Nach Protesten: Lucke kritisiert Leitung der Hamburger Uni

  • Der AfD-Gründer Bernd Lucke wollte am Mittwoch seine Antrittsvorlesung an der Hamburger Universität halten, nachdem er den Wiedereinzug ins Europaparlament verpasst hatte.
  • Demonstrierende Studenten verhinderten dies.
  • Nun übt Lucke scharfe Kritik an der Leitung der Uni.
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Berlin. Nach den tumultartigen Protesten gegen seine Antrittsvorlesung an der Hamburger Uni hat AfD-Gründer Bernd Lucke die Hochschulleitung und die Hamburger Wissenschaftssenatorin kritisiert. Seine Kritik galt der Stellungnahme der Universitätsleitung, wonach man eine „diskursive Auseinandersetzung“ aushalten müsse.

„Was die Universität da mitgeteilt hat, ist an Absurdität nicht zu überbieten“, sagte Lucke dazu der Tageszeitung „Die Welt“. Denn „dieser Mob“ habe „jeden niedergeschrien, der etwas sagen wollte. Also nicht nur mich, sondern auch die Studenten, die gegen die Störer waren. Und obwohl wir kein einziges Wort sagen konnten und lauter Beleidigungen ausgesetzt waren, schreiben die Wissenschaftssenatorin und der Präsident der Universität, dass man ,diskursive Auseinandersetzungen‘ aushalten müsse.“ Das sei „wirklich ein Schlag ins Gesicht“.

Zugleich würdigte Lucke die Studenten, die seine Vorlesung hatten hören wollen und trotz der Proteste bis zum Schluss geblieben seien. „Am Ende haben sie mich sogar aus dem Hörsaal eskortiert – und wirklich Rückgrat bewiesen.“ Im Übrigen habe er „auch bei der AfD tumultartige Kundgebungen erlebt. Auf dem Parteitag in Essen bin ich einmal niedergebrüllt worden, als ich mich für die Religionsfreiheit eingesetzt habe.“ Lucke kündigte an, am nächsten Mittwoch wieder im Hörsaal stehen zu wollen.

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Proteste an Hamburger Uni gegen AfD-Mitbegründer Lucke
1:30 min
Bernd Lucke wollte an der Universität Hamburg eigentlich eine Vorlesung über Makroökonomie halten. Dazu kam es aufgrund von Protesten jedoch nicht.  © dpa

Zu seiner Mitverantwortung für die Entwicklung der AfD sagte der 57-Jährige, er habe „eine Partei gegründet, die damals eine ganz andere Partei war als die, die ich jetzt unter dem Namen AfD vorfinde und deshalb vor vier Jahren verlassen habe“.

Wenn er nun in einem Hörsaal als „Nazi-Schwein“ beschimpft werde, dann sei dies eine unentschuldbare Maßlosigkeit. Früher seien Professoren der Universität als „Judensau“ beschimpft worden, so Lucke. „Wenn das heute vorkäme, würde sicherlich sofort eingegriffen werden. Aber bei einer Beschimpfung als ,Nazi-Schwein‘ reagiert die Uni nicht.“

Lucke hatte den Wiedereinzug ins Europaparlament verpasst. Nun möchte der Wirtschaftswissenschaftler an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren.

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RND/mdc