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Nicaragua: Das Ende eines revolutionären Traums

  • Die sandinistische Revolution Ende der 70er Jahre in Nicaragua galt als Gegenentwurf zu einem kalten kapitalistischen System.
  • Doch in dem mittelamerikanischen Land lässt Diktator Ortega seine Rivalen und sogar ehemalige Mitstreiter verhaften.
  • Nicht nur die Ex-Guerilleros fühlen sich an dunkle Zeiten erinnert.
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Managua. Es gab mal eine Zeit in Deutschland, da wurde in den Kirchen und auf Pfarrfesten für Nicaragua gesammelt. Für die christlichen Basisgemeinden, für den anti-imperalistischen Kampf gegen die USA, die nichts unversucht ließen, die Rebellen auf legale wie auf illegale Weise in Managua wieder zu entmachten, für eine neue Form der Demokratie und des Zusammenlebens.

Die sandinistische Revolution 1979 aus dem mittelamerikanischen Land galt als Gegenentwurf zu einem kalten kapitalistischen System. Die grüne Partei-Legende Petra Kelly reiste nach Nicaragua, um dort bei der Kaffeeernte zu helfen, Befreiungstheologinnen und -theologen begeisterten sich für den Dichter, Vatikan-Kritiker und Kulturminister Ernesto Cardenal (1925 – 2020).

Machthaber Ortega lässt prominente Mitstreiter verhaften

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Geblieben ist davon heute nichts mehr. Aus der Befreiungsbewegung wurde ein neuer brutaler Familienclan. Jetzt ließ Machthaber Daniel Ortega sogar prominente Mitstreiter von damals verhaften, darunter Ex-Vizepräsident Hugo Torres und sowie die Ex-Guerilla-Kämpferin Dora María Téllez, eine Ikone der Revolution.

„Ich bin jetzt 73. Niemals hätte ich gedacht, dass ich in dieser Etappe meines Lebens noch einmal gegen eine neue Diktatur kämpfen muss“, sagte Torres vor seiner Verhaftung entrüstet. Er hatte sie offenbar vorausgeahnt und eine Videoaufzeichnung angefertigt. Torres selbst riskierte einst sein Leben für Ortega, um diesen aus dem Gefängnis zu holen.

Zuvor war eine „Nacht des Terrors“ durch Nicaragua gegangen, wie die regierungskritische Zeitung „La Prensa“ schrieb. Die Justiz verhaftete mit Cristina Chamorro, Tochter von Nicaraguas ehemaliger Präsidentin Violeta Barrios de Chamorro (1990 – 1997), Felix Maradiaga, Arturo Cruz und Juan Sebastian Chamorro gleich vier prominente Oppositionspolitiker, die Ortega bei den Wahlen im November gefährlich werden könnten.

2018 kam es zum Bruch mit dem nicaraguanischen Volk

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Endgültig kam es 2018 zum Bruch zwischen dem nicaraguanischen Volk und seinen ehemaligen Befreiern. Präsident Daniel Ortega, seine Ehefrau und Vizepräsidentin Rosario Murillo sowie seine Kinder, die strategisch wichtige Unternehmen im Land und die sandinistische Regierungspartei kontrollieren, sind selbst zu einem Diktatorenclan geworden wie einst die brutale Somoza-Familie, die durch die Sandinisten besiegt wurde.

Es begann im Frühjahr 2018 mit einem Studentenprotest gegen die offenbar von der Regierung mutwillig herbeigeführte Brandrodung in einem ökologischen wertvollen Nationalpark. Doch als Ortega die jungen Umweltschützer erst verprügeln und dann auch niederschießen ließ, rebellierte auch der Rest der Gesellschaft. Seitdem sind rund 400 Menschen getötet worden, sitzen politische Häftlinge in den Gefängnissen, kann sich der Ortega-Clan nur noch mit Gewalt und Repression an der Macht halten.

Nicht einmal die letzte Ruhe von Ernesto Cardenal, der sich in den letzten Jahren offen gegen das Regime stellte, respektierten Ortegas Chargen. Im letzten Jahr beschimpften einige offenbar von der Regierung bezahlte Randalierer die Gäste der Trauerfeier. Mit Cardenal war ohnehin der wahre Geist der Revolution gestorben.

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