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  • Nach Verbot: "Reichsbürger"-Chefin Heike W. drohte Angela Merkel

“Reichsbürger"-Chefin drohte Angela Merkel mit “Sippenhaft”

  • Die charismatische Heike W. schart bundesweit Anhäger um sich, die immer aggressiver auftraten.
  • Nach dem Verbot der “Geeinten deutschen Völker und Stämme” ist auch deren Internet-Präsenz abgeschaltet.
  • In Youtube-Videos und bei Seminaren säte Heike W. ihren Hass.
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Berlin. Heike W. ist eine charismatische, kurzhaarige Frau mittleren Alters. Auf Youtube veröffentlichte sie Videos mit Titeln wie „Die Lebenderklärung“ und „Die Welt besser machen“. Sie nennt sich „„Generalbevollmächtigte der geeinten deutschen Völker und Stämme“.

Damit war sie die höchste Vertreterin einer Parallelwelt, die am Donnerstag zerschlagen wurde.

Bundesinnenminister Horst Seehofer verbot die „Reichsbürger“-Vereinigung „Geeinte deutsche Völker und Stämme“ und die Untergruppe „Osnabrücker Landmark“.

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Auch Heike W.s Adresse in Berlin-Lichterfelde wurde durchsucht. Die Website der Vereinigung ist abgeschaltet, das Youtube-Profil gesperrt.

Die „Völker und Stämme“ waren deutschlandweit aktiv. Für kommende Woche werden im Internet drei Veranstaltungen im badischen Freiburg beworben, mit unverfänglichen Namen wie „Meine Heimat“ oder „Mein Name wird eine Marke“.

Nur, wer die Stoßrichtung der „Völker und Stämme“ kennt, ahnt, was sich dahinter verbirgt. In ihren Videos warb Heike W. dafür, „dass die Volksseele wieder aufsteht“. Sie wolle „die Rechte zurückholen für die Menschen“. Dazu schickte sie Schreiben an Behörden, in denen sie diese für illegitim erklärte.

“9000 Feinunzen Gold” als “Sühnemaß"

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Eines davon ging 2017 an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie solle das „Unternehmen Bundesrepublik schließen“, schrieb Heike W. Die zudem ein „Betretungsverbot“ für den Deutschen Bundestag aussprach.

„Diese Urkunde gilt als Haftungssicherungsvertrag gegenüber den grundberechtigen Indignaten hiesiger Landschaften, solltest du, Angela, die oben aufgezeigten Anordnungen ohne Einspruch ignorieren“, schrieb sie in der aggressiv-kruden Reichsbürger-Diktion, drohte mit einem „Sühnemaß von 9000 Feinunzen Gold“, „Sippenhaftung“ und „Inhaftierung“.

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Dass die Gruppe um Heike W. ihrer Agression nicht nur in Briefen freien Lauf ließ, zeigte sich 2018 vor dem Amtsgericht Waren (Müritz). Bei einem Prozess gegen eine Anhängerin randalierten 30 „Reichsbürger“ im Gericht und lösten einen Großeinsatz der Polizei aus.

Gefährliche Rechtsextremisten

„Die Situation war mulmig“, sagte Amtsgerichtssprecherin Barbara Grabandt. Anders als an Landgerichten sind am Amtsgericht meist nur drei Personen im Raum, die den Staat präsentieren – Richter, Protokollführer und Staatsanwalt. Sicherheitsdienste gibt es oft nicht.

„Die Vorfälle am Amtsgericht Waren belegen, dass Reichsbürger keineswegs verirrte Spinner, sondern eine ernst zu nehmende Gefährdung des Rechtsstaates sind“, warnt bereits damals Peter Ritter, innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag.


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