Nord Stream 2: Am Ende guckt Berlin in die Röhre

  • Am Rande des Nato-Treffens in Brüssel ging es auch um die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2.
  • US-Außenminister Blinken machte seinem Amtskollegen Maas klar, das Projekt müsse gestoppt werden.
  • Inzwischen sitzt die Bundesregierung zwischen allen Stühlen, kommentiert Jan Emendörfer.
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Berlin. „Very good exchange“ twitterte das Auswärtige Amt zu einem Foto mit US-Außenminister Antony Blinken und seinem deutschen Amtskollegen Heiko Maas am Rande des Nato-Treffens in Brüssel. Dass es tatsächlich in Gänze ein „sehr guter Austausch“ war, darf bezweifelt werden. Denn nach allem, was überliefert ist, hat Blinken Maas am Dienstagabend glashart die Meinung gegeigt und aufgefordert, das Projekt Nord Stream 2 endlich zu beendeten. Blinken forderte nicht nur einen ultimativen Baustopp für die Ostsee-Pipeline, die russisches Erdgas nach Deutschland bringen soll, er schloss auch weitere US-Sanktionen in der Sache nicht aus.

Seit 2019 erzeugen die Amerikaner massiv Druck auf die Pipeline und haben damit eine große Verzögerung des 8-Milliarden-Euro Projekts erwirkt. Inzwischen hat sich in Europa eine breite Allianz der Gegner gebildet, die von Polen über das Baltikum bis in die Ukraine reicht. Während die Amerikaner vor allem mit einer energiewirtschaftlichen Abhängigkeit von den Russen argumentieren, sagen die Polen und Ukrainer, man dürfe Wladimir Putin mit dem Gasgeschäft nicht noch mehr Geld in die Rüstungskasse spülen.

An all den Argumenten ist etwa dran, und zugleich hinken sie auch alle. Wenn man beispielsweise kein Geld mehr geben will, dann muss man ein totales Import-Embargo verhängen, denn schon jetzt bezieht die EU über Deutschland jährlich Zehntausende Kubikmeter Gas aus Russland – über Nord Stream 1 und über den Landweg. Das sind schlicht internationale Handelsbeziehungen.

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Die neue Pipeline ist fast fertig, doch auf den letzten Metern gerät die Bundesregierung als Befürworterin derart unter Druck, dass sie Gefahr läuft, es sich mit allen zu verscherzen – mit den Amerikanern, Polen und Ukrainern. Und am Ende auch noch mit den Russen. „Very good exchange“.

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