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Familienunternehmer werfen Bundesregierung „Willkür und Planlosigkeit“ vor

  • Vertreter der Familienunternehmen kritisieren die Beschlüsse des Corona-Gipfels.
  • Die Entscheidungen von Bund und Ländern seien „völlig willkürlich“, so Verbandspräsident Reinhold von Eben-Worlée.
  • Er fordert einen Corona-Wirtschaftsgipfel.
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Berlin. Familienunternehmer haben die Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern scharf kritisiert. „Die Ministerpräsidentenkonferenz war für viele Familienunternehmen eine Enttäuschung. Jeder Tag des Lockdowns bringt enorme Härten für Familienunternehmen und deren Belegschaft mit sich. Wir müssen in den Bereichen, in denen es der Infektionsschutz zulässt, wieder zum Geschäftsbetrieb zurückkehren“, sagte Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er forderte die schnelle Öffnung von Familienbetrieben, in denen es der Infektionsschutz zulässt.

Bund und Länder hatten sich bei einer Schaltkonferenz am Mittwoch darauf geeinigt, den Lockdown bis zum 7. März zu verlängern. Erst ab einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner sollen der Einzelhandel, Museen, Galerien und Betriebe mit körpernahen Dienstleistungen wieder öffnen dürfen. Das geht aus dem Beschlusspapier vom Mittwoch hervor. Hotels und Restaurants sind in dem Papier nicht erwähnt.

Verbandspräsident kritisiert „völlig willkürlich getroffene Entscheidung“

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„Viele Familienunternehmen haben Rücklagen und sogar private Mittel der Gesellschafter aufgebraucht“, warnte Heidbreder. Statt der Überbrückungshilfen, deren Auszahlung bislang schleppend laufe, forderte er steuerliche Erleichterungen für Unternehmen: „Vielen Unternehmen würde statt der Überbrückungshilfen, die entsprechende Bürokratie nach sich ziehen und verspätet wirken, eine deutliche Ausweitung der Möglichkeit des steuerlichen Verlustrücktrags helfen. Diese Stärkung der Selbstheilungskräfte der Wirtschaft ist äußerst leicht umzusetzen“, so der Unternehmensvertreter.

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Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbandes „Die Familienunternehmer“, warf den Regierenden Überforderung und Beliebigkeit vor. „Die exklusive Öffnung nur für Friseursalons ist eine völlig willkürlich getroffene Entscheidung, die zeigt, dass Corona den Regierenden immer mehr über den Kopf wächst. Wenn die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin keine abgestuften Kriterien für einen Öffnungsplan erarbeiten, wer bei welcher Corona-Inzidenz wieder öffnen darf, tappen sie mit ihren Beliebigkeitsentscheidungen wie mit den Friseuren in die Glaubwürdigkeitsfalle“, sagte der Unternehmer dem RND.

„Entweder waren die Friseure schon vorher systemrelevant und hätten nicht geschlossen werden dürfen oder die Gefahr, sich beim Friseur mit Mutationen anzustecken, wird von der Regierung als gering eingestuft“, so Eben-Worlée. Dann allerdings stelle sich die Frage, warum Kontakte in anderen Unternehmen gefährlicher sein sollten.

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Forderung nach Corona-Wirtschaftsgipfel

Kritik äußerte der Verbandsvertreter auch an der beschlossenen Absenkung der für Lockdownlockerungen maßgeblichen Sieben-Tages-Inzidenz von 50 auf 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. „Nun, da die Inzidenz von 50 in Blickweite kommt, da wird der neue Hoffnungswert auf 35 herabgestuft. Bei Unterschreitung dieser Inzidenz wird nach dem gestrigen Beschluss aber nur der Einzelhandel wieder geöffnet“, beklagte Eben-Worlée. „Für die Öffnung aller anderen Unternehmen, die vom Lockdown betroffen sind, wurden keinerlei Kriterien vereinbart. Das erzeugt nicht nur den Eindruck von Willkür, sondern auch von Planlosigkeit.“

Es werde „allerhöchste Zeit“ für einen Corona-Wirtschaftsgipfel, forderte Eben-Worlée. Dort sollten Kriterien für die Öffnung der Betriebe diskutiert werden, die durch den Lockdown Verluste erlitten haben.

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