Nordkorea provoziert vor Gesprächen mit USA durch Raketentest

  • Gerade erst haben Nordkorea und die USA die Wiederaufnahme von Atomverhandlungen angekündigt.
  • Jetzt testete Pjöngjang eine Rakete, die vor der Küste Japans aufschlug.
  • Möglicherweise wurde sie sogar von einem U-Boot abgefeuert.
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Seoul. Wenige Tage vor der geplanten Wiederaufnahme von diplomatischen Atomgesprächen mit den USA hat Nordkorea erneut einen Raketentest durchgeführt. Der ballistische Flugkörper sei vom Meer aus abgefeuert worden, teilte der südkoreanische Generalstab am Mittwoch mit. Das Militär legte nahe, dass Nordkorea die Rakete von einem U-Boot aus gestartet haben könnte. Offiziell bestätigt wurde das aber zunächst nicht. Das US-Außenministerium forderte Pjöngjang auf, Provokationen zu unterlassen.

Japan teilte mit, das Geschoss sei in der Ausschließlichen Wirtschaftszone Japans vor der Küste ins Meer gestürzt. Damit wäre sie dem Land so nahe gekommen wie seit November 2017 keine nordkoreanische Rakete mehr. Ministerpräsident Shinzo Abe sagte, der Test verstoße gegen UN-Resolutionen gegen Nordkorea. "Wir werden weiterhin mit den USA und der internationalen Gemeinschaft kooperieren und das Äußerste tun, um die Sicherheit der Menschen zu bewahren und schützen", sagte Abe.

Laut Südkoreas Generalstab flog die Rakete etwa 450 Kilometer weit in einer maximalen Höhe von 910 Kilometern, bevor sie zwischen der koreanischen Halbinsel und Japan auf dem Meer aufschlug. Südkoreanische und US-Experten analysierten weitere Details, hieß es am Mittwoch. Erste Berichte, wonach eine zweite Rakete abgefeuert wurde, zog Südkorea zurück.

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Rakete möglicherweise von U-Boot abgefeuert

Theoretisch hätte sie auch von einer Plattform im Meer oder einem Schiff abgefeuert worden sein können, doch bei einer Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrats Südkoreas wurde nach Angaben des Präsidialamtes vor allem die Möglichkeit eines Starts von einem U-Boot aus diskutiert. Diese Art von Raketen sind im Vorfeld schwieriger zu entdecken. Einigen Beobachtern zufolge könnte Nordkorea versuchen, vor den US-Gesprächen auf Arbeitsebene am Wochenende den Druck zu erhöhen.

2016 hatte Pjöngjang von einer Plattform unter Wasser aus eine Rakete vom Typ Pukguksong abgefeuert, die nach Darstellung Pjöngjangs Teil einer zukünftigen U-Boot-Bewaffnung sein sollte. Im Juli hatte die nordkoreanische Nachrichtenagentur Fotos eines neuen U-Boots veröffentlicht, das offenbar mehrere Abschussrohre für Raketen hat. Schätzungen von Experten zufolge können weitere 70 nordkoreanische U-Boote Torpedos abfeuern, aber keine Raketen.

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Nordkorea beklagt südkoreanischen Kampfjet-Kauf

Es war der neunte Raketentest Nordkoreas seit Ende Juli. Neben einer Demonstration der militärischen Fähigkeiten könnte die Führung in Pjöngjang damit auch ihr Missfallen über den jüngsten südkoreanischen Kauf amerikanischer F-35-Kampfjets zum Ausdruck gebracht haben, die am Dienstag zum ersten Mal im Rahmen einer Militärparade vorgestellt wurden. Laut Nordkorea verstieß der Kauf gegen kürzlich geschlossene innerkoreanische Abkommen zum Abbau militärischer Spannungen.

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Nur wenige Stunden vor dem Raketentest hatte ein hochrangiger nordkoreanischer Diplomat mitgeteilt, Nordkorea und die USA hätten sich geeinigt, die Atomgespräche mit einem ersten Kontakt am Freitag und Gesprächen auf Arbeitsebene am Samstag wiederaufzunehmen. Bei diesen hat es seit Monaten keine Fortschritte gegeben, nachdem der Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un im Februar in Hanoi gescheitert war. Die USA bestätigten die Gespräche.

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RND/AP