Nobelpreis ist wichtige Rückendeckung für Äthiopiens Premier

  • Abiy Ahmed, Ministerpräsident von Äthiopien, soll an diesem Dienstag den Friedensnobelpreis erhalten.
  • Die Ehrung ist vor allem eine Wette auf die Zukunft.
  • Abiy Ahmed steht innenpolitisch vor gewaltigen Bewährungsproben, kommentiert Rasmus Buchsteiner.
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Berlin. Der Friedensschluss mit dem Nachbarland Eritrea ist eine seiner bislang größten Leistungen. Und es ist gut, dass sie international gewürdigt wird. Der Friedensnobelpreis, den Äthiopiens Premier Abiy Ahmed an diesem Dienstag in Oslo verliehen bekommt, ist jedoch vor allem eine Wette auf die Zukunft. Dem Komitee ging es darum, einem Regierungschef den Rücken zu stärken, der noch viel Frieden bringen kann.

Innerhalb kürzester Zeit hat der 43-Jährige in seinem Land eine Reformdynamik entfacht, die in Afrika ihresgleichen sucht. Äthiopien ist dabei, sich von einem Sorgenkind des Kontinents zu einer aufstrebenden Nation zu entwickeln und dabei auch wirtschaftlich Boden gutzumachen.

Massive Widerstände

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Man muss das allerdings alles im Verhältnis sehen. Weder ist Äthiopien über Nacht zum Musterland der parlamentarischen Demokratie in Afrika geworden, noch wäre plötzlich Wohlstand ausgebrochen, der über eine kleine Elite hinausgehen würde. Allerdings ist Äthiopien auf einem guten Weg. Auch deshalb macht sich gerade in diesen Wochen eine Delegation aus Europa nach der anderen auf nach Addis Abeba.

Die ermutigenden Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit werden jedoch von vielen Fragezeichen begleitet. Der Öffnungskurs von Abiy Ahmed und sein Versuch, die Dominanz der Ethnien zu brechen und im Vielvölkerstaat Äthiopien so etwas wie ein übergeordnetes nationales Interesse zu definieren, stoßen zunehmend auf massive Widerstände in Verwaltung und etablierten Parteien.

Die Sicherheitslage im Land ist angespannt. Es ist damit zu rechnen, dass weitere Regionen aufbegehren und zumindest erwägen, den Weg in die Unabhängigkeit zu gehen. Dass inzwischen immer häufiger Parallelen zum auseinandergebrochenen Jugoslawien gezogen werden, kann da kaum verwundern. Wie viel Format dieser Friedensnobelpreisträger wirklich hat, wird sich relativ rasch zeigen. Abiy Ahmed steht vor großen Bewährungsproben.