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  • Neuer Posten für Andrea Nahles: EX-SPD-Chefin ist überqualifiziert

Beruflicher Neustart: Frau Nahles jobbt jetzt unter ihrem Niveau

  • Gut ein Jahr nach ihrem Rücktritt hat die frühere Partei- und Fraktionschefin der SPD einen neunen Job in Aussicht.
  • Andrea Nahles soll Präsidentin des Versorgungsamtes der Post- und Telekombeamten werden.
  • Die Stelle ist gut bezahlt - aber als frühere Bundesministerin ist Nahles eigentlich überqualifiziert für den Posten.
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Berlin. Knapp ein Jahr nach ihrem Rücktritt als Partei- und Fraktionschefin der SPD ist die Phase der beruflichen Neuorientierung für Andrea Nahles abgeschlossen. Die Frau aus der Vulkan-Eifel hat einen neuen Job. Nahles soll Präsidentin der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation mit Sitz in Bonn werden, wie Regierungskreise dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) bestätigten. Zuvor hatte das Journalisten-Startup “The Pioneer” in einem neuen Hauptstadt-Newsletter über die Personalie berichtet.

Die Bundesanstalt für Post und Telekommunikation ist eine Unterbehörde des Bundesfinanzministeriums mit rund 1400 Beschäftigten. Sie kümmert sich um Pensionen, Gesundheitskosten und dienstrechtliche Fragen der Beamten der früheren Staatsunternehmen Bundespost, Telekom und Postbank. Hauptsitz der Behörde ist Bonn, was für Nahles den Vorteil hat, dass sie die Strecke zwischen ihrem Wohnort Weiler in der Eifel und der neuen Dienststätte in einer guten Stunde mit dem Auto zurücklegen kann.

Literaturwissenschaftlerin Nahles hat sich bei der Jobsuche offenbar nicht ganz leicht getan. Die Zahl der Angebote sei überschaubar gewesen, wurde schon seit Längerem in der SPD gemunkelt. Den Job der Behördenleiterin hat sie nicht zuletzt ihrem politischen Weggefährten Olaf Scholz zu verdanken. Der Bundesfinanzminister muss die Personalentscheidung billigen.

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Rund 10.000 Euro Grundgehalt im Monat

Auch der Verwaltungsrat muss noch zustimmen, was aber als Formsache gilt. Laut RND-Informationen soll Nahles eines Fünf-Jahres-Vertrag bekommen, der am 1. August beginnt. Die Stelle wird nach der Beamtenbesoldung mit der Entgeltgruppe B6 vergütet, was einen Grundgehalt von rund 10.000 Euro im Monat entspricht.

Zynisch könnte man sagen, dass die SPD eine ihrer ehemaligen Spitzenkräfte nun bei einem Versorgungsamt versorgt. Und es ist ja in der Tat kein schlechtes Gehalt, das Nahles dort winkt. Allerdings gehört zur Wahrheit auch, dass die 49-Jährige mit ihrer Organisations- und Führungserfahrung im Grunde gandenlos überqualifiziert für den Job ist. Als frühere Arbeitsministerin hätte Nahles durchaus das Rüstzeug für einen Vorstandsposten in einem DAX-Konzern mitgebracht, heißt es in der Hauptstadt.

Nun wechselt die ehemalige Bundesministerin auf einen Posten, der in der Berliner Ministerialbürokratie dem Rang eines Unterabteilungsleiters entspricht. Der bisherige Amtsinhaber ist als Präsident der Generalzolldirektion im Gespräch.

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Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Nahles gibt sich also fürs Erste mit einem Job unter ihrem Niveau zufrieden. Warum? Denkbar wäre, dass die ehemalige Juso-Chefin in der Welt der Konzerne noch immer schwer vermittelbar ist. Bei manch einem Industriekapitän löst die Sozialdemokratin nach wie vor Abwehrreflexe aus.

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Oder aber, Nahles hat sich nach den zermürbenden Jahren in der ersten Reihe bewusst dafür entschieden, beruflich einen oder besser zwei Gänge runterzuschalten. Sie ist alleinerziehende Mutter einer neunjährigen Tochter und hat in ihren Berliner Zeiten häufig über die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Spitzenpolitik geklagt. Vor allem angesichts der weiten Reise aus der Eifel nach Berlin waren terminliche und organisatorische Probleme ihr täglicher Begleiter.

Diese Sorgen dürfte Nahles künftig nicht mehr haben. Auch die bei Spitzenpolitikern üblichen permanenten Wochenend-Einsätze werden von einer Behördenpräsidentin kaum abverlangt. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag bricht damit für Andrea Nahles endgültig eine neue Lebensphase an.


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