Neue Sorgen auf den letzten Metern

  • „Da brennt der Kittel“: Die dritte Corona-Welle kommt mit aller Macht.
  • Die Politik hält mit der Bundesnotbremse dagegen. Ob das reicht?
  • Beim Impfen droht der nächste Rückschlag.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Psychologen kennen das Phänomen aus Geiselnahmen: Nach langer Zeit des Bangens ist Rettung in Sicht – aber statt neuer Hoffnung wächst bei den Geiseln vielmehr die Sorge: Was ist, wenn auf den letzten Metern noch alles schiefgeht?

Ähnlich erleben gerade viele Menschen die dritte und hoffentlich letzte Welle der Corona-Pandemie. Ja, es geht voran mit dem Impfen. Aber welche Folgen haben die neuen Probleme mit dem Hoffnungs­trägervakzin von Johnson & Johnson? Und ja, in einem halben Jahr kehren wir vielleicht zu einem normalen Leben zurück. Aber was ist, wenn die heimtückische Krankheit einen selbst oder einen nahestehenden Menschen jetzt noch erwischt?

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Auf den Intensivstationen, so warnten Mediziner gestern, könnten bis zum Ende des Monats 6000 Corona-Patienten um ihr Leben ringen. Stemmt sich Deutschland noch einmal mit aller Kraft gegen diese dritte Welle? Kanzlerin Angela Merkel ist mit ihrem Wunsch nach bundeseinheitlichen Regeln gestern einen großen Schritt vorangekommen, das Kabinett hat die Bundesnotbremse beschlossen. Merkel spricht von einer „überfälligen Entscheidung“, aber kommt sie auch noch rechtzeitig? Das Autorenteam des RND-Hauptstadtbüros hat alle Aspekte des neuen Infektions­schutzgesetzes unter die Lupe genommen und gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen: Wo gibt es bald Ausgangssperren? Was ist mit den Schulen? Wie geht es weiter mit dem Testen in den Betrieben?

Eine Frage aber bleibt im weiteren Verfahren noch offen: Ziehen alle Länder beim neuen Gesetz voll mit? Vor allem aus Ländern, in denen Grüne und FDP mitregieren, war zuletzt Kritik gekommen. Alle sollten sich vielleicht eine Warnung vom grünen Regierungschef Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg zu Herzen nehmen: „Mir brennt der Kittel aufgrund der Zahlen, die wir da haben, aber wirklich volle Kanne.“

Der Showdown in der Union

Die Union muss sich angesichts der wieder wachsenden Corona-Dramatik den Vorwurf gefallen lassen, dass das Land andere Sorgen hat als das Kandidatengerangel zwischen CDU und CSU. Es liegt an Markus Söder, dass es Anfang der Woche nicht zu einer schnellen Entscheidung gekommen ist. Der CSU-Chef sucht den Draht zur „Basis“ und war gestern mit seinem Konkurrenten Armin Laschet zu Gast in der Unionsfraktion im Bundestag.

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CDU-Chef Armin Laschet (links) und der CSU-Vorsitzende Markus Söder präsentierten sich gestern in der Unions­bundestagsfraktion. © Quelle: imago/Political-Moments/Simon/Spicker/RND-Montage Behrens

In der Fraktion gibt es durchaus andere Interessen als im Parteipräsidium und im Parteivorstand. Aber kann Söder wirklich noch auf eine Nominierung hoffen? Daniela Vates, Chefkorrespondentin, und Kristina Dunz, stellvertretende Leiterin des RND-Hauptstadtbüros, zeichnen das nächste Kapitel im Machtkampf nach.

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Bis zum Ende der Woche, so deutet sich an, wird die Union wohl zu einer Entscheidung gekommen sein. Dann wären innerhalb weniger Tage mit dem Infektions­schutzgesetz und der K‑Frage von CSU und CDU immerhin zwei große Themen in Berlin abgeräumt worden. Am Montag dann können die Grünen mit ihrer Kandidatenkür nachlegen. Von Stillstand in Pandemiezeiten kann jedenfalls keine Rede mehr sein.

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Zitat der Nacht

Ob das jetzt hier alles wunderbar läuft oder was auch immer – man macht sich immer Gedanken.

Hansi Flick, Trainer des FC Bayern München, nach dem Aus in der Champions League

Endstation Paris: Der FC Bayern ist im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden – trotz eines knappen Sieges im Rückspiel gegen PSG. Am Ende scheiterte die Mannschaft von Trainer Hansi Flick an der Auswärtstorregel. Und dieser rückt unmittelbar nach dem Spiel eine Frage weiter in den Fokus: Wird er der neue Trainer der deutschen Nationalmannschaft?

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Viele Formulare, sieben Counter, drei Unterschriften – dann war unser Autor Imre Grimm gegen Corona geimpft. Wie läuft das genau ab in einem deutschen Impfzentrum? Wie ist die Stimmung? Hier ist ein persönliches Minutenprotokoll bis zum wichtigsten Piks des Jahres.

Adidas tut es, Miele tut es, Haribo und Lego ebenso: Immer mehr Markenhersteller verkaufen auch direkt an Endkunden. Mit eigenen Onlineshops – und manchmal auch eigenen Läden – suchen sie den Kontakt zum Konsumenten und können damit in der Corona-Krise immer öfter punkten. RND-Wirtschafts­korrespondent Frank-Thomas Wenzel analysiert die Folgen für den Handel.

Aus unserem Netzwerk

Reisen nach Mecklenburg-Vorpommern waren zu Ostern verboten. Davon ließen sich nicht alle Touristen abhalten. Auf der Insel Usedom stellte das Ordnungsamt zehn Verstöße fest – und fordert die Urlauber jetzt auf, sich zu dem Vorfall zu äußern. Die „Ostsee-Zeitung“ aus unserem Verbund berichtet über den Urlaub mit besonderen Hindernissen.

Termine des Tages

Spannung auf dem Mars: Der Mars-Helikopter „Ingenuity“ soll heute endlich starten. Es ist der erste motorisierte Flug auf einem anderen Planeten, er war mehrfach verschoben worden.

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Entspannung in Ankara? Bei einem Treffen des griechischen Außenministers Nikos Dendias mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu soll es unter anderem um den Streit um Erdgas­vorkommen im östlichen Mittelmeer gehen. Beide Länder hatten sich im vergangenen Jahr wiederholt verbal angegriffen, zuletzt musste Deutschland vermitteln.

Juristischer Spannungsbogen: Der Europäische Gerichtshof entscheidet heute über Klagen von Ryanair gegen staatliche Corona-Hilfen für die Fluggesellschaften SAS und Finnair. Der irische Billigflieger kritisiert millionenschwere Bürgschaften Schwedens und Dänemarks für die Fluglinie SAS sowie Finnlands für Finnair in der Corona-Krise und klagt gegen die Entscheidungen der EU-Kommission, diese im Frühjahr 2020 zu genehmigen.

Wer heute wichtig wird

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg empfängt heute den neuen US-Verteidigungsminister Lloyd Austin zu politischen Gesprächen. Themen sollen der Umgang mit Russland und China sowie die Nato-Einsätze in Afghanistan und im Irak sein. Zudem wird es um die Vorbereitung des nächsten Nato-Gipfels gehen. © Quelle: Olivier Hoslet/Pool EPA/AP/dpa

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