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Neue US-Visa-Regeln: Internationalen Studenten droht jetzt die Ausreise

  • Tausenden ausländischen Gaststudenten in den USA droht die Ausreise, falls sie nur Online-Kurse besuchen können.
  • Die Unis gehen auf die Barrikaden.
  • Doch wie groß ist am Ende ihr Einfluss auf die US-Regierung?
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Phoenix. Sie haben Angst, sich einem unnötigen Corona-Risiko aussetzen zu müssen oder andernfalls ihr Studium in den USA nicht abschließen zu können. Unter internationalen Studenten in den Vereinigten Staaten macht sich Besorgnis breit. Grund sind die neuen Visa-Regeln, wonach alle ausländischen Gaststudenten, deren Uni im Wintersemester nur Online-Kurse anbietet, das Land verlassen oder sich eine andere Hochschule suchen müssen.

Studenten aus den verschiedensten Ländern wie Indien, China und Brasilien müssen nun ihre Pläne ändern. Manche überlegen, nach Hause zurückzukehren oder nach Kanada umzuziehen.

In den USA könne er in einer starken Wirtschaft zur Forschung beitragen, sagt der Doktorand Batuhan Mekiker aus der Türkei, der an der Montana State University in Bozeman Informatik studiert. Er ist im dritten Jahr eines fünfjährigen Programms. "Wenn ich in die Türkei gehe, hätte ich all das nicht mehr", sagt er. "Ich möchte gerne an einem Ort sein, an dem meine Fähigkeiten gewürdigt werden."

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US-Unis teils stark von internationalen Studenten abhängig

Mathias aus Frankreich will seine Zelte in Seattle notgedrungen abbrechen. Er wolle in den kommenden zwei Wochen sein Auto verkaufen, seinen Mietvertrag beenden und sich um eine Genehmigung kümmern, um seinen Kater Louis im Flugzeug mit zurück nach Paris nehmen zu dürfen, sagt der Student, der aus Angst vor einem Verlust seines Einwanderungsstatus seinen Nachnamen nicht nennen möchte. "Alle machen sich Sorgen", sagt er. "Unser ganzes Leben spielt sich hier ab."

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Viele amerikanische Hochschulen sind finanziell inzwischen stark auf die insgesamt mehr als eine Millionen internationalen Studenten angewiesen, die zumeist höhere Studiengebühren zahlen als Einheimische. Präsident Donald Trump dringt darauf, dass Schulen und Universitäten möglichst schnell zum Präsenzunterricht zurückkehren. Manche Einrichtungen werfen ihm vor, sie mit den neuen Regeln zu einer Wiederöffnung zwingen zu wollen. Trump sagt, die Schulen würden aus politischen Gründen geschlossen gehalten.

Die renommierten Unis Harvard und Massachusetts Institute of Technology (MIT) reichten vor wenigen Tagen Klage gegen die Entscheidung ein. Die neuen Visa-Regeln waren am selben Tag bekanntgegeben worden, als Harvard angekündigt hatte, im Herbst einen Großteil der Kurse weiter online abzuhalten. Infolge der Direktive könnten nach Angaben der Universität viele ihrer insgesamt 5000 Studenten aus dem Ausland nicht in den USA bleiben.

US-Handelskammer kritisiert vorgehen

Die University of Southern California (USC) äußerte sich in einem Brief an ihre Studenten und Lehrkräfte "tief besorgt" über die Entscheidung. "Die Richtlinie könnte zahllose internationale Studenten betreffen", hieß es in dem Schreiben. Wie andere Universitäten kündigte die USC an, sich zur Wehr zu setzen und möglichst sicherzustellen, dass die akademische Laufbahn von Studenten keinen Schaden nehme. Zugleich würden Möglichkeiten geprüft, damit Gaststudenten – falls sie das wünschen - sicher in Präsenzveranstaltungen studieren können.

Auch die US-Handelskammer äußerte sich kritisch. Die Verordnung könne "beträchtlichen Schaden" bei Unis, Studenten, Unternehmen und Volkswirtschaft anrichten, erklärte sie.

Einen Tag nach der Harvard-Klage gegen die Direktive informierte die Uni das Gericht darüber, dass die Einwanderungsbehörden diese offenbar bereits anwendeten. Einem Erstsemesterstudenten aus Belarus sei deshalb an Flughafen in Minsk das Boarding in Richtung USA verboten worden, sagte ein Anwalt der Hochschule."Das ist sehr gefährlich und grausam", sagt Jessie Peng aus China, die an der Harrisburg University of Science and Technology Analytik studiert. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Entweder riskieren wir unser Leben und gehen an die Uni, oder wir riskieren unser Leben, indem wir nach China zurückfliegen."

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Hoffen auf Kombi-Modell aus Online- und Präsenzunterricht

Auch der wirtschaftswissenschaftliche Doktorand Jasdeep Mandia macht sich Sorgen. Weil er unter Atemproblemen leidet, hat der 35-jährige Inder besonders große Angst, sich mit Covid-19 anzustecken. Deshalb wollte er im neuen Semester eigentlich alle seine Kurse an der Arizona State University online absolvieren.

Die Hochschule habe sich zwar besorgt gezeigt über die Nöte der ausländischen Studenten, sagt Mandia. Die neue Richtlinie zeige aber, wie wenig Einfluss die Unis letztlich hätten.

Die 23-jährige Informatikstudentin Vivian Degasperi aus Brasilien, die am Erie Community College in Buffalo im US-Staat New York studiert, denkt über einen Umzug ins nahegelegene Kanada nach. “Meine Familie macht sich Sorgen”, sagt sie. “Alle rufen mich ständig an.”

Natalia Afonso hofft hingegen auf ein Kombi-Modell aus Online- und Präsenzunterricht an ihrer Uni, dem Brooklyn College. Allerdings habe sie Angst, dass die Fahrten mit der U-Bahn zum Campus für sie das Risiko erhöhen könnten, sich mit dem Virus zu infizieren, sagt die Brasilianerin. “Ich will zu diesem Zeitpunkt nicht nach Brasilien zurückgehen”, erklärt die Pädagogik-Studentin, die gerade ihr erstes Semester beendet hat. “Es ist sehr unfair.”

RND/AP

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