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  • Nach Wahl in Belarus: Präsident Alexander Lukaschenko meldet sich erstmals - Nicht im Ausland, noch am Leben

Lukaschenko meldet sich: Nicht im Ausland, noch am Leben

  • Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat sich erstmals seit den Protesten nach seiner Wiederwahl geäußert.
  • Er fürchte um die Folgen der Streiks, die die Proteste gegen seine Wiederwahl begleiten.
  • Im Zuge der Corona-Pandemie sei es wichtig, dass sich die Wirtschaft wieder erhole, sagte er - Experten schätzen, ein flächendeckender Streik könnte ihn stürzen.
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Minsk. Nach weiteren massiven Protesten in Belarus (Weißrussland) hat sich Staatschef Alexander Lukaschenko erstmals wieder zur Lage im Land geäußert. “Fürs Erste, ich bin noch am Leben und nicht im Ausland”, sagte Lukaschenko zu Spekulationen in einigen belarussischen Medien, er habe das Land bereits verlassen.

Er äußerte sich am Freitag auf einer Regierungssitzung in Minsk, bei der es um die Bauindustrie ging. Dabei warnte er vor den Folgen von Streiks in den Staatsbetrieben. In immer mehr Unternehmen legen Belegschaften ihre Arbeit nieder und erklärten, bei der Präsidentenwahl am Sonntag für Lukaschenkos Gegnerin Swetlana Tichanowskaja gestimmt zu haben.

Streiks könnten Lukaschenko stürzen

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Im Zuge der Corona-Pandemie beginne die Weltwirtschaft, sich wieder zu erholen, sagte Lukaschenko. "Alle kämpfen auf diesen Märkten. Wenn wir aufhören zu arbeiten, werden wir die Produktion nie wiederherstellen können. Niemals", meinte er.

“Den Menschen muss gesagt werden, dass dies die einzige Chance ist, ein Unternehmen zu retten.” Dann könnten auch die Familien ernährt werden.

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RND-Videoschalte mit SPD-Außenpolitiker: EU muss Sanktionen gegen Lukaschenko verhängen
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Die Polizeigewalt in Belarus müsse sofort aufhören, sagt der SPD-Außenpolitiker Nils Schmid.  © RND

Nach Einschätzung von Beobachtern könnte ein flächendeckender Streik in den Betrieben Lukaschenko zu Fall bringen. Seit Tagen kommt es zu Protesten gegen Polizeigewalt und Willkür unter Lukaschenko. In der Nacht zum Freitag hatten die Behörden viele der rund 7000 im Zuge der Proteste festgenommenen Bürger wieder auf freien Fuß gesetzt.

Tichanowskaja ruft zu Massenprotesten auf

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Die Präsidentenkandidatin Swetlana Tichanowskaja hat derweil aus ihrem Exil im EU-Land Litauen zu neuen friedlichen Massenaktionen aufgerufen. “Lasst uns zusammen unsere Stimmen verteidigen”, sagte sie in einer am Freitag über die sozialen Netzwerke verbreiteten Videobotschaft. Am Samstag und Sonntag sollten sich die Menschen in allen Städten des Landes zu friedlichen Massenversammlungen zusammenfinden.

Zugleich forderte sie den Machtapparat auf, die Gewalt gegen die Bürger zu beenden und den Dialog zu beginnen. Sie betonte, dass sie bei der Wahl zwischen 60 und 70 Prozent der Stimmen erhalten habe.

Dagegen hatte sich der als "letzter Diktator Europas" bezeichnete Alexander Lukaschenko mit rund 80 Prozent zum Sieger erklären lassen. Der Staatschef hat mit dem Einsatz der Armee gedroht, um sich eine sechste Amtszeit in Folge zu sichern. An seinen Sieg vom Sonntag glaube die Mehrheit der Menschen nicht, sagte Tichanowskaja.

“Die Lage ist kritisch”, sagte die Kandidatin. Lukaschenko, den sie nicht beim Namen nennt, habe einen “blutigen Krieg” gegen die Bevölkerung begonnen. “Die Belarussen wollen nie mehr unter den gegenwärtigen Machthabern leben.”

Tichanowskaja danke ihren Unterstützern und besonders den Menschen in den Staatsbetrieben, die öffentlich auf Versammlungen gezeigt hätten, für wen sie gestimmt haben. Auf vielen Videos ist zu sehen, wie Arbeiter jubelnd die Hände in die Luft strecken bei der Frage, wer Tichanowskaja gewählt habe. Für Lukaschenko gingen kaum Hände hoch.

RND/dpa

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