• Startseite
  • Politik
  • Neue Details zu Attentat von Nizza: Angreifer soll 21-jähriger Tunesier sein

Neue Details zu Attentat von Nizza: Angreifer soll 21-jähriger Tunesier sein

  • Nach dem Attentat von Nizza werden neue Details über den Angreifer bekannt.
  • Es soll sich um einen Tunesier handeln, der illegal zunächst auf Lampedusa angekommen sei.
  • Derweil suchen die Ermittler nun nach möglichen Komplizen.
Anzeige
Anzeige

Nizza. Zum mutmaßliche Nizza-Attentäter gibt es neue Details. Dem französischen Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard zufolge ist der Mann Tunesier, der über Italien nach Frankreich gekommen ist.

Der Verdächtige, der 1999 geboren sei, sei am 20. September auf der italienischen Insel Lampedusa eingetroffen und am 9. Oktober in die süditalienische Hafenstadt Bari gereist, teilte Ricard am Donnerstagabend auf einer Pressekonferenz mit. Die Reiseangaben seien aus einem Dokument zu dem Mann vom italienischen Roten Kreuz. Der Angreifer habe das Dokument des Italienischen Roten Kreuzes bei sich getragen.

Ricard äußerte sich zu dem tödlichen Anschlag mit drei Toten in Nizza. Der mit einem Messer bewaffnete Verdächtige hatte am Donnerstag in einer Kirche in Nizza Menschen angegriffen. Der mutmaßliche Attentäter wurde von der Polizei lebensgefährlich verletzt. Ricard zufolge hatte der Verdächtige ein Exemplar des Koran bei sich und eine Tasche mit zwei nicht benutzten Messern.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Italiens Behörden waren nach eigenen Angaben von Tunesien nicht vor dem Gewalttäter gewarnt worden. Aus dem Innenministerium in Rom verlautete, dass der Angreifer als ein 21-jähriger Tunesier identifiziert worden sei. Der Mann sei illegal auf Lampedusa angekommen. Nach italienischen Agenturberichten war er mit anderen Bootsmigranten dort an Land gegangen und im Oktober nach Bari gebracht worden. Dort soll er abgetaucht sein. Aus Quellen im Innenministerium in Rom hieß es nur, dem Tunesier sei am 9. Oktober ein Ablehnungsdekret für einen Verbleib geschickt worden. Er sei aufgefordert worden, Italien innerhalb von sieben Tagen zu verlassen.

Video
Messerattacke in Nizza: erneute Enthauptung in Frankreich
2:15 min
Bei dem Messerangriff vor einer Kirche in Nizza wurden am Donnerstag zudem zwei weitere Menschen getötet.  © Reuters

Die französische Regierung rief die höchste Terrorwarnstufe aus. Der französische Präsident Emmanuel Macron kündigte an, die Zahl der Soldaten, die zum Schutz von Schulen und religiösen Stätten eingesetzt werden, von rund 3000 auf 7000 anzuheben. Er eilte umgehend nach Nizza. „Ganz klar, es ist Frankreich, das angegriffen wird“, sagte er vor der Kirche, in der die Bluttat verübt worden war. Es war der dritte Angriff in Frankreich innerhalb von zwei Monaten, den Behörden muslimischen Extremisten zuschrieben.

Empörungen über Mohammed-Karikaturen

Anzeige

Der Angreifer habe eine Frau und einen Mann in der Kirche Notre Dame getötet, sagte der Bürgermeister der südfranzösischen Stadt, Christian Estrosi. Der 60-jährigen Frau sei die Kehle durchgeschnitten worden, Ricard sprach von einer Art Enthauptung. Auch der getötete 55-jährige Küster wurde schwer am Hals verletzt. Ein drittes, schwer verletztes Opfer sei noch geflüchtet. Die 44-Jährige sei dann außerhalb der Kirche ihren Verletzungen erlegen. Der mutmaßliche Angreifer habe mehrfach „Allahu akbar“ gerufen, auch als er bereits verletzt gewesen sei, sagte Estrosi. Seine Geste habe „keinen Zweifel“ gelassen.

Derzeit gibt es Empörung vieler Muslime über Karikaturen des Propheten Mohammed, die die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in den vergangenen Monaten erneut veröffentlichte. Ende September waren bei einem Messerangriff in der Nähe der früheren Büros von „Charlie Hebdo“ in Paris zwei Menschen verletzt worden. Mitte Oktober enthauptete ein 18-Jähriger tschetschenischer Herkunft einen Lehrer, der Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt hatte, als er das Thema Meinungsfreiheit behandelte.

Anzeige

Die Attacke in Nizza weckt dort schmerzhafte Erinnerungen - weniger als einen Kilometer vom jetzigen Tatort entfernt hatte am 14. Juli 2016 ein Terrorist während der Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag einen Lastwagen in die Menschenmenge auf der Promenade der Stadt gelenkt - 86 Menschen wurden getötet.

Auch Tunesien eröffnet Ermittlungen

In Tunesien wurden nach Angaben der Anti-Terror-Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen der „mutmaßlichen Verübung eines terroristischen Verbrechens durch einen Tunesier (...) außerhalb der nationalen Grenzen“ eröffnet, wie die tunesische Nachrichtenagentur TAP berichtete. Der französischen Staatsanwaltschaft zufolge hatten Geheimdienste den mutmaßlichen Angreifer nicht als möglicher Gefährder auf dem Radar.

Aufnahmen von Überwachungskameras zufolge betrat der Mann um 6.47 Uhr den Bahnhof von Nizza, wo er seine Schuhe wechselte und seinen Mantel auf links drehte, bevor er sich um kurz vor 8.30 Uhr zur Kirche aufmachte. Staatsanwalt Ricard zufolge hatte er etwa 30 Minuten in der Kirche verbracht, bevor die Polizei eintraf.

Papst Franziskus schloss die Opfer nach Angaben des Vatikans in sein Gebet ein. Vatikansprecher Matteo Bruni erklärte, die Tat säe Tod an einem Ort der Liebe und des Trostes. Der französische Rat des muslimischen Glaubens verurteilte den Anschlag. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, sie sei „tief erschüttert über die grausamen Morde in einer Kirche“. Ihre Gedanken seien bei den Angehörigen der Betroffenen sowie den Verletzten. Das türkische Außenministerium erklärte, es verurteile die Attacke und stehe solidarisch an Frankreichs Seite.

Ermittler suchen mögliche Komplizen

Anti-Terror-Ermittler wollen herausfinden, ob der Tatverdächtige möglicherweise von Komplizen unterstützt wurde. Sie wollen auch genauer wissen, wie der Mann nach Südfrankreich kam. Der von Polizisten schwer verletzte Terrorverdächtige kam in ein Krankenhaus und schwebt in Lebensgefahr, wie Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard am Donnerstagabend berichtete.

RND/AP/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen