Nordkorea lässt mit neuer U-Boot-Rakete die Muskeln spielen

  • Nordkorea will seine Atomstreitmacht weniger verwundbar machen.
  • Dafür testet es kurz vor neuen Atomgesprächen mit den USA eine Unterwasserrakete.
  • Das Regime demonstriert mit dem Test seine technologischer Kompetenz.
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Seoul/Tokio. Nordkorea hat eine neue U-Boot-Rakete getestet und damit den Druck auf die US-Regierung vor der Wiederaufnahme von Atomgesprächen verstärkt. Der Test einer neuartigen ballistischen U-Boot-Rakete (SLBM) vom Typ Pukguksong-3, die am Mittwoch vor der Ostküste gestartet sei, sei erfolgreich verlaufen, berichteten die Staatsmedien am Donnerstag. Das Land habe damit seine militärische Schlagkraft erhöht. Das US-Außenministerium und die EU appellierten an Nordkorea, auf Provokationen zu verzichten.

Nach Angaben von Experten handelte es sich um eine Rakete mit der größten Reichweite, die Nordkorea seit November 2018 erprobt hat. Das sei "unzweifelhaft der erste Test einer atomwaffenfähigen Rakete seit November 2017", schrieb der Sicherheitsexperte der Föderation amerikanischer Wissenschaftler, Ankit Panda, auf Twitter.

Mit dem Test demonstriert Nordkorea vor den neuen Atomgesprächen, die mit den USA am Samstag auf Expertenebene beginnen sollen, Stärke. Raketen, die von einem U-Boot aus abgefeuert werden, sind schwerer vom Gegner zu entdecken und zu zerstören als solche, die von mobilen Abschussrampen oder festen Silos am Land gestartet werden.

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Japans Regierungschef Shinzo Abe warf Nordkorea vor, gegen UN-Resolutionen verstoßen zu haben, die dem isolierten Land den Test ballistischer Raketen verbieten. Solche Raketen können in der Regel Atomsprengköpfe befördern und sind damit Massenvernichtungswaffen.

Südkorea und Japan hatten am Mittwoch mitgeteilt, dass Nordkorea erneut eine ballistische Rakete in Richtung Japanisches Meer (koreanisch: Ostmeer) abgefeuert habe. Südkoreas Militär ging vom Test einer U-Boot-gestützten Rakete aus. Sie sei bei einer Flughöhe von maximal 910 Kilometern etwa 450 Kilometer weit geflogen. Bei kleinerem Winkel wäre sie weiter geflogen.

Wurde die Rakete wirklich von einem U-Boot abgefeuert?

Nordkoreas Staatsagentur KCNA zeigte Bilder von einer Rakete, die senkrecht aus dem Wasser emporschießt. Es ging nicht daraus hervor, ob die Rakete von einem U-Boot aus gestartet wurde. Ein Schleppschiff in der Nähe deute darauf hin, dass eine "tauchfähige Startplattform" für den SLBM-Test benutzt worden sei, schrieb Sicherheitsexperte Panda.

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Sowohl Washington als auch Brüssel forderten, Pjöngjang müsse sich an seine Verpflichtungen aus UN-Sicherheitsresolutionen halten. Zudem appellierten sie an Nordkorea, sich weiter in Verhandlungen für Frieden und Stabilität sowie für die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel zu engagieren.

Nordkorea entwickelt seit vielen Jahren verschiedene Raketentypen, die vom Land oder vom Wasser aus gestartet werden können. Die Führung in Pjöngjang hatte im Mai 2015 erklärt, das Land habe erstmals von einem U-Boot eine Rakete abgefeuert. Die Angaben wurden damals im Ausland angezweifelt. Etwa ein Jahr später testete Nordkorea eine neue SLBM-Rakete, bei dem der Flugkörper etwa 500 Kilometer weit flog.

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Der südkoreanische Generalstab rief Pjöngjang auf, alles zu unterlassen, was neue Spannungen auf der koreanischen Halbinsel schüren könne. Wenige Stunden vor dem Raketenstart hatte Südkorea erstmals öffentlich einige der 40 in den USA gekauften Kampfflugzeuge des Typs F-35 gezeigt, die als modernste der Welt gelten. Nordkorea kritisiert massiv die Beschaffung der Tarnkappenjets.

Die neuen Arbeitsgespräche zwischen Nordkorea und den USA sollten nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap vermutlich wieder in Schweden stattfinden. Nordkoreas Atomunterhändler Kim Myong Gil sei am Donnerstag in Peking eingetroffen. Es sei bestätigt worden, dass seine Delegation Tickets für den Weiterflug nach Stockholm gebucht habe. Weil die USA "ein neues Signal" ausgesandt hätten, sei er optimistisch, wurde Kim zitiert. Was er mit dem Signal meinte, führte Kim nicht weiter aus.

Das Außenministerium in Stockholm wollte die Berichte über ein Treffen in Schweden zunächst nicht bestätigen. "Wir haben die Medienberichte zur Kenntnis genommen, kommentieren das aber nicht", sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Das US-Außenministerium hat den Treffpunkt bisher ebenfalls nicht bestätigt.

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RND/dpa