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  • Nachhaltiger Fischkauf in Deutschland: Supermärkte schneiden schlecht ab – Kritik der Deutschen Umwelthilfe

Fischzucht: Deutsche Supermärkte schneiden in Sachen Nachhaltigkeit schlecht ab

  • Nachhaltigkeit beim Fischkauf?
  • Die Zucht in Aquakulturen könnte dafür eine Lösung sein, doch die Fische dort werden oft mit Wildfisch gefüttert.
  • Die Deutsche Umwelthilfe hat im Hinblick darauf die Lieferketten verschiedener Supermärkte untersucht und stellt ihnen in ihrem Bericht ein schlechtes Zeugnis aus.
Alina Stillahn
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Berlin. Zuchtfisch aus Aquakultur, wie etwa Lachs oder Garnelen, gilt gemeinhin als nachhaltig. Doch er kann trotzdem zur Überfischung der Meere beitragen. Denn fast jeder fünfte gefangene Fisch wird zu Fischmehl und -öl verarbeitet und davon wiederum wird ein Großteil an die Zuchtfische in Aquakulturen verfüttert. Doch erkennen können das Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf im Supermarkt nur schwer. Das geht aus einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe hervor, die dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) vorab vorliegt.

Die Organisation hat sieben deutsche Groß- und Einzelhändler unter die Lupe genommen und anhand von Kriterien wie Unternehmens­politik, Transparenz der Lieferketten und Produkt­vermarktung auf ihre Nachhaltigkeit hin untersucht. Das Ergebnis: Keiner der Händler besitzt nachhaltige und transparente Lieferketten für Fisch aus Aquakultur. Die Unternehmen hätten unzureichende Richtlinien in Hinblick auf die Verwendung von Wildfisch in Futtermitteln für Aquakultur und vermarkteten den Fisch intransparent, so die Umwelthilfe.

Spitzenreiter: Kaufland

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Noch vergleichsweise gut schneidet Kaufland ab: Das Unternehmen biete als erster deutscher Lebensmittel­händler in einer Eigenmarke Lachs an, der mit Algenöl statt mit Fischöl gefüttert wird. Die Deutsche Umwelthilfe attestiert Kaufland dabei ein „ernst zu nehmendes Engagement“ für die Untersuchung.

Das Unternehmen konnte Informationen über Wildfische liefern, die im Fischfutter einiger seiner Produkte verwendet werden. Als einziges Unternehmen habe Kaufland für einige seiner Produkte Sterblichkeitsraten der Fische in Zuchtbetrieben aufgelistet. Insgesamt konnte Kaufland damit 48 Prozent der Kriterien erreichen.

Dahinter rangiert Lidl mit 38 Prozent. Die Marke Edeka folgt mit 23 Prozent, Rewe mit 21 Prozent. Aldi Süd bringt es laut dem Bericht auf 19 und Aldi Nord auf 15 Prozent. Schlusslicht ist die Metro AG mit 10 Prozent. Dort bemängelt die Umwelthilfe den mangelnden Einsatz in Bezug auf Lieferketten­transparenz und Nachhaltigkeit. Auf die Umfrage habe man keine Antwort erhalten, heißt es in der Zusammenfassung des Berichts.

Zudem fänden sich in der Fischeinkaufs­politik keine Hinweise auf die negativen Folgen von Wildfisch und Fischfutter. Die Anzahl der Metro-Produkte aus nachhaltiger Fischerei und Aquakultur im Jahr 2018/2019 sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken.

Längst nachhaltige Alternativen bei Fischfutter

Dabei gibt es laut der Deutschen Umwelthilfe längst nachhaltige Alternativen, die die Meere nicht zusätzlich belasten. Hierzu zählt sie zum einen alternative pflanzliche Futtermittel und die Zucht anderer Arten, die mit sehr wenig oder sogar ohne Fischmehl- und Fischölzusatz im Futter auskommen, etwa Karpfen, Wels oder Muscheln.

Die Organisation fordert im Ergebnis von Groß- und Einzelhändlern, sich zu verpflichten, die Nutzung von Wildfisch in Futtermitteln zu beenden. „Nachhaltig kann Fischzucht nur sein, wenn Wildfisch nicht mehr auf dem Speiseplan von Zuchtfischen steht. Die Händler müssen hier Verantwortung übernehmen und ihre Aquakultur-Lieferketten transparent und vor allem nachhaltig gestalten“, sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner, dem RND.

Doch auch Verbraucherinnen und Verbraucher könnten dazu beitragen, indem sie auf andere umweltfreundlichere Arten wie Karpfen oder Tilapia ausweichen, findet Katharina Fietz, Referentin für Meeres­naturschutz bei der DUH. „Generell gilt: Fisch auf dem Tisch muss wieder etwas Besonderes werden. Wir sollten ihn bewusst genießen und unseren Konsum einschränken.“

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