Boris Johnson gibt im Brexit-Streit das Rumpelstilzchen

  • Der britische Premierminister will die Verantwortung für einen möglichen No-Deal-Brexit auf die EU abschieben.
  • Dennoch sollen die Verhandlungen weiterlaufen.
  • Was also soll dieser populistische Theaterdonner, kommentiert Damir Fras.
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Brüssel. Und wieder dieser Theaterdonner, ohne den Boris Johnson offenbar nicht leben kann. Da beschuldigt der britische Premierminister einerseits die EU, gar kein ernsthaftes Interesse an einem Freihandelsabkommen mit seinem Land zu haben. Deswegen werde es wahrscheinlich am 1. Januar zu einem harten No-Deal-Brexit kommen. Doch andererseits lässt sich Johnson eine Hintertür offen. Er will die Gespräche mit der EU nicht vorzeitig beenden. Es könnte ja sein, dass es doch noch klappt mit einem Deal.

Erratischer Politikstil

Das ist ein erratischer Politikstil wie aus dem Lehrbuch für Populisten. Zum Glück hat die EU darauf nüchtern reagiert und das Brexit-Rumpelstilzchen einfach auflaufen lassen. Die Verhandlungen, so die Botschaft aus Brüssel, gehen nächste Woche weiter. Punkt.

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Johnson bereitet Landsleute auf harten Brexit vor
1:08 min
In einem Statement über die Verhandlungen zum Brexit-Abkommen hat der britische Premierminister die EU erneut kritisiert.  © Reuters

Ob etwas Sinnvolles dabei herauskommt, lässt sich noch nicht sagen. Aber ein Abbruch der Verhandlungen zum jetzigen Zeitpunkt wäre ein fatales Signal vor allem an Johnsons Landsleute gewesen. Die wissen längst: Großbritannien kann sich einen No-Deal weniger leisten als die EU. Das Vereinigte Königreich wird auch in Zukunft auf den EU-Binnenmarkt angewiesen sein.

Zeit für Spielchen ist vorbei

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Die Europäer haben sich bereits bewegt. Von der Kommissionspräsidentin über die Bundeskanzlerin bis hin zum französischen Präsidenten haben sie betont, dass sie ein Abkommen wollen.

Zwar nicht um jeden Preis, aber das heißt noch lange nicht, dass die EU so kompromisslos ist, wie Johnson sie seinem Publikum darstellt. Schließlich hat die EU auch viel zu verlieren. Im Gegensatz zu Johnson tut sie jedoch nicht so, als müsste sie diese Binsenweisheit verheimlichen.

Die Zeit für populistische Spielchen ist vorbei. Vielleicht wird es am Ende maximal ein Minimalabkommen geben. Aber selbst das wäre besser als gar kein Vertrag.

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