Nach Tötung von iranischem General: Trumps drohender Krieg

  • Mit dem tödlichen Luftangriff von Bagdad eskaliert der Konflikt zwischen den USA und Iran dramatisch.
  • General Soleimani genoss in Teheran das Ansehen eines Vizepräsidenten. Eine Vergeltung scheint unausweichlich.
  • Das Ereignis wird die Präsidentschaft Trumps überschatten, kommentiert Karl Doemens.
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Washington. Ist das ein tiefer Einschnitt? Der Wendepunkt? Der Beginn eines Krieges im Mittleren Osten? Wenige Stunden nach dem tödlichen US-Raketenangriff auf den Chef der iranischen Elitetruppe Al-Kuds-Brigaden ist es zu früh, die ganze Tragweite des Ereignisses abzuschätzen. Aber eine dramatische Eskalation ist die Tötung eines der ranghöchsten Generäle Teherans auf jeden Fall. Schon wird in Washington heftig über mögliche Vergeltungsschläge der Mullahs diskutiert. Sie könnten US-Truppen in den Golfstaaten oder im Libanon treffen. Selbst ein Raketenangriff auf Israel ist nicht ausgeschlossen.

Das alles ist bislang noch Spekulation. Doch klar ist: Am dritten Tag des neuen Jahres und elf Monate vor den amerikanischen Wahlen hat Donald Trumps Amtszeit eine grundlegende Wende genommen. Der Konflikt im Mittleren Osten wird diesen Präsidenten nicht mehr loslassen. Trump hat die Wahl mit einer isolationistischen Agenda und dem Versprechen gewonnen, die amerikanischen Truppen aus den Konfliktherden dieser Welt abzuziehen. Nun treibt die Entwicklung mit atemberaubender Geschwindigkeit in die andere Richtung.

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Irgendwann gibt es keinen Ausweg mehr aus der Vergeltungsspirale

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Die Konfrontation zwischen Washington und Teheran, die mit dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen vor mehr als einem Jahr begann und sich über den mutmaßlich iranischen Beschuss von Öltankern im Persischen Golf im Mai, den Abschuss einer US-Drohne im Juni, die Luftangriffe der USA auf Einrichtungen der schiitischen Hisbollah-Brigaden am vergangenen Wochenende und die versuchte Erstürmung der US-Botschaft in Bagdad durch Iran-freundliche Demonstranten bis zum heutigen Enthauptungsschlag gegen einen Kommandeur der Revolutionsgarden steigerte, eskaliert immer schneller und mit zunehmend unabsehbaren Folgen.

Die USA machen den nun getöteten General Ghassem Soleimani für den Tod Hunderter Amerikaner verantwortlich. Im Iran aber genoss der prominente Militärführer quasi den Rang eines Vizepräsidenten. Entsprechend groß ist dort nun die Empörung.

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Es gibt keinerlei Anlass für Sympathien mit den Mullahs in Teheran, die Terror in der ganzen Region verbreiten. Doch zur fatalen Wahrheit gehört, dass sich Trump mit seiner Politik des „maximalen Drucks“ in eine Spirale begeben hat, aus der es irgendwann keinen Ausweg mehr gibt.

Ein besonnener Führer mit großem Geschick könnte mit der Hilfe von Verbündeten und fähigen Diplomaten vielleicht noch einen Ausweg aus der brandgefährlichen Lage im Mittleren Osten finden. Doch es ist mehr als fraglich, ob Trump, der vor allem Maß an seinem Ego nimmt und es offenbar nicht einmal für nötig hielt, den Kongress vor dem jetzigen folgenschweren Militärschlag einzubeziehen, ein Staatsmann dieser Größe ist.

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