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Nach Verurteilung von Separatistenführern: Erneut Krawalle in Barcelona

  • Die Ausschreitungen in Barcelona nehmen kein Ende.
  • Während die Zentralregierung in Madrid, die Separatisten und erstmals auch Kataloniens Regierungschef zu Friedfertigkeit aufrufen, gehen am Mittwochabend wieder Zehntausende auf die Straßen.
  • Die Polizei präsentiert sich derweil in Unterzahl.
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Eine dritte Nacht in Folge ist es in Barcelona und anderen katalanischen Städten zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Zehntausende wütende Protestierende demonstrierten in der Hauptstadt Kataloniens auch am Mittwochabend, einige bauten brennende Barrikaden und setzten Autos und Mülleimer in Brand. Die katalanische Polizei teilte mit, Demonstranten hätten Benzinbomben, Steine, Flaschen und Feuerwerk auf sie geworfen.

Anlass der Proteste ist die Verurteilung von katalanischen Separatistenführern zu langjährigen Haftstrafen durch den spanischen Obersten Gerichtshof am Montag.

Die Zentralregierung in Madrid kündigte am Mittwoch an, für ein Ende der Gewalt in Katalonien zu allen notwendigen Mitteln zu greifen: "Alles ist vorbereitet und (die Regierung) wird wenn nötig handeln, mit Entschlossenheit, Angemessenheit und Einheit", hieß es in einer Erklärung. Kein Szenario werde ausgeschlossen, sagte demnach der amtierende Ministerpräsident Pedro Sánchez. Später ließ er mitteilen, die Behörden ließen sich nicht zu drastischen Maßnahmen provozieren.

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Unterlegene Polizisten schützten sich mit Helmen, Westen und Schilden

Zahlenmäßig unterlegene Polizisten schützten sich am Mittwoch mit Helmen, Westen und Schilden. Sie schossen mit Schaumstoffkugeln und schwangen Schlagstöcke. Ein Polizeihubschrauber wurde von fünf feuerwerksähnlichen Objekten getroffen, wie die Regionalpolizei mitteilte. Bewohner schütteten Wasser von Balkonen auf brennende Mülleimer.

Laut Gesundheitsdiensten in Katalonien behandelten Ärzte am Mittwoch 52 Menschen. Die Polizei teilte mit, sie habe "mindestens 20 Menschen" in Katalonien wegen Gewaltakten festgenommen.

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Barcelona brennt - Regionalpräsident fordert Ende der Gewalt
1:17 min
Zum dritten Mal in Folge ist es in Barcelona zu schweren Ausschreitungen gekommen  © AFP
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Auch am Dienstagabend war es zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Nach Polizeiangaben versammelten sich 40 000 Demonstranten in den Straßen vor dem Büro des spanischen Regierungsvertreters. Fünf Protestmärsche sollten am Freitag in der Regionalhauptstadt Barcelona eintreffen. Die Organisatoren mahnten die Teilnehmer zu Friedfertigkeit.

Behinderungen sorgte eine großangelegte Aufräumaktion

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Die spanische Regierung teilte mit, der Verkehr auf einer Schnellzugstrecke zwischen Barcelona und Girona nahe der französischen Grenze sei wegen "Sabotage" gestoppt worden. In Barcelona behinderten die Proteste den Verkehr. Für zusätzliche Behinderungen sorgte eine großangelegte Aufräumaktion, bei der die Überreste verbrannter Barrikaden und Müllcontainer vom Vorabend fortgeräumt wurden.

Sánchez verurteilte die Gewalt und twitterte: "Alle Unterstützung für die Sicherheitskräfte." Sánchez muss sich in gut drei Wochen vorgezogenen Neuwahlen stellen. Der Chef der bürgerlichen Ciudadanos, Albert Rivera, reiste nach Barcelona und erklärte, das Land stehe vor einem "Notstand". Der Chef der konservativen Volkspartei PP, Pablo Casado, forderte ein Dekret der Regierung, um Madrid die volle Kontrolle über die katalanische Regionalpolizei zu geben. Die Rechtsaußenpartei Vox verlangte ein zeitweises Aushebeln einiger Bürgerrechte.

Derweil rief der separatistische Parlamentsabgeordnete Gabriel Rufián zur Ruhe auf. "Nichts kann Gewalt rechtfertigen", sagte er dem Radiosender Cadena SER. Der Chef der Regionalregierung von Katalonien hat die jüngsten Gewaltausbrüche ebenfalls öffentlich kritisiert. „Das muss sofort aufhören. Es gibt weder einen Grund oder eine Rechtfertigung dafür, Autos in Brand zu stecken, noch für andere vandalische Aktionen“, sagte Quim Torra in einer vom Fernsehen übertragenen Erklärung. Die Unabhängigkeitsbewegung habe Gewalt stets verurteilt und tue das auch jetzt. „Die Zwischenfälle, die wir auf unseren Straßen erleben, kann man nicht zulassen.“

Etwa die Hälfte der 7,5 Millionen Einwohner Kataloniens ist für eine Unabhängigkeit von Spanien. Die meisten Demonstrationen waren bisher friedlich - bis zu dieser Woche.

RND/AP/dpa

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