Brexit und kein Ende: Boris Johnson hat die EU zermürbt

  • In zweieinhalb Monaten scheidet Großbritannien aus dem europäischen Binnenmarkt aus – egal, ob mit oder ohne Brexit-Abkommen.
  • Boris Johnson hat es geschafft, der Europäischen Union ihre eigene Hilflosigkeit vor Augen zu führen, kommentiert unser Korrespondent Damir Fras.
  • Die EU sollte darüber nachdenken, ob ein schlechtes Abkommen nicht besser ist als gar keines.
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Brüssel. Die EU-Staats- und Regierungschefs versuchen es mit einem letzten Appell an den gesunden Menschenverstand. Sie haben bei ihrem Gipfeltreffen in Brüssel den britischen Premierminister Boris Johnson aufgefordert, alles zu tun, damit doch noch der Abschluss eines Brexit-Handelsabkommens zwischen der EU und Großbritannien zustande kommt.

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Merkel für Abkommen mit Großbritannien - "Aber nicht um jeden Preis"
1:10 min
Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen trotz des Zeitdrucks weiter ein Abkommen mit Großbritannien erreichen.  © Reuters

Der Appell ist richtig. Doch er ist auch ein Zeichen der Hilflosigkeit. Die EU der 27 hat Johnson nichts mehr entgegenzusetzen. Der Populist hat es geschafft, die Union zu zermürben.

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Corona beschert Großbritannien schwerste Wirtschaftskrise aller Zeiten

Zweieinhalb Monate sind es noch, bis die Scheidung endgültig vollzogen ist und Großbritannien auch aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion ausscheidet. Wenn es bis dahin nicht gelingt, ein Abkommen zu schließen, in dem die zukünftigen Beziehungen zwischen der Insel und dem Kontinent geregelt sind, wird es bitter. Die Corona-Pandemie hat die EU in die schwerste Wirtschaftskrise ihrer Geschichte getrieben. Ein ungeregelter Austritt Großbritanniens wird diese Krise noch verschärfen. Das ist das Letzte, was die EU und Großbritannien jetzt brauchen.

Schlechtes Abkommen besser als No-Deal-Brexit?

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Johnson trüge die Verantwortung für das Chaos. Er hat jedes Vertrauen verspielt. Er will sich nicht einmal an Abmachungen halten, die er vor gerade einmal einem Jahr unterzeichnet hat. Aber was hilft diese Erkenntnis schon? Nichts.

Noch sagt die EU, sie wolle kein Abkommen um jeden Preis. Noch beharrt sie darauf, dass Großbritannien sich verpflichten muss, ein Mindestmaß an Standards einzuhalten – damit der EU-Binnenmarkt geschützt bleibt und damit der Frieden auf der irischen Insel nicht in Gefahr gerät. Doch momentan sieht es nicht danach aus, als könnte diese Taktik den Erfolg bringen. Es wird Zeit, darüber nachzudenken, ob nicht ein schlechtes Abkommen besser ist als gar kein Abkommen.

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