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Corona-Epizentrum New York: Omikron ist überall – aber auch trotziger Optimismus

  • Mit dramatisch steigenden Fallzahlen entwickelt sich New York erneut zum Epizentrum der Corona-Pandemie.
  • Jeder dritte Rettungssanitäter ist inzwischen infiziert, U-Bahnen fallen aus und Broadway-Shows müssen abgesagt werden.
  • Doch einen neuen Lockdown will nicht nur der neue Bürgermeister Eric Adams unbedingt vermeiden.
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New York. Vielen Besuchern schwante nichts Gutes, als Peter Gelb, der Direktor der New Yorker Metropolitan Opera, am Silvesterabend vor den noch geschlossenen Bühnenvorhang trat. Seit Tagen ist die Millionenmetropole erneut zum Epizentrum der Corona-Pandemie geworden. Mehrere Broadway-Theater mussten wegen der Erkrankung von Künstlern ihre Shows absagen. Auch ob Verdis „Rigoletto“ an der Met tatsächlich Premiere feiern könnte, war länger unsicher.

Doch Gelb konnte das Publikum beruhigen: „Wir haben keine Ausfälle.“ Da brach lauter Applaus auf den voll besetzten Rängen aus. Nur im teuren Parkett waren bei der Galavorstellung einige wenige Plätze frei geblieben. Jeder Besucher musste bei Eintritt einen Impfnachweis vorweisen und drinnen Maske tragen, was tatsächlich befolgt wurde.

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Anders als Rigoletto, der am Ende der Oper als gebrochener Mann von der Bühne geht, will sich New York nicht unterkriegen lassen. „Dies ist eine unglaubliche Stadt“, schwärmte wenige Stunden später Eric Adams. Der neue Schwarze Bürgermeister legte kurz nach dem Jahreswechsel um Mitternacht rund 20 Straßenblocks südlich von der Met, am berühmten Times Square, seinen Amtseid ab. Zur dortigen – grundsätzlich böllerfreien – Silvesterparty waren 15.000 statt der üblichen mehr als 50.000 Zuschauer zugelassen. „Wir werden dem ganzen Land zeigen, wie wir zurückkommen“, verkündete Adams trotzig. Wie sein Vorgänger Bill de Blasio will er einen neuerlichen Lockdown, der viele Selbstständige ihre Existenz kosten könnte, um jeden Preis vermeiden.

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Omikron breitet sich in Deutschland rasant aus – aber niemand weiß, wie groß die Welle schon ist.  © dpa

Widersprüche im Umgang mit dem Virus

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Zum Beginn des neuen Jahres ist die Stimmung in New York von eigenartigen Widersprüchen geprägt. Einerseits meldet die Stadt täglich neue Rekordinfektionszahlen, die sich in den vergangenen zwei Wochen auf zuletzt 35.000 an einem Tag versiebenfacht haben. Nicht nur Broadway-Theater müssen aus Personalmangel Aufführungen absagen. Auch Restaurants müssen schließen, und die U-Bahn kann viele Strecken nur noch unregelmäßig bedienen. Doch gleichzeitig demonstriert die Stadt eine geradezu störrische Entschlossenheit zur Normalität und zu dem Willen, sich von einem Virus nicht das Leben diktieren zu lassen.

Dabei sind die nackten Zahlen schwindelerregend: Mehr als 500.000 neue Covid-Fälle werden in den USA inzwischen täglich gemeldet. Wissenschaftler der Columbia-Universität haben in einem Modell errechnet, dass die Zahl bis Mitte Januar auf 2,5 Millionen hochschießen könnte. In New York kennt praktisch jeder einen Freund oder Kollegen, der an Omikron erkrankt ist. Jeder sechste städtische Feuerwehrmann und jeder dritte Rettungssanitäter ist infiziert. Laut einer Umfrage der Handelskammer von Brooklyn fehlen bei 60 Prozent aller Unternehmen Beschäftigte wegen einer Covid-Infektion.

Drei von vier New Yorkern sind geimpft

Auf der anderen Seite sind 73 Prozent der New Yorker immunisiert. Inzwischen gilt für alle städtischen und privaten Beschäftigten eine Impfpflicht. Wer ein Restaurant oder Konzert besuchen will, muss ab Mitte Januar zusätzlich eine Booster-Spritze nachweisen. Trotz der explodierenden Infektionszahlen scheinen die Krankheitsverläufe bei Omikron meist milder zu sein.

Zwar steigt auch die Bettenbelegung in den Kliniken, sie liegt aber bislang nur halb so hoch wie auf dem Höhepunkt der Pandemie im Frühjahr 2020. Mit zuletzt 80 Toten an einem Tag ist die Opferzahl im Bundesstaat New York dramatisch niedriger als damals, als an einigen Tagen mehr als 1000 Menschen das Leben verloren.

Im Stadtbild von Manhattan fallen vor allem die Covid-Teststationen auf, die nach anfänglichen Engpässen inzwischen an jeder Ecke zu stehen scheinen. Die Schlangen sind kürzer geworden. Es gibt Schnell- und PCR-Tests. Allerdings berichten zahlreiche Infizierte, dass ihre Schnelltests zunächst ein falsch negatives Ergebnis anzeigten. Auf das Laborresultat des PCR-Tests muss man mehrere Tage warten. Angesichts der rasant steigenden Zahlen dürfte also die Unsicherheit wachsen. Immerhin wird die Maskenpflicht in der U-Bahn weitgehend eingehalten. Viele Menschen tragen selbst auf offener Straße einen Mund-Nasen-Schutz.

Freiluftessen auf der Second Avenue

Die Restaurants haben sich schon bei der ersten Corona-Welle auf die schwierige Lage eingestellt und auf den breiten Straßen vielfach hölzerne Verschläge fürs Freiluftessen errichtet. An einem kalten Winterabend an der Second Avenue sitzen überall Gäste unter wärmenden Heizstrahlern draußen. Doch erstaunlich viele wählen auch einen Platz drinnen im Gastraum.

Bei der Heimfahrt muss man länger als üblich auf die U-Bahn warten. „Wir schicken so viel Züge auf die Gleise, wie es mit dem Personal geht, das verfügbar ist“, steht auf der Anzeigetafel. Immerhin kann man sich während der Wartezeit auch in vielen Metro-Stationen testen lassen.

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