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Gazprom: Umstrittene Ostseepipeline ist fertig

  • Die Pipeline Nord Stream 2 ist höchst umstritten.
  • Am Freitagmorgen ist sie nun fertiggestellt worden.
  • Eine neue Bundesregierung mit Beteiligung der Grünen könnte aber neue Probleme für Gazprom bedeuten.
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Moskau. Die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 ist nach Angaben des russischen Gaskonzerns Gazprom fertiggestellt. Am Freitagmorgen sei der Bau von Nord Stream 2 abgeschlossen worden, teilte Gazprom-Chef Alexej Miller der Staatsagentur Tass zufolge mit.

Am 6. September sei das letzte Rohr verlegt worden. Danach hätten noch einzelne Abschnitte der Leitung miteinander verbunden werden müssen; diese Arbeiten seien nun abgeschlossen, hieß es.

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Für Nord Stream 2 ist das mit mehr als anderthalbjähriger Verzögerung ein Durchbruch.

Vor allem der Widerstand der USA, die Sanktionen gegen die Leitung androhten und auch verhängten, verzögerte den Bau, der Ende 2019 hatte beendet werden sollen. Die Bauarbeiten für Nord Stream 2 hatten 2018 begonnen. Die Leitung soll künftig 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr von Russland durch die Ostsee nach Deutschland liefern. Damit können nach Angaben der Betreibergesellschaft 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

10 Milliarden Euro Baukosten

Die Baukosten der 1230 Kilometer langen Pipeline, die zwei Stränge hat, werden mit mehr als 10 Milliarden Euro angegeben. Die Leitung wurde je zur Hälfte vom russischen Energieriesen Gazprom und den fünf europäischen Unternehmen OMV, Wintershall Dea, Engie, Uniper und Shell finanziert.

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Vor Rügen wurden 2018 Rohre für die Nord Stream 2 verlegt. © Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Noch in diesem Jahr will Gazprom 5,6 Milliarden Kubikmeter Gas durch die Leitung pumpen, wie das Unternehmen unlängst mitgeteilt hatte. Nord Stream 2 verläuft von Wyborg in Russland durch die Ostsee bis nach Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern.

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Das Projekt ist umstritten. Die US-Regierung kritisiert, Europa mache sich dadurch bei der Energieversorgung zu stark von Russland abhängig. Eine deutsch-amerikanische Vereinbarung sieht vor, dass Russland mit Sanktionen belegt wird, sollte die Pipeline als geopolitische „Waffe“ genutzt werden.

Ein Triumph für Putin?

Auf die Frage, ob dies nun ein großer Triumph für Putin sei – nach dem erbitterten Widerstand der USA, der Ukraine und anderer Staaten gegen die Pipeline – sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow: „Wenn Nord Stream 2 in Betrieb geht, dann sind die Energielieferanten ebenso die Gewinner wie die Verbraucher. Also alle.“

Für die Inbetriebnahme ist noch eine Zertifizierung durch die deutschen Behörden notwendig. Wann die Starterlaubnis vorliegt, ist nicht klar. „Wir sind alle interessiert daran, dass das möglichst schnell passiert“, sagte Peskow. Erwartet wird, dass der russische Gasmonopolist Gazprom im Oktober das erste Erdgas durch die neue Pipeline nach Deutschland liefert und dafür zunächst den Strang nutzt, der bereits im Juni fertig verlegt wurde.

Moskau sieht die Fertigstellung der Leitung als gute Nachricht vor den Parlamentswahlen in Russland am 19. September und eine Woche später in Deutschland. Auch die Bundesregierung hielt trotz aller Kritik stets fest an dem Projekt, das Investoren mehr als zehn Milliarden Euro gekostet hat. Allerdings ist in Moskau mit Blick auf die nächste Bundesregierung auch die Sorge groß, dass es für die etwa von den Grünen abgelehnte Leitung neue Probleme geben könnte.

Russland hatte Nord Stream 1 und nun auch Nord Stream 2 gebaut, um unabhängiger zu werden von dem lange Zeit wichtigsten Transitland Ukraine für die Erdgaslieferungen nach Europa. Die beiden Länder sind tief zerstritten. Zudem kritisiert Moskau, dass Kiew nichts tue, um die maroden Leitungen des Transitnetzes im eigenen Land zu sanieren.

Umstrittenes Projekt: Mitglieder von Fridays for Future protestieren mit einer symbolischen Rohrleitung gegen den Weiterbau der Gaspipeline Nord Stream 2. © Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dp

Die finanzschwache Ukraine wiederum ist dringend auf die Milliardeneinnahmen aus den Durchleitungsgebühren für den Gastransit angewiesen. Sie fürchtet Verluste und hofft auf Deutschlands Unterstützung, um auch künftig noch eine Rolle zu spielen als Transitland. Der aktuelle Vertrag über die Durchleitung von russischem Gas nach Europa läuft 2024 aus. Die Ukraine will ihn unter deutscher Vermittlung verlängern.

Allerdings hatte der russische Präsident Wladimir Putin immer wieder gesagt, dass der künftige Gastransit über die Ukraine abhängig sei von der Nachfrage auf dem europäischen Energiemarkt. Er betonte auch, dass Russland nicht zuständig sei für den ukrainischen Staatshaushalt.

RND/dpa

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