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Bürgermeisterkür in New York: Ein Mann für Recht und Ordnung

  • Die Demokraten in New York nominieren mit Eric Adams einen gemäßigten, afroamerikanischen Ex-Polizisten für das Bürgermeisteramt.
  • Er verspricht einen entschlossenen Kampf gegen die zunehmende Gewalt – und gegen diskriminierende Polizeipraktiken.
  • Für die Linken ist das Ergebnis der Kandidatenkür eine herbe Enttäuschung.
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New York. Seine Biographie ist sein stärkstes politisches Pfund: Eric Adams wuchs als Schwarzer in ärmlichen Verhältnissen in Brooklyn und Queens auf. Nachdem er mit 15 Jahren im Polizeigewahrsam von weißen Cops geschlagen wurde, entschied er sich, selbst zur Polizei zu gehen.

Zwei Jahrzehnte lang trug er die Uniform, bevor er Bezirksbürgermeister von Brooklyn wurde. „In der Bibel steht: ‚Gott hat mich für eine Zeit wie diese geschaffen‘“, warb er selbstbewusst im Wahlkampf: Seine Erfahrung befähige ihn, gleichermaßen für das Gesetz und gegen diskriminierende Polizeipraktiken einzutreten.

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Die Mehrheit der Demokraten in New York hat diese Argumentation offenbar überzeugt. Zwar sind die rund eine Million Stimmen der innerparteilichen Kandidatenkür für den Bürgermeisterposten auch zwei Wochen nach dem Wahltag immer noch nicht endgültig ausgezählt.

Doch die gewöhnlich verlässlichen Datenexperten der Nachrichtenagentur AP sind überzeugt: Der Sieg ist Adams nicht mehr zu nehmen. Weil die Republikaner in der Stadt praktisch keine Rolle spielen, steht damit so gut wie fest, dass der 60-Jährige im November zum neuen Bürgermeister der Millionenmetropole gekürt wird.

Der Amtsinhaber gilt als „Katastrophe“

Das Ergebnis einer turbulenten Kandidatenkür in der größten Stadt des Landes dürfte die US-Demokraten bundesweit beschäftigen. Als Nachfolger des derzeitigen linken Amtsinhabers Bill de Blasio, der nach acht Jahren nicht mehr antreten darf und von der New York Times in einem Leitartikel als „Katastrophe in fast jeder Hinsicht“ bewertet wurde, setzte sich nämlich ein gemäßigter Bewerber durch, der die von der Black-Lives-Matter-Bewegung erhobene Forderung nach einer Verkleinerung der Polizei ablehnt.

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Die von der linken Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez unterstützte progressive Kandidatin Maya Wiley landete nur auf dem dritten Platz.

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Im Mittelpunkt des Wahlkampfes hatten der wirtschaftliche Wiederaufstieg New Yorks aus den Verwüstungen der Corona-Pandemie und die Bekämpfung der langjährigen sozialen und ethnischen Spaltung gestanden, die durch die Gesundheitskrise noch verstärkt wurden.

Doch mit der deutlichen Zunahme von Schießereien und Morden vor allem in nicht weißen Vierteln während der vergangenen Monate rückte die öffentliche Sicherheit immer stärker in den Fokus. Der Ex-Polizist Adams versprach, entschlossen gegen Gewalt vorzugehen, ohne die Rechte von Minderheiten zu verletzen.

Von der Pandemie in Mitleidenschaft gezogen: Vor allem im Herzen von Manhattan haben viele Geschäfte geschlossen. © Quelle: Karl Doemens

Ursprünglich hatten sich 13 Frauen und Männer – darunter auch der Unternehmer Andrew Yang, der in den Umfragen lange vorne lag, nun aber auf Platz vier landete – für den Posten des demokratischen Bürgermeisterkandidaten beworben. Die Auswahl galt von Anfang an als kompliziert, da die Bürger erstmals neben ihrem Favoriten auf dem Wahlzettel noch vier weitere Namen ankreuzen konnten.

Weil in der ersten Runde kein Bewerber die absolute Mehrheit erreichen konnte, wurden die Stimmen der schwächsten Kandidaten sukzessive entsprechend den Präferenzen auf die Mitbewerber verteilt. Als dann die Wahlkommission in der vorigen Woche ein Zwischenergebnis veröffentlichte, bei dem irrtümlich 135.000 Teststimmen mitgezählt worden waren, schien das Chaos perfekt.

Kühlschrankinspektion beim Kandidaten

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Die desaströse Auszählung passt zu den inhaltlichen Turbulenzen der Kandidatenkür. Ein Bewerber sah sich mit sexuellen Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. Andrew Yang, der als Sohn taiwanesischer Einwanderer geboren wurde, musste sich von Adams des Rassismus bezichtigen lassen.

Adams selbst geriet wegen finanzieller Verbindungen zu Immobilieninvestoren und mangelnder Transparenz bei seinen Vermögensverhältnissen in die Kritik. Am Ende führte er Reporter durch ein Apartment in Brooklyn und ließ sie dessen Kühlschrank inspizieren, um zu beweisen, dass er dort und nicht auf der anderen Seite des Hudson-Flusses in New Jersey lebt.

An Durchhaltekraft und eisernem Willen für den neuen Job als Bürgermeister scheint es dem 60-Jährigen jedenfalls nicht zu fehlen. Nachdem bei ihm eine Diabetes diagnostiziert worden war, stieg Adams 2016 auf eine radikale vegane Diät mit viel Sport um. So machte er angeblich nicht nur die Erkrankung rückgängig, sondern verlor in wenigen Monaten fast 14 Kilogramm Gewicht.

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