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Wer beerbt Mario Draghi?

Alte Bekannte und neue rechtsextreme Kräfte: Diese Köpfe wollen Italien führen

Wer wird Italiens neuer Regierungschef?

Wer wird Italiens neuer Regierungschef?

Italien steckt in einer Regierungskrise: Premierminister Mario Draghi ist zurückgetreten, im September wählt das Land ein neues Parlament. Fünf Politiker aus fünf Parteien rechnen sich Chancen aus, Draghi als Ministerpräsidenten zu beerben. Die aussichtsreichsten Kandidatinnen und Kandidaten im Kurzporträt:

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Giorgia Meloni: die Knallharte

Giorgia Meloni, Chefin der rechtsextremen Partei Fratelli d’Italia, bei einer Medienveranstaltung für führende Politiker der rechten Mitte.

Giorgia Meloni, Chefin der rechtsextremen Partei Fratelli d’Italia, bei einer Medienveranstaltung für führende Politiker der rechten Mitte.

Giorgia Meloni, Chefin der postfaschistischen Fratelli d‘Italia, hat derzeit die besten Karten, Nachfolgerin von Mario Draghi als Regierungschef zu werden. Einen wichtigen Etappensieg auf dem Weg in den Regierungspalazzo Chigi hat die 45-jährige Römerin bereits errungen: Sie konnte ihre beiden Alliierten, Lega-Chef Salvini und Ex-Premier Berlusconi, auf die Zusage festnageln, dass eine alte Regel der Rechtsallianz auch diesmal gilt: Wer bei den Wahlen die meisten Stimmen macht, schlägt Staatspräsident Sergio Mattarella danach den Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vor. Ober eben die Kandidatin. Am Ziel ist Meloni damit noch nicht. „Pass auf, Salvini und Berlusconi werden dich noch hereinlegen“, prophezeit ihr der mit allen Wassern gewaschene Christdemokrat und Ex-Justizminister Clemente Mastella.

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Und selbst wenn sie ihre beiden Verbündeten in Schach halten wird – da wäre ja immer noch Mattarella. Und dieser wird wohl nichts unversucht lassen, um zu verhindern, dass hundert Jahre nach der Machtergreifung des faschistischen Diktators Mussolini eine Postfaschistin in den Palazzo Chigi einzieht. Der Weg ist also noch lang. Aber Meloni gilt als „tosta“ – als knallhart und entschlossen.

Matteo Salvini: der Bluffer

Der Chef der rechter Lega und ehemalige Innenminister Matteo Salvini spricht mit Journalisten.

Der Chef der rechter Lega und ehemalige Innenminister Matteo Salvini spricht mit Journalisten.

Der Rechtspopulist Matteo Salvini hat zusammen mit den beiden anderen Populisten der italienischen Politik, den Ex-Premiers Berlusconi und Giuseppe Conte, Mario Draghi gestürzt. Das Kalkül des 49-jährigen Lega-Chefs: Ohne Regierungsverantwortung kann er nun nach Herzenslust Wahlkampf betreiben, und er hofft, auf diese Weise den stetig wachsenden Rückstand auf seine Rivalin Meloni zu verringern und sie schließlich noch zu überflügeln. „Die Lega wird siegen“, verkündet Salvini vollmundig. Bisher ein reiner Bluff: Der Sturz Draghis hat ihm und seiner Partei nur geschadet – die Lega verliert weiter an Zustimmung.

Silvio Berlusconi: der Möchtegernpräsident

War bereits italienischer Ministerpräsident: Silvio Berlusconi.

War bereits italienischer Ministerpräsident: Silvio Berlusconi.

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Silvio Berlusconi, vierfacher früherer Regierungschef und vorbestraft wegen Steuerbetrugs, hätte eigentlich dieses Jahr Staatspräsident werden wollen. Der Traum des 85-jährigen Mailänder Multimilliardärs platzte – jetzt möchte er wenigstens Präsident des Senats werden, für den er kandidiert. Das Amt sei ihm von Salvini und Meloni versprochen worden im Gegenzug dazu, dass er mithilft, Draghi abzuservieren. So pfeifen es zumindest die Römer Spatzen von den Dächern. Wegen des Deals laufen ihm nun alle halbwegs vernünftigen Mitglieder seiner Forza Italia davon, die mit der Entmachtung Draghis nicht einverstanden waren. Macht nichts: Hauptsache, Präsident.

Giuseppe Conte: der Konkursverwalter

Giuseppe Conte bei einer Pressekonferenz im Palazzo Chigi.

Giuseppe Conte bei einer Pressekonferenz im Palazzo Chigi.

Giuseppe Conte, ehemaliger Regierungschef und heute Anführer der Fünf Sterne, spielt in dem Wahlkampf die Rolle, die dem 57-jährigen Spezialisten für Zivilrecht auf den Leib geschneidert scheint: jene des Konkursverwalters. Und zwar der von ihm angeführten Protestbewegung. Vor fünf Jahren mit 32 Prozent noch stärkste Partei geworden, dürften die Fünf Sterne bei den Wahlen in der politischen Bedeutungslosigkeit versinken. Sie haben es sich mit allen verscherzt: mit den Wählern, aber auch mit möglichen Bündnispartnern. Die Sozialdemokraten, die Conte mit seiner Vorreiterrolle beim Sturz Draghis erzürnt hat, werden den geplanten Wahlpakt mit den Fünf Sternen wohl platzen lassen.

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Enrico Letta: der Unentschiedene

Der ehemalige italienische Premierminister Enrico Letta.

Der ehemalige italienische Premierminister Enrico Letta.

Enrico Letta, von 2013 bis 2014 Premier und dann gestürzt von seinem damaligen Parteifreund Matteo Renzi, hätte allen Grund zur Zufriedenheit: Der von ihm geführte PD liegt mit 23 Prozent gleichauf mit Melonis Fratelli d‘Italia an der Spitze der Umfragen. Der Egomane Renzi kommt mit seiner Minipartei auf zehnmal weniger. Die Umfragewerte nützen dem 55-jährigen Letta aber wenig. Denn wegen des Wahlsystems braucht er Verbündete. Zum Beispiel Renzi. Oder die unzuverlässigen Fünf Sterne. Oder die extreme Linke. Oder die Mitte. Oder am besten alle zusammen. Letta brütet Tag und Nacht über mögliche Konstellationen. Viel Zeit hat er nicht mehr.

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