Auseinandersetzung zwischen Israel und Palästina: die Chronik des Nahostkonflikts

Seit Gründung des Staates Israel kommt es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit den Nachbarn.
Quelle: Rizek Abdeljawad/XinHua/dpa
Tel Aviv. Seit Gründung des Staates Israel kommt es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit den Nachbarn. Der erste Nahostkrieg war für Israel ein Unabhängigkeitskrieg – für die Palästinenser hingegen der Beginn der „Nakba“ (Katastrophe), ihrer Flucht und Vertreibung. Die Chronik:
29. November 1947: Die Vollversammlung der Vereinten Nationen ruft zur Teilung des britischen Mandatsgebiets Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat auf (Resolution 181). Die Juden stimmen zu, die Araber in Palästina und die arabischen Staaten lehnen den Plan ab.
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14. Mai 1948: David Ben Gurion verliest Israels Unabhängigkeitserklärung. Am Tag darauf erklären die arabischen Nachbarn Ägypten, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien den Krieg. Im Kampf kann der neue Staat sein Territorium vergrößern und den Westteil Jerusalems erobern. Rund 700.000 Palästinenser fliehen.
Militär erklärt Kriegszustand: Hamas startet Großoffensive gegen Israel
Bei den Angriffen handelt es sich um die schwersten Auseinandersetzungen seit dem zehntägigen Krieg der Hamas gegen Israel im Jahr 2021.
Quelle: Reuters
Oktober 1956: In der Suez-Krise kämpfen israelische Truppen an der Seite Frankreichs und Großbritanniens um die Kontrolle des Suez-Kanals, den Ägypten zuvor verstaatlicht hatte.
Überfall an Jom Kippur
Juni 1967: Im Sechstagekrieg erobert Israel den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, das Westjordanland, Ostjerusalem und die Golanhöhen.
Oktober 1973: Eine Allianz arabischer Staaten unter Führung von Ägypten und Syrien überfällt Israel an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag. Nur unter schweren Verlusten gelingt es Israel, den Angriff abzuwehren.
März 1979: Israels Regierungschef Menachem Begin und Ägyptens Präsident Anwar al-Sadat schließen einen von den USA vermittelten Friedensvertrag.
Juni 1982: Beginn der Operation „Frieden für Galiläa“. Israel greift Stellungen der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO im Libanon an und marschiert ins Nachbarland ein.
Sept 1982: Christliche libanesische Milizionäre verüben in einem palästinensischen Flüchtlingslager das Massaker von Sabra und Schatila - in Sichtweite israelischer Kontrollposten. Israels Verteidigungsminister Ariel Scharon wird eine politische Mitverantwortung angelastet.
Dezember 1987: Ausbruch des ersten Palästinenseraufstands („Intifada“).
Oslo-Friedensverträge
September 1993: Israels Ministerpräsident Izchak Rabin und PLO-Chef Jassir Arafat unterzeichnen die Oslo-Friedensverträge.
4. November 1995: Rabin wird nach einer Friedenskundgebung in Tel Aviv von einem jüdischen Fanatiker erschossen.

Ein Zeichen der Hoffnung: Dieses am 13. September 1993 aufgenommene Foto zeigt US-Präsident Bill Clinton zwischen PLO-Chef Jassir Arafat (r.) und dem israelischen Präsidenten Izchak Rabin (l.).
Quelle: AFP
September 2000: Nach einem Besuch von Israels damaligem Oppositionsführer Ariel Scharon auf dem Tempelberg in Jerusalem bricht die zweite Intifada aus.
2003: Israel beginnt mit dem Bau einer 750 Kilometer langen Sperranlage rund ums Westjordanland. Zäune und Mauern verlaufen zum Teil auf palästinensischem Gebiet.
August 2005: Gegen den Widerstand der Siedler räumt Israel alle Siedlungen im Gazastreifen und zieht seine Truppen aus dem Palästinensergebiet am Mittelmeer ab.
Juli 2006: Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz liefern sich einen einmonatigen Krieg.
Juni 2007: Die radikal-islamische Hamas vertreibt in einem blutigen Machtkampf unter Palästinensern die Fatah von Mahmud Abbas aus dem Gazastreifen.
Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem
Jahreswende 2008/2009 bis August 2014: In drei Konflikten bekriegen sich das israelische Militär und die Hamas im Gaza-Streifen. Kurz vor dem Krieg 2014 scheitert der bisher letzte Versuch Israels und der Palästinenserführung von Abbas, am Verhandlungstisch einen Frieden zu vereinbaren.
Dezember 2017: US-Präsident Donald Trump verkündet den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Die Entscheidung stößt international auf heftige Kritik.
Frühjahr 2018: Am Grenzzaun zwischen Israel und Gazastreifen beginnen wochenlange Demonstrationen von Palästinensern für das Recht auf Rückkehr ins Gebiet des heutigen Israels. Mehr als 100 werden von der Armee erschossen. Die USA eröffnen ihre Botschaft in Jerusalem.

Das Krisen-Radar
RND-Auslandsreporter Can Merey und sein Team analysieren die Entwicklung globaler Krisen im neuen wöchentlichen Newsletter zur Sicherheitslage – immer mittwochs.
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Januar 2020: Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu präsentieren einen Nahost-Friedensplan. Die Palästinenser sehen das Völkerrecht verletzt und lehnen ihn ab.
Mai 2021: In Jerusalem kommt es zu schweren Zusammenstößen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern. Aus dem Gazastreifen werden zahlreiche Raketen auf Israel abgefeuert, das mit massiven Luftangriffen reagiert.
Dabei werden in Gaza Dutzende Palästinenser getötet. Israel mobilisiert Tausende von Reservisten. Internationale Unterhändler versuchen, möglichst bald eine neue Waffenruhe zu erreichen.
November 2021: In der Altstadt von Jerusalem kommt es zu mehreren Anschlägen mit Toten und Verletzten.
Tod der Al-Dschasira-Journalistin Schirin Abu Akle
Anfang 2022: Im Frühjahr 2022 kommt es zu der tödlichsten Anschlagsserie seit 16 Jahren. Allein in der Zeit zwischen März und Mai werden rund 18 Israelis bei fünf Angriffen getötet.
Im Januar fliegen Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel, daraufhin fliegt die israelische Luftwaffe Angriffe.
Mai 2022: Bei einem israelischen Militäreinsatz im besetzten Westjordanland wird die Al-Dschasira-Journalistin Schirin Abu Akle durch Schüsse getötet. Zuvor hatte es nach Angaben des israelischen Militärs ein heftiges Feuergefecht mit Dutzenden militanten Palästinensern während einer Razzia in der Stadt Dschenin gegeben.
Bei der Beerdigung kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Das Grab der getöteten Al-Jazeera-Journalistin Shireen Abu Akleh.
Quelle: Ilia Yefimovich/dpa
August 2022: Israel fliegt Luftangriffe auf militärische Ziele des Islamischen Dschihad in Gaza. Nach israelischer Darstellung standen Angriffe des Islamischen Dschihad auf Israel unmittelbar bevor. Palästinenser feuern Raketen auf Israel.
Es sind die heftigsten Gefechte seit einem Jahr. Im Gazastreifen sterben mehr als 40 Menschen. Hunderte wurden verletzt. Nach drei Tagen wird eine Waffenruhe vereinbart.
November 2022: Erstmals seit der vereinbarten Waffenruhe fliegen wieder Raketen aus dem Gazastreifen in Richtung Israel. Das israelische Militär reagiert mit Luftschlägen.
Bei zwei Explosionen an Bushaltestellen im Großraum Jerusalem wird ein Mensch getötet und 13 weitere verletzt. Der israelische Abgeordnete Joav Ben-Zur spricht daraufhin von einer „Rückkehr zum Horror und den schweren und blutigen Tagen des zweiten Palästinenseraufstands Intifada“.
Neue rechts-religiöse Regierung von Netanjahu übernimmt
Dezember 2022: Im Dezember sorgt ein tödlicher Vorfall im Westjordanland für Entsetzen. Ein israelischer Polizist hatte einen Palästinenser aus nächster Nähe erschossen.
Während manche von einer „kaltblütigen Exekution“ des 22-Jährigen sprechen, verteidigen andere das Vorgehen als legitime Selbstverteidigung. Der Mann war bewaffnet und hatte versucht in das Fahrzeug eines israelischen Paars einzudringen.
Ende Dezember wird eine neue Regierung vereidigt. Die rechtsreligöse Koalition von Benjamin Netanjahu kündigt eine Justizreform an, die zu landesweiten Protesten führt.
Januar 2023: Nach einer Razzia im Westjordanland flammt die Gewalt wieder auf. Nachdem das israelische Militär in Dschenin mehrere Mitglieder der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad festnehmen will kommt es zu Feuergefechten mit mehreren Toten und zahlreichen Verletzten.
Innerhalb weniger Tage kommt es in Israel zu mehreren Anschlägen. Bei dem Angriff auf eine Synagoge sterben sieben Menschen.
Februar 2023: Im Westjordanland werden zwei israelische Siedler in der palästinensischen Stadt Huwara erschossen. Israelische Siedler stürmen daraufhin Huwara, zünden Häuser und Autos an. Ein Palästinenser kommt ums Leben, Dutzende werden verletzt.
Mehrere Hundert Israelis demonstrieren gegen Gewalt im Westjordanland
Nach den jüngsten tödlichen Unruhen im Westjordanland wächst die Furcht vor weiterer Gewalt in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten.
Quelle: Reuters
April 2023: Nach mehrtägigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften am Tempelberg in Jerusalem, wird Israel aus dem Libanon und dem Gazastreifen mit Raketen angegriffen. Das Militär fliegt daraufhin Angriffe.
Mai 2023: Nach Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen führt das israelische Militär eine fünftägige Offensive durch. Dabei werden hochrangige Mitglieder der Organisation Islamischer Dschihad, sowie zahlreiche Zivilisten getötet. Palästinenser feuern derweil 1200 Raketen und Mörsergranaten Richtung Israel.
Juli 2023: Das israelische Militär führt in der Stadt Dschenin im Westjordanland die größte Militäroperation seit Jahrzehnten durch. Ziel der Operation ist es, die „terroristische Infrastruktur“ in der Hochburg militanter Islamisten zu zerschlagen. Es kommt zu stundenlangen Feuergefechten, mindestens dreizehn Palästinenser werden getötet und mehr als 100 verletzt.
Als Reaktion werden Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert, die israelische Luftwaffe fliegt daraufhin Angriffe auf das Gebiet. In Tel Aviv rast ein ein palästinensischer Angreifer an einer Bushaltestelle in eine Fußgängergruppe und sticht anschließend auf die Menschen ein.
Tel Aviv: Auto fährt in Menschengruppe nach Israels Militäreinsatz in Dschenin
Bei einem mutmaßlich palästinensischen Anschlag in der israelischen Küstenstadt Tel Aviv sind nach Polizeiangaben mehrere Menschen verletzt worden.
Quelle: Reuters
Die Hamas spricht nach der Attacke von einer „ersten Reaktion“ auf die Geschehnisse in Dschenin.
August 2023: Im Westjordanland wird eine Israelin getötet, die mit ihrer Tochter im Auto in der Nähe von Hebron unterwegs ist. Bei dem Angriff werden mehr als 20 Schüsse auf ein Fahrzeug abgegeben.
„Bürger Israels, wir sind im Krieg“
Sommer 2023: Die Sicherheitslage ist angespannt. Seit Jahresbeginn wurden 27 Israelis, eine Ukrainerin und ein Italiener bei Anschlägen getötet. Im selben Zeitraum kamen mehr als 200 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, Konfrontationen oder nach eigenen Anschlägen ums Leben.
Oktober 2023: Bei Raketenangriffen aus dem Gazastreifen werden hunderte Menschen getötet. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas erklärt den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel. Das Land erklärt den Kriegszustand und schlägt zurück. Die internationale Gemeinschaft blickt besorgt auf den Nahen Osten. Es droht ein Flächenbrand in der Region.
RND/dpa/ao



















