Nur noch einen Monat durchhalten?

  • Während in Deutschland an Plänen gearbeitet wird, den Lockdown aufzuweichen, hält sich das Coronavirus hartnäckig in der Bevölkerung.
  • Was bedeutet das für dieses Frühjahr?
  • Dass mit den steigenden Temperaturen auch in diesem Jahr die Fallzahlen sinken, ist keineswegs sicher.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

im Frühling wird alles besser, so wie im vergangenen Jahr. Dieser Gedanke dürfte manch einem durch die dunkle Jahreszeit geholfen haben.

Entsprechend wohlwollend wurden gestern bereits die Anzeichen zur Kenntnis genommen, dass dieser Corona-Winter nun allmählich ein Ende findet. Bis zu 20 Grad, Sonnenschein – das macht das Pandemie­dilemma an diesem Wochenende ein Stück weit erträglicher. Wenn die Lage schon verfahren sein muss, dann darf wenigstens das Wetter Milde walten lassen.

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Doch der Frühling verkörpert in dieser Krise noch eine andere Hoffnung. Es ist die Hoffnung auf sinkende Fallzahlen und dadurch auch auf weniger schwere Krankheitsverläufe und Todesopfer in dieser Pandemie. Schaut man sich die Entwicklung der Neuinfektionen im vergangenen Jahr an, dann kam der lindernde Wendepunkt Mitte März – und mit ihm die Aussicht auf Lockerungen und eine Annäherung an normale Verhältnisse bis in den Sommer hinein.

Können nun die Kurven und Diagramme des vergangenen Jahres als Schablone für dieses Jahr herhalten? Reicht es womöglich, nur noch einen Monat durchzuhalten? Zur realistischen Einschätzung der aktuellen Lage gehört auch, die Möglichkeit anzuerkennen, dass es nicht so einfach wird wie erhofft. Der Abwärtstrend bei den Neuinfektionszahlen in Deutschland setzt sich derzeit ebenso langsam fort, wie das Land beim Impfen vorankommt. Am gestrigen Samstag stieg mit dem R-Wert sogar die Kennziffer für die Virusverbreitung pro Person wieder an.

Zwischen Lockdown und Lockerungen

Auch das Virus ist inzwischen nicht mehr, was es einmal war. Es verändert sich, mutiert, könnte sich schneller verbreiten und vielleicht sogar bereits eine dritte Infektionswelle einläuten. „Im April könnte es in Deutschland wieder sehr hohe Fallzahlen geben“, warnt die Mathematik­professorin Anita Schöbel im Interview mit RND-Redakteurin Saskia Bücker. Deutschland befinde sich erneut in einer kritischen Phase, „in der wir aufpassen müssen, nicht sofort wieder zu verlieren, was wir uns erkämpft haben“.

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Während Vertreter aus Wissenschaft, Sport und Kultur einen Stufenplan für die Durchführung von Großveranstaltungen skizzieren, warnt der Verband Bildung und Erziehung (VBE) davor, die Schulen wieder zu öffnen. Wie wird also die Politik auf die aufkommenden Forderungen zu Lockerungen reagieren? Ist Deutschland schon bereit, sich ein Stück weit aus der Winterstarre zu lösen? Oder müssen wir uns weiter in Verzicht üben?

Wenn ja, dann bitte wenigstens in der Sonne.

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Zitat des Tages

Ich spreche so oft das letzte Wort. Jetzt geht dieser Prozess zu Ende – und es kommt der nächste. Und dort werde ich auch das letzte Wort haben. Falls sich jemand entschließen sollte, meine letzten Worte zu veröffentlichen, wird ein dickes Buch dabei herauskommen.

Alexej Nawalny am Samstag vor einem Gericht in Moskau

Leseempfehlungen

­Neben der weltweiten Forschung an Coronaviren und deren Bekämpfung gibt es natürlich viele weitere Felder, auf denen geforscht wird. Doch wegen der Pandemie fallen Forschungsreisen flach, und die Ausfuhr von Funden ist streng verboten, auch für Forschungszwecke. Zwei Wissenschaftler, die derzeit an gefundenen Keramiken in Ägypten forschen, erzählen, wie sich die Corona-Krise auf ihre Arbeit auswirkt – eine Chance auf Abenteuer gibt es zumindest nicht.

2020 fiel das Oktoberfest der Corona-Pandemie zum Opfer, so wie viele andere Großveranstaltungen. Die Branche leidet unter der Pandemie – und auch in diesem Jahr steht die Wiesn unter keinem guten Stern. Und dennoch besteht Hoffnung, dass das größte Volksfest der Welt stattfinden kann. Schließlich ist es noch ein halbes Jahr hin bis zum geplanten Start am 19. September. Wirt Peter Reichert hat mitten in der Krise ein großes Wiesn-Festzelt übernommen – und das in Zeiten, in denen die Gastronomiebranche in großer Not ist. Woher er seine Motivation nimmt, hat er Redakteurin Hannah Scheiwe erklärt.

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Die Ostseeinsel Usedom war auch am sonnigen Samstag wieder Ziel zahlreicher Ausflügler. Doch Tagestourismus ist nur Menschen erlaubt, die im Landkreis leben. Die Polizei hat deshalb Zufahrtsstraßen kontrolliert und 42 Autos abgewiesen, wie die „Ostsee-Zeitung“ berichtet.

Termine des Tages

In der Fußball-Bundesliga nimmt RB Leipzig um 15.30 Uhr im Titelrennen die Verfolgung des FC Bayern München auf. Mit einem Sieg bei Hertha BSC würde das Team von Trainer Julian Nagelsmann bis auf zwei Punkte an die Münchner heranrücken. Bereits um 13.30 Uhr trifft der FC Augsburg auf Bayer Leverkusen, um 18 Uhr gastiert Werder Bremen bei der TSG 1899 Hoffenheim.

Die katholische Reformbewegung Maria 2.0 plant für Sonntag mehrere Aktionen an verschiedenen Orten in Deutschland. Bereits 2019 hatte die Bewegung mit ihrem Frauenstreik die katholische Kirche in Unruhe versetzt. Nun bekommen die Reformerinnen neuen Schwung, was auch am Gegenwind aus dem Vatikan liegt.

Die Innovationskonferenz DLD geht in der Corona-Pandemie ins Netz. Heute ab 15 Uhr beginnt das dreitätige Onlineevent DLD All Stars, das einer digitalen Version der jährlichen Konferenzen in München am nächsten kommt.

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Wir wünschen Ihnen einen sonnigen Tag,

Ihr Nils Oehlschläger

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