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Nach Seehofers Kritik an „C-Parteien“ – wie weiter im Streit um die Ostergottesdienste?

  • Auf Ebene der Länder und des Bundes verhandeln Kirchen und politisch Verantwortliche über die Gottesdienste in den Osterfeiertagen.
  • Die Runde der Länderchefs und der Bundeskanzlerin hatte die Kirchen gebeten, die Liturgien in den virtuellen Raum zu verlagern.
  • Das stößt nicht nur auf Widerstand in den Kirchen – sondern auch in der Politik.
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Berlin. So überkreuz lagen Kirchen und Politik in Deutschland schon lange nicht mehr. Zum nunmehr zweiten Mal sollen Katholiken und Protestanten auf Bitten von Bund und Ländern auf den Gang zur Kirche an den höchsten christlichen Feiertagen verzichten.

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Seehofer kritisiert Gipfel-Beschlüsse zu Gottesdiensten
0:51 min
Seehofer zufolge sollten gerade Parteien mit dem C im Namen den Kirchen nicht den Verzicht auf Gottesdienste nahelegen, vor allem an Ostern.  © dpa

2020 waren alle angesichts der Schreckensbilder aus Bergamo schnell einsichtig. Das hat sich im zweiten Jahr der Corona-Pandemie jedoch geändert.

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Die Kirchen, so sehen sie das jedenfalls, haben ihre Hausaufgaben gemacht. Strenge Schutzkonzepte herrschen in den Gotteshäusern. Gesangsverbot inklusive. „Nicht zuletzt hat die Weihnachtszeit gezeigt: Kein katholischer Gottesdienst wurde zum Corona-Hotspot.“ Daran könne man anknüpfen in den Ostertagen, sagt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

„Gottesdienste sind kein Beiwerk“

Die Kirchenoberen sind not amused über das Ansinnen der Corona-Bund-Länder-Runde von Montagnacht, Ostergottesdienste lieber in den Äther zu verlegen. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, twitterte offenbar verärgert: „Ostern ist das wichtigste Fest für uns, Gottesdienste sind kein Beiwerk.“

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Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, ist ebenfalls kalt erwischt worden. „Wir werden uns in den von der Bundeskanzlerin angekündigten Gesprächen zunächst genau erläutern lassen, warum die bewährten Hygieneschutzmaßnahmen, die alle Landeskirchen für ihre Gottesdiensten haben, nun nicht mehr ausreichen sollen.“

Doch inzwischen rumort es auch in der Politik, vornehmlich bei CDU und CSU. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der in der Bundesregierung die Kontakte zu allen religiösen Gemeinschaften hält, wird deutlich.

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Seehofer: Kirchliche Hygiene-Konzepte funktionieren tadellos

„Es hat mich schon erstaunt, dass ausgerechnet Parteien, die das C im Namen führen, den Kirchen den Verzicht auf Gottesdienste nahelegen, noch dazu an Ostern“, sagte er der „Bild“. „Das Innenministerium hat stattdessen schon sehr früh in der Pandemie gemeinsam mit den Kirchen Hygienekonzepte ausgearbeitet, die bis heute tadellos funktionieren.“

CDU/CSU-Fraktionsvize Hermann Gröhe hat großes Verständnis für die Reaktionen der beiden großen Kirchen. „Es sind umgehend Gespräche mit den Kirchen erforderlich, zumal sie für eine der Bedeutung des Osterfestes gerecht werdende Durchführung von digitalen Gottesdienstformaten eigentlich eine längere Zeit der Vorbereitung benötigen“, sagt er der FAZ.

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer stellte klar, dass sein Land den Kirchen Präsenzgottesdienste nicht verbieten wird. In der ARD sagte der CDU-Politiker am Dienstagabend: „Wir sollten das nicht vorgeben als Politik.“ Er habe keinen Zweifel daran, „dass die Kirchen, die Religionsgemeinschaften, einen klugen und verantwortungsvollen Weg finden werden.“

EKD wünscht sich einheitliche Regeln für alle

Nun verhandeln die Kirchen seit Dienstag auf Länderebene und auf Bundesebene mit der Politik. Im Grunde genommen gelten auch hier föderale Regeln: Bei den Protestanten entscheiden die Landeskirchen, wie sie mit der Bitte der Politik umgehen, bei den Katholiken die Bistümer. Die EKD wünscht sich aber einheitliche Regeln für alle, heißt es dort.

In den Gesprächen müsse deutlich werden, dass die Öffnung der Kirchentüren zu Ostern etwas anderes sei als die Öffnung irgendwelcher Geschäfte, fordert ZdK- Präsident Sternberg. „Das ist kein Leichtsinn, sondern verantwortungsvoll unter Wahrung strenger Regeln möglich.“

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