichen

Bei den Katholiken stehen die Priester gleichsam als Mittler zwischen Gott und den Menschen. Sie bilden einen eigenen Stand - Nichtkleriker werden als Laien bezeichnet.

Die evangelische Kirche kennt diesen Unterschied nicht. Luther betonte, dass sich jeder Gläubige die Heilige Schrift auch selbst erschließen kann - weshalb er sie prompt ins Deutsche übersetzte.

Noch ein wichtiger Unterschied: Das katholische Priesteramt steht nur Männern offen.

Die Sakramente

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Sakrament bedeutet Weihehandlung oder heiliges Zeichen. Das bekannteste Sakrament ist die Taufe. Hier ist es so, dass die Konfessionen die Taufe gegenseitig anerkennen. Deswegen muss man nicht mehr neu getauft werden, wenn man die Konfession wechselt.

Die Protestanten kennen außer der Taufe noch das Sakrament des Abendmahls.

Die Katholiken haben noch fünf Sakramente mehr: die Beichte, die Firmung, die Krankensalbung („letzte Ölung“), die Priesterweihe und die Ehe.

Vor allem das Sakrament der Ehe hat es in sich: Denn daraus leitet die katholische Kirche ab, dass man sich nicht scheiden lassen darf. Nach der Devise: „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“

Das Abendmahl

Das Letzte Abendmahl - dargestellt etwa von Leonardo da Vinci - hielt Jesus mit seinen Aposteln am Abend vor seiner Festnahme und Hinrichtung ab. Aus der Erinnerung daran entwickelte sich die wohl wichtigste christliche Kultform, das gemeinsame Abendmahl der Gläubigen, das die Katholiken Eucharistie nennen.

Der Mainstream beider Konfessionen stimmt darin überein, dass Jesus beim Abendmahl im Brot leibhaftig anwesend ist.

Die beiden entscheidenden Unterschiede sind: Nach katholischer Auffassung ist Jesus auch über den Moment der Feier hinaus gegenwärtig.

Griechisch-orthodoxer Priester während der Corona-Pandemie, der die heilige Kommunion während der Sonntagsmesse in einer Kirche mit einem Löffel verteilt, der traditionell gemeinsam für alle Gläubigen des Gottesdienstes genutzt wird. © Quelle: Giannis Papanikos/AP/dpa

Der zweite und heute wahrscheinlich entscheidendere Unterschied ist die Amtsfrage: In der katholischen Kirche darf die Eucharistie nur vom Priester zelebriert werden.

Die Heiligen

Die Katholiken verehren zahllose Heilige, zum Beispiel den Heiligen Nikolaus oder St. Martin.

Die Protestanten laufen vielleicht auch im Martinszug mit, aber die Heiligen sind bei ihnen offiziell abgeschafft. Für Luther und den etwas späteren französischen Reformator Johannes Calvin war das alles nur unnötiger Schnickschnack, der die Gläubigen vom Wesentlichen ablenkte: davon, was Jesus wirklich gesagt hat.

Die radikalsten Protestanten gingen im 16. Jahrhundert sogar so weit, dass sie alle Gemälde und Skulpturen in den Kirchen zerstörten - vergleichbar mit der Vernichtung antiker Kultstätten in Palmyra durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS).

Das Menschenbild

Dieser Punkt war im 16. Jahrhundert der entscheidende Grund für die Kirchenspaltung.

Die katholische Kirche lehrte, dass sich der Mensch durch gute Taten - etwa Spenden für den Kirchenbau - einen Platz im Himmel gleichsam erkaufen kann.

Dagegen stellten Luther und vor allem der noch radikalere Reformator Calvin die Auffassung, dass es eigentlich kein Mensch verdient hat, in den Himmel zu kommen. Gott macht aber bei einigen eine Ausnahme und nimmt sie doch in sein Reich auf.

Heute haben sich die Positionen in diesem Punkt angenähert.

RND/cle/dpa

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