Nato: Die Gefahr lauert im Innern

  • Mit demonstrativem Reformwillen kontert die Nato der „Hirntod“-Analyse von Frankreichs Präsident Macron.
  • Die Vorschläge für eine strategische Neuausrichtung spiegeln die aktuelle Bedrohungslage wider.
  • Die größte Gefahr für die Nato lauert aber nicht in Russland oder in China, sondern innerhalb des Bündnisses, kommentiert Marina Kormbaki.
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Berlin. Als Präsident Emmanuel Macron der Nato vor einem Jahr den „Hirntod“ attestierte, war das Entsetzen groß. Die Kritik des Franzosen am Verteidigungsbündnis sei überzogen und diene der Selbstprofilierung, hieß es in zahlreichen europäischen Hauptstädten. Doch der lauten Empörung über Macron war auch leise Zustimmung zu dessen Analyse beigemischt. Zu Recht. Der beklagenswerte Zustand der Allianz ist unübersehbar.

Mit Griechenland und der Türkei traktieren zwei sogenannte Nato-Partner einander mit kriegerischen Drohungen. US-Präsident Trump ruft zum hastigen Abzug aus Afghanistan auf – wohl wissend, dass Tausende Soldaten anderer Nato-Nationen auf den Schutz der US-Truppen vor den erstarkenden Taliban und dem IS angewiesen sind. Im Ukraine-Konflikt zeigt die Allianz zwar Ausdauer, kann Russland aber nicht von weiterer Aufrüstung abbringen. Und neuen Gefahren hybrider Kriegsführung steht die in Teilen noch immer der Logik des Kalten Krieges verhaftete Nato mitunter ratlos gegenüber.

Ein Reformplan ist daher überfällig. Gut, dass die vom früheren Verteidigungsminister Thomas de Maizière mitgeführte „Reflexionsgruppe“ nun Vorschläge hierzu vorgelegt hat. Sie spiegeln die aktuelle Bedrohungslage in einer Welt wider, in der der alte Westen in zunehmend aggressiver Weise von Russland, aber auch China herausgefordert wird.

Doch der Fokus auf die Gefahren von außen darf nicht den Blick auf die Bedrohung im Innern verstellen: Die ökonomischen, propagandistischen und auch militärischen Provokationen externer Kräfte sind nur erfolgreich, wenn sie auf einen gespaltenen Westen treffen. Nach dem Machtwechsel in Washington müssen Amerikaner und Europäer daher näher zusammenrücken. Die Europäer wiederum müssen sich einen gemeinsamen strategischen Blick auf die Welt erarbeiten – mit der Türkei. Kein äußerer Aggressor kann die Nato so sehr schwächen wie innerer Zwist.

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