Nur jeder Zehnte fährt schneller als 150 km/h

Nur wenige Autofahrer sind Raser. Das zeigt eine lange unter Verschluss gehaltene Studie. Mit den neuen Daten kann nun genauer berechnet werden, welchen ökologischen Effekt ein generelles Tempolimit hätte.

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Berlin. Seit Monaten wird wieder verstärkt über ein Tempolimit gestritten. Viele Autofahrer fürchten eine generelle Begrenzung der Geschwindigkeit auf 130 Stundenkilometern - dabei sind die meisten auf der Autobahn in der Regel ohnehin nicht viel schneller unterwegs. Das geht aus einer lange geheim gehaltenen Studie des Verkehrsministeriums hervor, über den der "Spiegel" berichtet.

Der Untersuchung zufolge fuhr nur jeder dritte Fahrer von Pkw, Motorrädern oder Lieferwagen auf Autobahnabschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung schneller als die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Nur etwa jeder Zehnte fuhr mehr als 150 km/h.

Die Werte wurden 2010 bis 2014 auf etwa 100 repräsentativen Autobahnabschnitten gemessen. Die Geschwindigkeit wurde gemessen, um ermitteln zu können, wie viel Kohlendioxid durch ein Tempolimit eingespart werden könnte. Aussagen dazu trifft die Studie allerdings nicht. Das Umweltbundesamt will nun auf Basis der bekannt gewordenen Daten dazu Erkenntnisse gewinnen, schreibt das Magazin.

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Datenbasis stammt aus dem Jahr 1996

Bisher gebe es nur veraltete und wenig gesicherte Aussagen darüber, wie sehr ein Tempolimit dem Klimaschutz dienen würde. Der ADAC hat errechnet, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Stundenkilometer den Kohlendioxidausstoß auf Autobahnen um neun Prozent senken würde. Bezogen auf den gesamten Straßenverkehr, ergäbe sich so eine Einsparung von drei Prozent. Die zugrunde liegenden Daten stammen allerdings aus dem Jahr 1996.

Trotz der Diskussion um ein Tempolimit hatte das Verkehrsministerium die Studie jahrelang zurückgehalten. Der "Spiegel" musste elfmal beim Ministerium und bei der Bundesanstalt für das Straßenwesen um den Bericht bitten, der bis dahin auch nicht dem Umweltbundesamt übermittelt worden war. Ein Sprecher des Ministeriums teilte mit, man ziehe aus den Daten die Gewissheit, dass "das System der Richtgeschwindigkeit sowie der situativen Geschwindigkeitsbeschränkung" funktioniere.

Von RND/cb

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