Neues von der Corona-Ampel

  • Die Ampelkoalition trifft ihre erste wichtige Entscheidung, bevor es sie überhaupt offiziell gibt.
  • Eine Umfrage macht derweil wenig Hoffnung auf stark steigende Impfquoten.
  • Auch die AfD bleibt ein hoffnungsloser Fall.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wenn die Virologin Sandra Ciesek recht hat, dann werden Sie diesen Newsletter vermutlich nicht bis zum Ende lesen. „Ich habe das Gefühl“, sagte sie in ihrem Corona-Podcast, „dass es im Moment nicht wirklich jemanden mehr interessiert, weil ein ‚Gewohnheitseffekt‘ eingetreten ist.“

Gemeint sind die steigenden Corona-Zahlen. Die steigen wieder stark – so wie es angesichts von Jahreszeit und Impfquoten zu erwarten war. Ein solcher Gewohnheitseffekt drohte schon mehrfach während der Pandemie. Und immer war es zu früh dafür.

Video
Verlängerung keine Option: Ampelparteien präsentieren „Instrumentenkasten“ zum Infektionsschutz
2:56 min
In der Debatte um die künftige Rechtsgrundlage für Corona-Maßnahmen wie Masken- und Kontaktregeln haben SPD, Grüne und FDP gemeinsame Vorschläge vorgelegt.  © Reuters

Während in der Bevölkerung eine gewisse Sorglosigkeit zu beobachten ist, halten die potenziellen Ampelkoalitionäre das Thema für immerhin so wichtig, dass sie sich schon jetzt auf einen wichtigen Punkt geeinigt haben: Die Gültigkeit des Lockdownparagrafen wird nicht verlängert.

Auch das sollten wir aber nicht als Entwarnung verstehen, denn von einem nahenden „Freedom Day“ kann keine Rede sein, wie Tim Szent-Ivanyi und Paul Gross schreiben. Eine Übergangslösung sieht vor, dass Bundesländer weiterhin vergleichsweise milde Schutzmaßnahmen verhängen können, etwa die Maskenpflicht, Abstandsgebote oder Zutritts­beschränkungen wie 2G oder 3G.

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Noch da? Dann interessiert Sie die Pandemie also doch noch. Das ist gut und wichtig.

Wichtig wäre es auch, wenn sich noch mehr Leute impfen lassen würden. Einer aktuellen Umfrage zufolge dürfen wir uns aber nicht mehr allzu große Hoffnungen machen. Die große Mehrheit der Ungeimpften wird sich voraussichtlich nicht mehr davon überzeugen lassen, sich bald gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Das hat die bisher größte Befragung von Ungeimpften ergeben, die von Forsa im Auftrag des Bundesgesundheits­ministeriums durchgeführt wurde. Sie liegt uns vorab vor.

Demnach gaben zwei Drittel (65 Prozent) der rund 3000 Befragten an, sich „auf keinen Fall“ in den nächsten zwei Monaten impfen zu lassen. 23 Prozent tendierten zu „eher nein“. Lediglich 2 Prozent der Befragten wollten sich „auf jeden Fall“ impfen lassen. Die restlichen 10 Prozent zeigten sich unentschlossen oder hielten eine spätere Impfung „eher“ für möglich.

Ob unter den Befragten auch Bundestags­abgeordnete der AfD sind, ist nicht bekannt. Einige der Parlamentarierinnen und Parlamentarier weigern sich beharrlich, ihren Impfstatus preiszugeben, einen Test- oder Genesenennachweis vorzulegen. Im Reichstags­gebäude hat das zur Folge, dass sie wegen der 3G-Regeln auf der Tribüne Platz nehmen müssen. Auf Twitter wird das mit dem Hashtag #deppenloge bezeichnet.

Gewähltere Worte hat unsere Kommentatorin Alisha Mendgen gefunden: „Die Fraktion ist der verlängerte Arm der ,Querdenker‘.“ Für einen Gewohnheits­effekt sollte es auch in dieser Hinsicht zu früh sein.

Zitat des Tages

Sorry für Fehler.

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Christian Palm

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