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Bei besseren Arbeitsbedingungen

Studie berechnet: Ausgestiegene Pflegekräfte könnten Beschäftigungslücke schließen

Intensivpfleger: Im Zuge der Corona-Pandemie trat der Fachkräftemangel in der Pflege noch deutlicher zutage.

Ausgestiegene Pflegekräfte und Beschäftigte in Teilzeit bieten ein großes Potenzial, um den Fachkräftemangel in der Pflege zu lindern. Das geht aus einer neuen Studie der Arbeit­nehmer­kammern Bremens und des Saarlandes sowie des Instituts Arbeit und Technik Gelsenkirchen (IAT) hervor, die am Dienstag vorgestellt wurde. Demnach könnten durch eine Nutzung des ermittelten Potenzials zwischen 300.000 und 660.000 Vollzeitstellen besetzt werden. Gut die Hälfte der Beschäftigten sei bereit, ihre Arbeitszeit zu erhöhen, sogar 60 Prozent der ausgestiegenen Pflegerinnen und Pfleger könnten sich eine Rückkehr in den Beruf vorstellen. Die Analyse geht durch die negativen Einflüsse während der Corona-Pandemie zudem davon aus, die Potenziale noch zu unterschätzen.

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Wiedereinstieg nur bei deutlich besseren Arbeits­bedingungen

Die Befragten knüpfen das allerdings an die Forderung nach einer spürbaren Verbesserung der Arbeitsbedingungen. So müsse es mehr Zeit für eine qualitativ gute Pflege durch mehr Personal geben sowie eine angemessene Bezahlung und verlässlichere Arbeitszeiten. „Die Pflegekräfte üben ihren Beruf mit hoher Motivation aus, sie wollen ihn aber auch so ausüben, wie sie ihn gelernt haben“, sagte Elke Heyduck von der Arbeitnehmerkammer Bremen. Auch die Wertschätzung von Vorgesetzten und eine Vereinfachung der Dokumentation spielt bei der Frage des Wiedereinstiegs eine Rolle.

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Laut Beatrice Zeiger von der Arbeitskammer des Saarlandes bestehe ein Hauptproblem vor allem durch die aktuell angewendeten Fallpauschalen. Sie dringt auf eine schnelle Umsetzung der Pflegepersonalregelung 2.0 (PPR 2.0), auf dessen Einführung sich SPD, Grüne und FDP im Koalitionsvertrag zwar verständigt haben, die aber zuletzt wieder infrage gestellt wurde. „Wir brauchen eine Veränderung weg von der Minutenpflege hin zu einer bedarfsgerechten Pflegezeit. Wir gehen hier gesellschaftlich auf dem Zahnfleisch“, verdeutlicht Michaela Evans vom IAT die Dringlichkeit der Lage. In den kommenden zehn bis zwölf Jahren gingen rund 500.000 Pflegekräfte in Rente.

Nur wenige Aussteiger suchen aktiv

Die Spirale aus schlechten Arbeitsbedingungen und daraus folgendem Personalschwund müsse durchbrochen werden. So suche nur ein geringer Teil der potenziellen Wieder­einsteiger, deren Zahl zwischen 263.000 und 583.000 beziffert wird, derzeit aktiv nach einer neuen Stelle. Für die Studie wurden 12.700 nicht aktive und teilzeitbeschäftigte Pflegerinnen und Pfleger befragt, über 80 Prozent davon waren Frauen.

Ein kräftezehrende Aufgabe: Eine Intensivfachpflegerin betreut einen Patienten.

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Pandemie, Personalmangel und geringe Anerkennung: Alle bemühen sich nach Kräften, aber der Arbeitsalltag in der Krankenpflege ist kaum mehr zu bewältigen. Eine Intensivschwester aus Hannover mit 40 Berufsjahren berichtet.

Die Initiatoren schlagen eine vom Bund finanzierte Personaloffensive zur Wiedergewinnung von Pflegekräften vor. Derzeit dauere es im Schnitt 210 Tage, bis eine Stelle in der Altenpflege besetzt sei. Gerade Assistenzkräften müsse hier durch bessere Bezahlung und eine Aufwertung der Ausbildung eine Perspektive geboten werden. Derzeit zeigt sich nur ein geringer Teil der Berufsaussteiger optimistisch für eine spürbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

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