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Niedriglohnsektor: Für Frauen Sackgasse, für Junge Sprungbrett

  • Geringverdiener in Deutschland haben einer Studie zufolge kaum Chancen, in einen besser bezahlten Job zu wechseln.
  • Jeder zweite von ihnen verharrte auch vier Jahre später noch im Niedriglohn.
  • Zunehmend werden auch qualifizierte Tätigkeiten unterhalb der Niedriglohnschwelle vergütet.
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Gütersloh. Geringverdiener in Deutschland haben einer Studie zufolge kaum Chancen, in einen besser bezahlten Job zu wechseln.

Jeder zweite von ihnen verharrte auch vier Jahre später noch im Niedriglohn, zehn Prozent wurden arbeitslos, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Analyse des Beratungsunternehmens DIW Econ im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ergab. Lediglich 27 Prozent sei der Sprung über die Niedriglohnschwelle gelungen.

Die Analyse stützt sich auf Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP), das auf einer Langzeitbefragung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beruht.

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Die Studie offenbart, dass zunehmend auch qualifizierte Tätigkeiten unterhalb der Niedriglohnschwelle vergütet werden. So sei die Anzahl Niedriglohnbeschäftigter, die Tätigkeiten mit mittleren und hohen Qualifikationsanforderungen ausüben, seit Mitte der 90er Jahre um knapp eine Million Beschäftigte auf über drei Millionen angewachsen. Dies entspreche rund 40 Prozent aller Niedriglohnbeschäftigten.

"Niedrige Löhne dienen nicht mehr dem bloßen Einstieg in den Arbeitsmarkt, sondern sind häufig ein Dauerzustand", sagte der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger. Die Corona-Krise verschärfe die Lage vor allem für Minijobber. "Ohne das Sicherheitsnetz des Kurzarbeitergeldes erleiden sie als erste Einkommenseinbußen oder verlieren ihre Arbeit."

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Rund 7,7 Millionen und damit mehr als ein Fünftel aller abhängig Beschäftigten verdienten demnach 2018 weniger als 11,40 Euro brutto pro Stunde. Ein großer Teil von ihnen sind Minijobber, die mit einem durchschnittlichen Verdienst von 8,40 Euro weniger als den gesetzlichen Mindestlohn (9,35 Euro) erhalten.

Besonders für Arbeitnehmerinnen, die 61 Prozent aller Niedriglohnbeschäftigten ausmachten, entpuppe sich der Minijob als Sackgasse. Während 2018 rund 28 Prozent der erwerbstätigen Frauen zu Niedriglöhnen arbeiteten, taten dies lediglich 16 Prozent der Männer, wie es hieß.

Dagegen könne sich der Niedriglohnsektor für Berufseinsteiger zwischen 18 und 29 Jahren als Sprungbrett erweisen, hieß es. Zuletzt überwand laut Studie jeder dritte von ihnen innerhalb von vier Jahren die Niedriglohnschwelle, bei den über 50-Jährigen schaffte es nur jeder fünfte.

Um den wachsenden Niedriglohnsektor zu stoppen, plädieren die Studienautoren von DIW Econ für Reformen. Als Option schlagen sie etwa vor, die Schwelle für Minijobs von 450 Euro abzusenken, so dass Beschäftigte beispielsweise bereits ab 250 Euro Sozialversicherungsbeiträge abführen müssen.

RND/cle/epd

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